[WestG] [AKT] LWL zeichnet Schachtanlage Westerholt 3 in Herten als Denkmal des Monats aus
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jun 15 09:27:43 CEST 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.06.2010, 11:15
AKTUELL
Ein bedeutendes Bergbauzeugnis der Nachkriegszeit - LWL
zeichnet Schachtanlage Westerholt 3 in Herten als Denkmal des
Monats aus
Der Förderturm der Zeche Westerholt in Herten gehörte zu den
ersten Anlagen im Ruhrgebiet mit Vierseilförderung und ist hier
heute eine der letzten erhaltenen Anlagen dieser Art. Deshalb
hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die
Schachtanlage Westerholt 3 des Bergwerkes Lippe, die am 19.
Dezember 2008 stillgelegt wurde, als Denkmal des Monats Juni
ausgezeichnet.
"Außerdem von großer technikgeschichtlicher Bedeutung ist der
Wagenumlauf, der in dieser Vollständigkeit ebenfalls
Seltenheitswert besitzt", so LWL-Denkmalpflegerin Imme
Wittkamp. Dieser Wagenumlauf diente dazu, die entleerten
Förderwagen wieder in den Förderkreislauf zu bringen. Die
meisten Wagenumlauf-Anlagen sind inzwischen abgebaut worden, da
die Zechen überwiegend von der Gestell- auf die Gefäß- oder
Skipförderung umgestellt haben. Dabei werden die bis zu 30
Tonnen fassenden Gefäße direkt in Eisenbahnwaggons entleert.
Die Vierseiltechnik, bei der der Förderkorb an vier Seilen
befestigt wurde, verbesserte die Schachtförderung in den 1950er
Jahren. "Diese Technik hält den Querschnitt der einzelnen Seile
auch bei sehr großer Schachttiefe und bei großen Nutzlasten
klein und verringert somit den Durchmesser der Treibscheiben.
Dadurch verbilligt sich der elektrische Antrieb", erklärt
Wittkamp.
Hintergrund
Markantes Wahrzeichen des ehemaligen Bergwerkes Westerholt, das
an der Grenze von Herten zu Gelsenkirchen-Hassel liegt, ist der
Förderturm des Zentralförderschachtes 3. Er bildet mit der
anschließenden Schachthalle einen zusammenhängenden
Gebäudekomplex. "Besonders kenn-zeichnend sind die
asymmetrische Einbindung des Förderturms in den Wagenumlauf,
der Wechsel von horizontalen und vertikalen
Gliederungselementen sowie der Kontrast der Materialien Beton
und Klinker", so Wittkamp.
Der Förderturm ist mit zwei vollautomatischen
Vierseil-Gestellförderungen ausgestattet. Im Turmkopf sind zwei
Elektrofördermaschinen der Eisenhütte Prinz Rudolf (Dülmen)
erhalten geblieben. Die Schachthalle beherbergt den vollständig
erhaltenen Wagenumlauf mit Leitstand und Kreiselwippern, die
die Förderwagen entleert haben.
Das Bergwerk wurde 1907 als zweites im Grubenfeld
Bergmannsglück gegründet und war über die Bergwerks-AG
Recklinghausen Eigentum des preußischen Staates. 1910 gingen
die Schächte 1 und 2 in Förderung. 1927 gelangte das Bergwerk
mit dem gesamten Besitz der Bergwerks-AG Recklinghausen in das
Eigentum der von dem Iren William Thomas Mulvany gegründeten
Hibernia AG.
Diese begann nach dem Zweiten Weltkrieg mit einem umfassenden
Zusammenlegungs- und Modernisierungsprogramm der ehemalige
staatlichen Zechen. In diesem Zuge entstand ab 1956 neben der
neuen, nahe gelegenen Zentralkokerei Hassel der
Zentralförderschacht Westerholt 3, der 1960 in Betrieb ging.
1998 wurde Wester-holt in die Deutsche Steinkohle AG (DSK)
übernommen und mit dem Bergwerk Fürst Leo-pold/Wulfen zum
Bergwerk Lippe zusammengeschlossen.
Am 19. Dezember 2008 endete die Geschichte des Bergwerks Lippe
mit Hebung des letzten Förderwagens auf Westerholt 3. "Gefragt
sind jetzt kreative Ideen für eine Nachnutzung dieses
bergbaugeschichtlich bedeutenden, zur Zeit vorläufig unter
Schutz gestellten Denkmals", so Wittkamp.
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