[WestG] [AUS] "Tiere der Bibel" im LWL-Museum fuer Naturkunde, Muenster, 03.09.2010-16.01.2012
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Sep 1 10:43:18 CEST 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 31.08.2010, 12:15
AUSSTELLUNG
Königliches Reittier, zehn Plagen und paradiesische Zustände
Sonderausstellung "Tiere der Bibel" im LWL-Museum für Naturkunde
Einträchtig stehen die kleinen und großen wilden Tiere Schulter
an Schulter vor dem Schiff und warten auf Einlass. Werden Sie
alle an Bord passen? Der hölzerne Nachbau der "Arche", dem Boot
aus der Bibelgeschichte von Noah und der Sintflut, steht im
LWL-Museum für Naturkunde am Eingang der Sonderausstellung, die
vom 3. September 2010 bis zum 16. Januar 2012 in Münster läuft.
Mitarbeiter haben die Museumsarche für die neue Schau "Tiere
der Bibel" im Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
(LWL) gebaut.
"Die Arche stellt gleich den ersten Höhepunkt der neuen
Ausstellung dar", so Dr. Wolfgang Kirsch, Direktor des LWL.
Zwei alte Bibeln aus den Jahren 1560 (eine Lutherbibel mit
kolorierten Holzschnitten) und 1596 sind weitere herausragende
Objekte unter den insgesamt 350 Objekte in der
Ausstellungsstücken. Beide Bibeln sind Leihgaben des
Bibelmuseums der Universität Münster.
Auf rund 500 Quadratmetern erwarten den Besucher fliegende,
kriechende, schlängelnde und laufende biblische Tiere, wenn er
den Geschöpfen Gottes zum Schiff folgt und die eigentlichen
Ausstellungsräume betritt. Dabei ist gleich das Thema Arche
spannend, geht doch die Ausstellung auch auf die modernen
Archen unserer Zeit ein: etwa Zoos oder Gendepots, in denen
Erbgut, Zellen und Gewebe von bedrohten Tierarten gesammelt
werden. Kirsch: "Das LWL-Museum für Naturkunde baut selbst seit
neuestem solch ein DNA- und Gewebearchiv auf."
In der Bibel werden rund 130 Tierarten erwähnt, zu denen Wild-
oder Haustiere gehören, die überwiegend im Gebiet des antiken
Königreiches Israel lebten. Mehr als 70 dieser Tiere stellt die
Ausstellung in Form von originalen Präparaten vor. Teilweise
wird ihre Nutzung erläutert, aber auch ihre Bedeutung für
Opfer- und Kulthandlung sowie ihre Verwendung in Metaphern und
Vergleichen. Die Schau zeigt außerdem an bekannten und weniger
bekannten Passagen der Bibel, wie wichtig die Tiere für den
Menschen waren, wozu sie dienten und welche Symbolik sie
erfüllten. "Die Besucher erfahren, wieso Hasen Wiederkäuer sind,
weshalb ein Esel ein königliches Reittier war und warum manche
von ihnen sogar sprechen konnten", erklärt Kirsch die Inhalte
der Ausstellung.
Hat die biblische Erzählung von der Arche Noah heute eine
symbolische Bedeutung für die Verantwortung der Menschen
gegenüber der Umwelt? Die Ausstellung gibt dem Besucher
Anregungen für die Beantwortung heutiger Fragen zur Tier- und
Umweltethik. Sie spannt bewusst den Bogen von den historischen
Bibelgeschichten in die Gegenwart.
Dr. Alfred Hendricks, Leiter des LWL-Museums in Münster,
erklärt, wieso das Thema der Ausstellung geeignet ist für das
Naturkundemuseum: "Die Bibel wimmelt von lebendigem Getier. Im
Buch der Bücher findet sich kaum eine längere Passage, in der
nicht in irgendeiner Form die Rede von Tieren ist. Sie führen
Eva in Versuchung, transportieren Jesus, plagen die Ägypter,
mahnen Petrus und helfen sogar bei der Partnervermittlung."
In großen Inszenierungen werden insgesamt neun Bibelgeschichten
aufwändig dargestellt. Dazu gehören unter anderem Noahs Arche,
Daniel in der Löwengrube, Bileams Eselin mit der Figur des
Bileam, die von einer Künstlerin eigens für die Ausstellung in
siebenmonatiger Handarbeit hergestellt wurde, oder das Goldene
Kalb. Ein interaktiver Tisch erläutert die Symbolik von Tieren,
früher und heute.
Es warten paradiesische Zustände, heilende Schlangen, eine
Löwengrube und ganz aktuelle Plagen auf die Besucher. Zum
Bereich Plagen hat eine Studentin der Fachhochschule Münster,
Fachbereich Design, "Die zehn Plagen in Ägypten" optisch
ansprechend in Grafiken dargestellt. Damit wurde die
langjährige Zusammenarbeit des Museums mit der FH Münster auch
bei dieser Ausstellung erfolgreich fortgesetzt.
"In der Bibel finden sich viele Tiere, die im täglichen Leben
der damaligen Menschen eine Rolle gespielt haben", so
Museumschef Hendricks. "Zum einen die Haustiere, mit denen man
oft eng zusammen lebte, die gepflegt wurden und die
gleichzeitig als Opfer den Kontakt zu Gott herstellten. Der
Mensch in der Bibel sorgt für seine ihm anvertrauten Tiere,
hegt und pflegt sie und gibt ihnen Schutz. Heute versuchen die
Menschen den Spagat zu finden zwischen dem Fabrikfleisch auf
ihren Tellern und ihrem Schoßhündchen mit Brillanthalsband, das
besser ernährt und medizinisch versorgt wird als manch ein
Mensch."
Daneben gab es die wilden Tiere, wie Klippschliefer
(murmeltierähnliches afrikanisches Säugetier), Wachteln oder
Gazellen. Diese Tiere wurden gejagt oder verzehrt. Darüber
hinaus erzählt die Bibel von "Tieren", die uns heute eher als
Mythen oder Fantasiegestalten erscheinen. Manche von ihnen
scheinen an reale Tiere angelehnt zu sein. So hat der "große
Fisch", der Jona verschluckte, vielleicht wirklich einen Wal
zum Vorbild.
Zur Ausstellung gehört ein umfangreiches Begleitprogramm mit
museumspädagogischen Angeboten, Führungen, Literarischen
Rundgängen mit Schauspielerin Beate Reker (ab Januar 2011),
Ferienangeboten und Kindergeburtstagen mit Schlange, Löwe, Hahn
und Co.
Ebenfalls erschienen ist ein gleichnamiges Begleitbuch vom
Ausstellungsmacher Jan Dübbers (Hrsg. Alfred Hendricks,
LWL-Museum für Naturkunde, Münster, Tecklenborg Verlag, 118
Seiten, ISBN 978-3-940726-1009). Das Begleitbuch kann zum Preis
von 14,80 Euro im Museum erworben werden.
Zu entdecken sind die biblischen Tiere vom 18. Juni 2010 bis 1.
Mai 2011 im LWL-Museum für Naturkunde am Aasee.
INFO
Öffnungszeiten: Dienstags bis sonntags von 9 bis 18 Uhr.
Eintritt: 3,50 Erwachsene, 2 Kinder, 8 Familien
LWL-Museum für Naturkunde
Westfälisches Landesmuseum mit Planetarium
Sentruper Str. 285
48161 Münster
Telefon 0251.591-05
E-Mail naturkundemuseum at lwl.org
URL: http://www.lwl-naturkundemuseum-muenster.de
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