[WestG] [AKT] Barbarossa kommt nach Herne: LWL-Museum fuer Archaeologie praesentiert kostbares Abbild
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Feb 2 11:21:37 CET 2010
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 02.02.2010, 10:15
AKTUELL
Barbarossa kommt nach Herne
LWL-Museum für Archäologie präsentiert kostbares Abbild
In der neuen Ausstellung "Aufruhr 1225!" präsentiert das
LWL-Museum für Archäologie in Herne vom 27. Februar an Ritter,
Burgen und Intrigen. Zu den hochkarätigen Exponaten der Schau
des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) zählt der
sogenannte Cappenberger Kopf. Das rund 30 Zentimeter hohe
Abbild Friedrich Barbarossas ist das älteste plastische Bildnis
eines deutschen Kaisers mit individuellem Charakter. Für die
vergoldete Bronzeplastik haben die Ausstellungsmacher einen
besonderen Platz geschaffen: Eine originalgetreue Kopie der
Grabplatte des Klostergründers Gottfried von Cappenberg. "Auf
der Platte hat Barbarossa womöglich schon vor 700 Jahren
gestanden", sagt Mittelalterforscher und Projektleiter Dr.
Stefan Leenen.
Graf Gottfried (um 1096 bis 1127) und die Mitglieder seiner
Familie gehörten zu den einflussreichsten Adeligen im Reich.
Gottfried und sein Bruder Otto standen im Jahr 1121 im Heer des
Herzogs von Sachsen, das für den Dombrand in Münster
verantwortlich war. Später bereuten die Geschwister die Tat und
ließen ihr weltliches Leben hinter sich. Sie gaben ihr Vermögen
der Kirche und wandelten ihre Stammburg in ein Kloster um - das
Kloster Cappenberg bei Selm (Kreis Unna).
Dort wurde der Barbarossa-Kopf über Jahrhunderte als Behältnis
für eine Reliquie des Evangelisten Johannes genutzt. Otto von
Cappenberg, von 1156 an Probst des Klosters, vermachte das als
Gefäß verwendete Herrscherbildnis seinen Ordensbrüdern.
Standort des Kopfes war fortan vermutlich ein kreuzförmiger
Sockel auf der Grabplatte seines Bruders. "Form und Größe des
Sockels in der rechten Hand des Klostergründers lassen darauf
schließen", erklärt Leenen.
Der Rotbart
Der Barbarossa-Kopf war ein Geschenk des Kaisers an seinen
Taufpaten Otto von Cappenberg. "Es handelt sich dabei um eine
idealisierte Darstellung von Friedrich Barbarossa, die mit der
Wirklichkeit wohl recht wenig übereinstimmt", so der
Archäologe. Ein Stirnreif spiele auf die Herrscher im antiken
Rom an, in deren Tradition sich der Kaiser sah. Friedrich (1155
bis 1190) selbst konzentrierte seine Politik auch stark auf
Italien. Dort nannte man ihn wegen der Farbe seines Bartes
"Barbarossa" ("Rotbart").
Das Kloster Cappenberg wurde im Jahr 1803 aufgelöst. Die
Grabplatte Gottfrieds in der noch bestehenden Stiftskirche ist
heute nur eingeschränkt zugänglich. Daher soll die erstellte
Kopie nach der Ausstellung an die Gemeinde gehen, damit sie
dort zusammen mit dem Barbarossa-Kopf dauerhaft präsentiert
werden kann.
Hintergrund:
Durch die Klosterstiftung Gottfrieds von Cappenberg wurde das
territoriale Gefüge der Region im 12. Jahrhundert entscheidend
verändert, denn die mögliche weltliche Vormachtstellung der
Grafen zu Cappenberg wurde damit hinfällig.
Das Kloster Cappenberg wurde nach der Auflösung wieder zu einem
Adelssitz. Es zählt heute zum Besitz der Grafen von Kanitz und
beherbergt unter anderem eine Kunstgalerie und eine Außenstelle
des LWL-Museums für Kunst und Kulturgeschichte. Die ehemalige
Stiftskirche ist heute die Pfarrkirche St. Johannes Evangelist
und steht unter der Leitung eines Prämonstratenser-Paters.
Die Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der
mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei
Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie
dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist
Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung,
die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter,
Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November
2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.
Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie ein
Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region begleiten
die Ausstellung.
INFO
27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen"
LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1, 44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 2 und 6 Euro,
Familienkarte 12 Euro, Gruppenrabatte
URL: http://www.aufruhr1225.lwl.org
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