[WestG] [AKT] Maechtiges Wurfgeschoss fuer Mittelalterschau im LWL-Museum fuer Archaeologie eingetroffen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jan 21 11:35:27 CET 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.01.2010, 10:23
AKTUELL
160-Kilo-Brocken
Mächtiges Wurfgeschoss für Mittelalterschau im LWL-Museum für
Archäologie eingetroffen
Feuer frei! Das LWL-Museum für Archäologie in Herne hat am
Dienstag (19.1.) das Exponat mit der größten Durchschlagskraft
für die kommende Mittelalter-Ausstellung "Aufruhr 1225!"
empfangen: ein rund 163 Kilogramm schweres Wurfgeschoss. Die
mächtige Kugel mit einem Durchmesser von einem halben Meter ist
eine Leihgabe aus dem Schloss Strünkede in Herne. Vier starke
Männer waren nötig, um den schweren Steinbrocken auf den Weg zu
bringen. In der Schau des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
(LWL) über Ritter, Burgen und Intrigen geht es ab dem 27.
Februar auch um das Thema Belagerung.
"Vermutlich waren die Mauern der Burg Strünkede Ziel des
Geschosses", sagte Projektleiter Dr. Stefan Leenen. Der
Vorgängerbau des späteren Wasserschlosses sei mehrfach belagert
worden. Ähnliche Kugelfunde legen den Beschuss weiterer
Burganlagen in der Region nahe, darunter die Hörder Burg in
Dortmund, die Raffenburg in Hagen oder die Isenburg in Essen.
Oft sei nicht eindeutig zu klären, ob die Kugeln von Angreifern
abgefeuert wurden oder sie zum Munitionsbestand der Burg
gehörten. Im Fall der Raffenburg gebe es aber einen
schriftlichen Beleg. Bei einer Belagerung im Jahr 1288 sahen
sich die Burgbewohner dem schweren Beschuss ausgesetzt.
Geschosse wie das von Schloss Strünkede wurden mit einer
sogenannten Blide geworfen. Diese präzise Belagerungsmaschine,
eine Art Wurfschleuder, war aus Holz gefertigt. Sie wurde meist
in Einzelteilen auf Wagen zum Ort der Belagerung transportiert
und dort zusammengebaut. "Eine Blide war eine effektive
Maschine, die auch aus großer Reichweite enorm
durchschlagskräftig war", so der Archäologe. Häufig sei aus
einer Entfernung von 300 bis 400 Metern geschossen worden,
wobei die Kugeln meist nicht schwerer als 100 Kilogramm waren.
Leenen: "Da ein Gegengewicht den langen Hebel der Maschine sehr
schnell beschleunigte, beförderte die Blide deutlich größere
Gewichte als Katapulte, die nur über Seile gespannt wurden."
Unter den Wurfgeschossen seien nicht immer nur schwere Steine
gewesen, sondern auch Fäkalien oder Tierkadaver. Damit haben
die Belagerer den Ausbruch von Krankheiten und Seuchen unter
den eingeschlossenen Burgbewohnern fördern wollen.
Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der
mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei
Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie
dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist
Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung,
die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter,
Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November
2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne. Ein Thema der
Schau ist die Belagerung und Zerstörung von Burgen mit den
jeweiligen technischen Apparaten und Taktiken.
Schloss Strünkede als Partner
Um zu zeigen, dass das Ruhrgebiet auch heute noch Burgenland
ist, haben sich elf Burgmuseen im Umland der Ausstellung als
Partner angeschlossen. Das Renaissance-Wasserschloss Strünkede
beherbergt heute das Emschertal-Museum. In diesem Jahr wird
eine Sonderausstellung Auf - und Niedergang der Familie von
Strünkede zeigen.
27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"
INFO
LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1
44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 2 und 6 Euro, Familienkarte 12 Euro,
Gruppenrabatte
Mehr Informationen über die Mailingliste Westfaelische-Geschichte