[WestG] [AKT] Mittelalterliches "Verbotsschild" entdeckt: LWL zeichnet Burg Dringenberg als Denkmal des Monats aus

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Apr 28 09:24:37 CEST 2011


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 28.04.2011, 09:01


AKTUELL

Mittelalterliches "Verbotsschild" entdeckt
LWL zeichnet Burg Dringenberg als Denkmal des Monats aus

Das wohl ältestes "Verbotsschild" Westfalens haben 
Denkmalpfleger des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) 
jetzt auf der Burg Dringenberg im Bad Driburger Ortsteil 
Dringenberg (Kreis Höxter) entdeckt. Im Torhaus der Burg wurde 
eine äußerst seltene in den Putz geritzte Inschrift aus der 
ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts identifiziert. Deshalb 
zeichneten die LWL-Denkmalpfleger jetzt die Burg als Denkmal 
des Monats April aus.

Die auf Brusthöhe auf einer Länge von 1,45 Metern eingeritzte 
Inschrift am Kellerabgang ist nur fragmentarisch erhalten. Doch 
reicht das Lesbare aus, um den Zweck der Inschrift zu erkennen: 
"hie sal nymant yn gan he en wolle uns... es..." (Hier soll 
niemand hineingehen, er wolle uns nicht .../es sei denn, er 
wolle uns") "Die Inschrift ist eine eindeutige Beschränkung des 
Zugangs, also eine Art frühes Verbotsschild. Warum der Zugang 
zum Keller verboten war, wissen wir nicht", so 
LWL-Denkmalpfleger Dr. Christoph Heuter. Möglicherweise führte 
die Treppen in den Weinkeller, den man vor Unbefugten schützen 
wollte. Oder im Keller sei Bier gebraut worden. "Das würde auch 
die Rinnsteine erklären, die durch den Kellerraum zu einem 
Durchstich in der Außenwand führten", vermutet LWL-Bauforscher 
Dr. Fred Kaspar.

Hintergrund Vor Ort war die Inschrift nicht zu entziffern. 
Deshalb übertrugen Restauratoren sie zunächst auf 
Transparentfolie. So konnten sie zwischen Ritzungen der 
Inschrift und zufälligen Oberflächenschäden unterscheiden. 
Außerdem fotografierten die Restauratoren die Inschrift unter 
Streiflicht und erhielten so konturenscharfe Bilder. Mit diesem 
Material gelang es Dr. Helga Giersiepen, Inschriften-Expertin 
an der Universität Bonn, die Inschrift zu entziffern und als 
gotische Kleinbuchstaben, sogenannte Minuskel, zeitlich in die 
erste Hälfte des 15. Jahrhunderts einzuordnen. Die Wandputze 
der früheren bischöflichen Burg Dringenberg haben schon 1996 
große Aufmerksamkeit auf sich gezogen: Damals wurde am 
Südflügel eine Putzfläche entdeckt, die neben diagonalen 
Streifen sowie Darstellungen einer Schlange und der lippischen 
Rose auch eine Inschrift mit Datierung aus dem Jahr 1551 zeigt.

Heute ist die Burg mit dem Heimatmuseum, durch viele 
Vereinsaktivitäten und als Ort für Trauungen in der ehemaligen 
Burgkapelle in das Leben des kleinen Ortes eingebunden. "Die 
Stadt Bad Driburg als Eigentümerin pflegt die Burg sorgsam. 
Vielleicht gelingt es ja einem der geschichtsbegeisterten, in 
36 Vereinen engagierten Dringenbergern doch noch, die ehemalige 
Nutzung des Kellers in den Akten zu erkunden und so die 
Bedeutung des mittelalterlichen 'Verbotsschildes‘ zu 
entschlüsseln", so Heuter.


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