[WestG] [AUS] "Aufruhr 1225!: Von Rittern, Burgen und Intrigen, Herne, 27.02.-28.11.2010
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Mär 1 09:14:19 CET 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 25.02.2010, 12:03
AUSSTELLUNG
Von Rittern, Burgen und Intrigen
Ausstellung "Aufruhr 1225!" im LWL-Museum für Archäologie in
Herne
"Aufruhr 1225!" heißt die größte Mittelalterausstellung, die es
bisher im Ruhrgebiet gegeben hat: Vom 27. Februar bis 28.
November ist die Schau des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
(LWL), ein Projekt von RUHR.2010, im LWL-Museum für Archäologie
in Herne zu sehen.
Das Jahr 1225 war ein historischer Wendepunkt für die Region.
Während eines Überfalls kommt der Kölner Erzbischof Engelbert,
einer der mächtigsten Männer des Reiches, gewaltsam ums Leben.
Das Ereignis, das damals die ganze Ruhrregion veränderte, ist
Ausgangspunkt der 1,7 Millionen Euro teuren Ausstellung über
Ritter, Burgen und Intrigen.
"Die Kölner Dominanz war nach dem Tod des Bischofs
vorübergehend gebrochen. Lokalgrößen gelangten nun zu mehr
Macht, was einen regelrechten Bauboom auslöste", sagte
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch bei der Vorstellung am
Donnerstag (25.2.) in Herne. Zahlreiche Burgen seien in dieser
Zeit entstanden. Mit jeder Festung habe ein Adeliger seinen
Machtanspruch untermauert.
Die Ausstellung gibt eine Übersicht der mehr als 400 Burgen,
die es zwischen Emscher und Ruhr gegeben hat. "Das heutige
Ruhrgebiet weist eine der höchsten Burgendichten Europas auf",
so Kirsch. Doch auch das Entstehen mehrerer benachbarter
Zentren, das die Ruhrregion bis heute prägt, sei letztlich auf
die Ermordung des Erzbischofs zurückzuführen.
Leben im Mittelalter
Auf einer Ausstellungsfläche von 1.500 Quadratmetern inszeniert
das LWL-Museum für Archäologie eine Spurensuche nach den
Überresten dieser Zeit in der heute vollkommen verwandelten
Landschaft an Ruhr, Emscher, Lippe und Rhein. Etwa 1.000
Ausstellungsstücke wie Waffen, Rüstungen, goldene Reliquiare
oder Kochgeschirr sowie Nachbildungen zum Anfassen und
Ausprobieren zeigen, wie die Menschen im 13. Jahrhundert lebten.
Die verschiedenen Lebensbereiche des Mittelalters werden in
bühnenartigen Themenräumen in Szene gesetzt. Vom Familienleben
und Ständewesen, der Rechtsprechung und Gesetzgebung, der
Bedeutung von Kirchen und Klöstern, vom Reisen, dem Rittertum
und dem Burgbau spannt sich der Bogen bis zu einer der letzten
großen Ritterschlachten im Jahr 1288. Dabei präsentiert
"Aufruhr 1225!" auch unbekannte und kuriose Seiten dieser
Epoche. Die Schau erklärt beispielsweise, was die
blutbefleckten Kleider des ermordeten Erzbischofs auf der
Hochzeitstafel des Königs verloren haben, oder warum die Hände
eines Gehenkten als Talisman galten.
Blutiges Ereignis
Zunächst stehen die Hintergründe der Ereignisse im Mittelpunkt,
die zur Ermordung des Kölner Erzbischofs führten. Die
handelnden Personen werden samt ihrer Familien und ihren
"Markenzeichen", den Wappen, vorgestellt. Den Erzbischof zeigt
zum Beispiel eine vergoldete Büste aus dem Domschatz Essen. Die
Kopie eines Freskos aus dem Schloss Burg in Altena illustriert
den Überfall auf Engelbert.
Silberschatz
Mit einem fast 500 Kilogramm schweren Silberschatz
veranschaulicht das LWL-Museum das Kopfgeld, das für die
Ergreifung des Beschuldigten, Graf Friedrich von Isenberg,
ausgelobt wurde. Gegen ihn verhängte der König in Nürnberg die
Reichsacht. Ein Jahr nach der Tat wurde er gefasst und grausam
hingerichtet. In diesem Zusammenhang wird den Besuchern
erläutert, wie die Rechtsprechung im hohen Mittelalter
funktionierte.
Kirchenbann
Für seine Tat belegte die Kirche Friedrich von Isenberg mit
einem Bann. Auch seine Brüder, die Bischöfe von Münster und
Osnabrück, wurden abgesetzt, woraufhin sich die drei
Geschwister auf die Reise zum Papst nach Rom begaben. Die
Ausstellung beschäftigt sich an dieser Stelle mit dem Aufbau
der Kirche und ihrem Einfluss auf die Politik in der Region.
