[WestG] [AKT] Toedlicher Ueberfall in der Daemmerung: Am Samstag vor 784 Jahren wurde der Erzbischof Engelbert erschlagen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Nov 5 10:38:16 CET 2009


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 04.11.2009, 13:42


AKTUELL

Tödlicher Überfall in der Dämmerung
Am Samstag vor 784 Jahren wurde der Erzbischof Engelbert 
erschlagen

Er war neben dem Kaiser der mächtigste Mann im Reich - bis eine 
Verschwörung gegen ihn zu seinem Verhängnis wurde. Am kommenden 
Samstag (7.11.) jährt sich der Tod des Erzbischofs Engelbert 
von Köln, der am 7. November 1225 bei Gevelsberg ermordet 
wurde. Die Folgen dieses Ereignisses vor 784 Jahren sind im 
Ruhrgebiet bis in die Gegenwart sichtbar. Für das LWL-Museum 
für Archäologie in Herne wird es deshalb zum Roten Faden der 
neuen Ausstellung "Aufruhr 1225!". Die Schau des 
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) thematisiert vom 27. 
Februar 2010 an Ritter, Burgen und Intrigen.

Es dämmerte bereits am 7. November, als Engelbert auf seinem 
Weg nach Köln einen Hohlweg bei Gevelsberg passierte. Nur 
wenige Kilometer von seinem Nachtlager entfernt geriet er in 
einen Hinterhalt. Im Angesicht einer ganzen Schar von 
Angreifern flüchteten die Gefolgsleute des Erzbischofs. 
Engelbert setzte sich zwar energisch zur Wehr, war aber 
chancenlos und wurde erschlagen. "Es lässt sich nicht ganz 
genau sagen, ob er ermordet worden ist, oder eigentlich 
gefangen genommen werden sollte", sagt Dr. Stefan Leenen, 
Projektleiter der Ausstellung.

Zunächst sieht das Geschehen aus wie ein brutaler Mord. "Die 
zeitgenössischen Schilderungen des Zisterziensermönches 
Caesarius von Heisterbach, der die Lebensgeschichte Engelberts 
niederschrieb, lassen auf eine äußerst blutrünstige Tat 
schließen", so Leenen. Über 40 schwere Hieb- und Stichwunden 
soll der Bischof erlitten haben. Eine Untersuchung der Gebeine 
durch den Kölner Gerichtsmediziner Prof. Dr. Günter Dotzauer 
bestätigte im Jahr 1978 die Überlieferungen von Caesarius, der 
sich auf Augenzeugen stützte.

"Der Tod Engelberts war dennoch vor der Tat nicht geplant", 
vermutet Leenen. "Wahrscheinlich wollten ihn seine Verfolger 
gefangen nehmen, um politische Zugeständnisse zu erpressen." 
Hätten sie den Bischof ermorden wollen, wäre ein einzelner 
Attentäter mit einer Armbrust ausreichend gewesen. "Als der 
Überfall schief lief, schlugen vermutlich alle zu, um sich 
anschließend nicht aus der Schuld stehlen zu können. Deshalb 
das Gemetzel."

Als Mörder wurde Graf Friedrich von Isenberg beschuldigt, bald 
zum Tode verurteilt und ein Jahr nach der Tat auf grausame 
Weise hingerichtet. Auch andere Adelige sollen an dem Komplott 
beteiligt gewesen sein. Der Graf verwaltete die weltlichen 
Besitztümer des reichen Essener Damenstiftes, die ihm und auch 
schon seinen Vorfahren große Einnahmen beschert hatten. Das 
Stift und Engelbert wollten jedoch seine Rechte beschneiden. 
Der Erzbischof, damals mächtigster Mann nördlich der Alpen, 
wollte seine Machtposition weiter ausbauen. Die Ländereien des 
Damenstiftes hätten seine beiden Einflussbereiche im Rheinland 
und in Westfalen miteinander verbinden können. Weder Engelbert 
noch seinen Nachfolgern ist das gelungen.

"Köln wurde daher nicht zur Zentralmacht in der Region, das 
Gebiet um die Ruhr blieb territorial zersplittert und ein 
Flächenstaat im Nordwesten des Reiches konnte nicht entstehen", 
nennt der Archäologe und Historiker eine Entwicklung, die der 
vermeintliche Mord entscheidend beeinflusst hat. "Die Teilung 
des Landes in das Rheinland und Westfalen ist zu einem gewissen 
Grad auch ein Erbe dieses Geschehens."

Die Familie des Grafen erlitt nach der Verurteilung Friedrichs 
den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Niedergang. Ihre 
Burgen wurden zerstört, der Besitz entzogen und neu verteilt. 
Seine Brüder, die Bischöfe von Münster und Osnabrück, wurden 
abgesetzt.

Ausstellung
1225 kommt der Kölner Erzbischof Engelbert, einer der 
mächtigsten Männer des Reiches, während eines Überfalls bei 
Gevelsberg im heutigen Ruhrgebiet gewaltsam ums Leben. Wie 
dieser Mord die ganze Ruhrregion veränderte - das ist 
Ausgangspunkt und Leitmotiv der größten Mittelalterausstellung, 
die bisher im Ruhrgebiet gezeigt wurde: "Aufruhr 1225! Ritter, 
Burgen und Intrigen", läuft vom 27. Februar bis 28. November 
2010 im LWL-Museum für Archäologie in Herne.

Events, Workshops, Führungen und Mittelaltermärkte sowie 
ein Außenprogramm in elf Burgen und Schlössern der Region 
begleiten die Ausstellung.


INFO

27. Februar bis 28. November 2010
"AufRuhr 1225! Ritter, Burgen und Intrigen" 

LWL-Museum für Archäologie
Europlatz 1
44623 Herne
Di, Mi, Fr 9-17 Uhr, Do 9-19 Uhr
Sa, So und feiertags 11-18 Uhr
Eintritt: Zwischen 6 und 2 Euro, Familienkarte 12 Euro, 
Gruppenrabatte
URL: http://www.aufruhr1225.de


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