[WestG] [LIT] Ebel-Zepezauer, Wolfgang (u.a.): Augusteische Marschlager und Siedlungen des 1. bis 9. Jahrhunderts in Dorsten-Holsterhausen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Jan 26 11:04:28 CET 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 20.01.2010, 11:01
LITERATUR
Römische Marschlager, ein Münzschatz und ein wanderndes Dorf
LWL veröffentlicht Publikation über Ausgrabungen in Dorsten
Archäologen des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL)
haben von 1999 bis 2002 ihre bis dahin größte Ausgrabung
durchgeführt. Am Kreskenhof in Dorsten-Holsterhausen haben sie
auf 120.000 Quadratmetern fünf römische Marschlager und
kaiserzeitliche und mittelalterliche Siedlungsspuren
untersucht. Mehrere tausend Funde und Befunde haben die
Experten ausgewertet und jetzt in der wissenschaftlichen
Publikation "Augusteische Marschlager und Siedlungen des 1. bis
9. Jahrhunderts in Dorsten-Holsterhausen" veröffentlicht. Das
450 Seiten umfassende Buch ist ab sofort für 34 Euro im
Buchhandel erhältlich.
"Eine Ausgrabung in dieser Größe hat es bei der LWL-Archäologie
bis dahin noch nicht gegeben", so LWL-Kulturdezernentin Dr.
Barbara Rüschoff-Thale beim Pressetermin am Mittwoch (20.
Januar) in Dorsten. "Mithilfe modernster
Dokumentationstechniken und mit der Unterstützung der Stadt
Dorsten und der Bauträger "Wohnen im Park" konnten wir die
Arbeiten zügig durchführen."
Die Autoren schlagen einen Bogen von der vorgeschichtlichen
Besiedlung über die römische Okkupationszeit und die
einheimischen Siedlungsspuren in den Folgejahrhunderten bis hin
zu neuzeitlichen Funden. Ausführlich behandeln sie dabei die
fünf Marschlager und die germanischen Bauten bis ins 9.
nachchristliche Jahrhundert.
Römische Marschlager
Die ersten Zeugnisse der römischen Besatzung stammen aus der
Zeit des Drususfeldzuges 12 v. Chr. Die römischen Legionen
hatten am Kreskenhof vermutlich mehrmals ein provisorisches
Lager aufgeschlagen und für wenige Tage bis Wochen genutzt.
Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer beschreibt im ersten Beitrag
die archäologischen Funde. Er weist die Gräben von wenigstens
fünf römischen Lagern nach, dazu Brunnen, Gruben und Backöfen.
Die bis zu zwei Meter tiefen, streng geometrisch angelegten
Lagergräben weisen das typische spitze Profil auf. Den Aushub
dieser Gräben hatten die Legionäre im Lagerinneren zu einem
Schutzwall angehäuft. Unterbrochen wurden die Gräben von neun
Meter breiten Toren, die mit hölzernen Konstruktionen
verschlossen und streng bewacht wurden.
Vier der fünf Lager waren so groß, dass sie die Soldaten von
mehr als einer Legion aufnehmen konnten. Den Großteil der Funde
machen Sandalennägel und Waffenteile wie Pfeilspitzen, bleierne
Schleudergeschosse, Lanzenspitzen und Lanzenschuhe aus. Nur
wenige Schmuckstücke und zirka 240 Münzen haben die Soldaten in
den Lagern zurückgelassen.
Schatzfund
Besonders spektakulär ist ein mit 36 Silberdenaren gefüllter
Geldbeutel. Er stammt nicht aus der Zeit der Drususfeldzüge
(12-8 v. Chr.), sondern aus den Jahren, in denen Varus
Statthalter in Germanien war (7-9 n. Chr.). "Die 36 Münzen
entsprechen etwa dem Legionärssold zweier Monate", erklärt
Prof. Dr. Wolfgang Ebel-Zepezauer, der die Ausgrabung in
Dorsten geleitet hat. "Vermutlich starb der Soldat, bevor er
seinen Schatz bergen konnte". Mittlerweile sind die Münzen im
LWL-Museum für Archäologie in Herne zu sehen. In dem Beitrag
"Die Münzen aus Holsterhausen" beschreibt Dr. Peter Ilisch
diesen Hortfund sowie die Einzelfunde ausführlich. Die
Marschlager von Holsterhausen ordnet Dr. Johann-Sebastian
Kühlborn ein, der ehemalige Leiter der provinzialrömischen
Abteilung der LWL-Archäologie für Westfalen.
Germanische Besiedlung
Erst ein halbes Jahrhundert nach Abzug der römischen Truppen
entwickelte sich in Holsterhausen eine kleine germanische
Ansiedlung. Im Boden erhalten hatten sich die Reste sogenannter
Grubenhäuser, kleinere Pfostenspeicher sowie größere
Pfostenbauten, sogenannte Feldscheunen. Einige Grubenhäuser
hatten die Menschen mit Siedlungsabfällen verfüllt, nachdem sie
sie nicht mehr nutzten. Diese Abfälle bestanden vor allem aus
den Scherben von einheimischen Keramikgefäßen. Aber auch die
Reste römischer Gefäße traten zutage, die Dr. Bettina Tremmel
in ihrem Beitrag beschreibt und datiert.
Die germanischen Grubenhäuser dienten vor allem handwerklichen
Zwecken und waren nach einigen Jahrzehnten weiterverlegt
worden. Diese periodische Verlagerung und die großflächige
Verteilung der Gebäude innerhalb der germanischen Siedlung ist
bisher einmalig, wie Ebel-Zepezauer in seinem Beitrag ausführt
Dr. Christoph Grünewald, Leiter der Außenstelle Münster der
LWL-Archäologie für Westfalen, interpretiert schließlich die
späteren mittelalterlichen Gebäude und Funde wie Spinnwirtel,
Webgewichte und Fibeln.
INFO
Bibliografische Angaben:
Wolfgang Ebel-Zepezauer, Christoph Grünewald, Peter Ilisch,
Johann-Sebastian Kühlborn, Bettina Tremmel, Augusteische
Marschlager und Siedlungen des 1. bis 9. Jahrhunderts in
Dorsten-Holsterhausen. Die Ausgrabungen 1999-2002,
Bodenaltertümer Westfalens (BAW) 47, Mainz 2009, 452 Seiten mit
33 Abb., 80 Tafeln und 3 Beilagen, ISBN 978-3-8053-3952-0, 34
Euro.
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