Zudem geht es um das Reisen im Mittelalter und den Blick der
Zeitgenossen auf ihre Welt. In einer Darstellung des Weltbildes,
der Ebstorfer Weltkarte, wird auch die Ruhrregion erstmals
erfasst.
Klostergründungen
Um für Verstorbene einen Ort des Andenkens zu schaffen, wurden
vielfach Klöster gegründet. Nach dem Tod Engelberts entstand in
Gevelsberg ein Kloster zu seinem Gedenken. Eine lebensgroße
Holzstatue seiner Person, die dort stand, hat in den kommenden
Monaten in Herne ihren Platz.
Eine andere Vorgeschichte hat das Kloster Cappenberg. Deren
Begründer waren am Dombrand in Münster beteiligt und gaben
später aus Reue ihren gesamten Besitz der Kirche. So wurde der
Familiensitz zum Kloster, das unter anderem den kostbaren
Barbarossa-Kopf - das einzige heute bekannte Bildnis eines
deutschen Kaisers mit individuellen Zügen - beherbergte.
Die Ritter
Ritter waren geübte Krieger und fromm erzogene Edelmänner. Die
Ausstellung schaut auf die Figur des Ritters und seinen
Werdegang. Aufstieg und Niedergang der Ritterschaft werden
dabei ebenso betrachtet wie das Geschehen auf dem Schlachtfeld.
Ein seltener Helm aus der Hofjagd- und Rüstkammer des
Kunsthistorischen Museums in Wien verdeutlicht die zunehmenden
Probleme der Ritter zu Felde. Von Lang- und Schusswaffen
bedroht, verschanzten sie sich von Kopf bis Fuß in Eisen.
Motte in der Nachbarschaft
Viele der Burgenbauten im Mittelalter waren nicht aus Stein,
sondern große Holzwohntürme auf einem Erdhügel, sogenannte
"Motten". Keine dieser Turmhügelburgen ist heute noch erhalten,
so dass kaum jemand die am meisten verbreitete Burgenform des
13. Jahrhunderts kennt. Ein Höhepunkt der Ausstellung wird eine
solche nachgebaute Turmhügelburg sein, die ab März für ein Jahr
vor dem LWL-Museum in Herne stehen wird - über 20 Meter hoch
und so eingerichtet, als wären die Bewohner gerade erst
gegangen.
Leben auf der Burg
Wie es sich auf einer Burg lebte, erfahren die Besucher im
"Weißen Saal" der Ausstellung. Dort können sie die einzelnen
Funktionsbereiche von verschiedenen Handwerksstätten bis zur
Lagerhaltung und die Beziehungsgeflechte am Hof kennenlernen.
Den Aufbau einer Burg vermittelt ein Modell der Hattinger
Isenburg im Maßstab von 1:50. Das sechs Meter lange und zwei
Meter breite Modell ist ein Vorschlag der Ausstellungsmacher,
denn die Burg selbst wurde nur wenige Jahre nach ihrer
Fertigstellung zerstört.
Burgenland Ruhrregion
Was ist aus den zahlreichen Burgen bis heute geworden? Nur
wenige sind erhalten geblieben. Einige wurden wieder aufgebaut,
einige (beispielsweise als Fabrikgebäude) umfunktioniert,
andere wurden abgerissen oder sind verfallen. Die Ausstellung
zeigt, wie sich die Adelssitze nach dem Ende der Burgenbauten
entwickelt haben. Dabei stehen der Siegeszug der Industrie im
Ruhrgebiet und dessen Folgen im Vordergrund. Ergänzend stellen
sich elf museal erschlossene Burgen - allesamt Partner von
"Aufruhr 1225!" - vor.
INFO
Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein
Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten
die Ausstellung.
Der Katalog (Verlag Zabern, 600 Seiten, reich bebildert,
gebunden, mit Schutzumschlag) kostet im Museum: 24,90 Euro, im
Buchhandel: 39,90 Euro (ISBN 978-3-8053-4108-0)
Kurzführer (5,95 Euro) und Entdeckerheft für Kinder (8,50 Euro)
erscheinen Mitte März.
Der Burgenführer "Burgen Aufruhr!" (Klartext Verlag, 450 Seiten,
farbig bebildert, broschiert) zu über 100 Burgen, Schlössern
und Herrensitzen in der Ruhrregion kostet 19,95 Euro (ISBN
978-3-8375-0234-3).
27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"
LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1
44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 2 und 6 Euro,
Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte
Ticket Telefon 0180 - 500 1812
(aus dem Festnetz 14 Cent/Minute, Mobilfunk abweichend)
URL: http://www.aufruhr1225.lwl.org
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