[WestG] [AKT] Kirchen-Umnutzungen und ihre Folgen: LWL-Volkskundler starten aktuelles Forschungsprojekt
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Mai 14 10:22:27 CEST 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 13.05.2009, 12:29
AKTUELL
Kirchen-Umnutzungen und ihre Folgen
LWL-Volkskundler starten aktuelles Forschungsprojekt und rufen
zur Mithilfe auf
"Hier arbeiten zu dürfen ist natürlich schon eine Ehre für
mich" sagt die junge Frau über ihren Arbeitsplatz. Und dieser
ist alles andere als gewöhnlich: Sie arbeitet als Kellnerin in
der ehemaligen Martini-Kirche im Restaurant "GlückundSeligkeit".
Von außen und innen ist das Gebäude noch gut als Kirche zu
erkennen, doch statt Hochzeiten, Taufen und Konfirmationen
werden hier nun Geburtstagspartys bei Cocktails,
Spanferkelrücken oder Seeteufelbäckchen gefeiert, und zwei Mal
im Jahr wird bei den Seasons Club-Partys kräftig eingeheizt.
Wie die Menschen auf solche Kirchenumnutzungen reagieren will
die Volkskundliche Kommission des Landschaftsverbandes
Westfalen-Lippe (LWL) mit ihrem neuen Forschungsprojekt
"Kirchenumnutzungen und ihre Folgen" untersuchen.
In Gladbeck hat ein Elektroladen in der ehemaligen St. Pius
Kirche eröffnet, und in Münster wird die Bonifatiuskirche von
einem Verlag genutzt. Kirchenumnutzungen sind auch in Westfalen
keine Seltenheit mehr. Die Menschen reagieren ganz
unterschiedlich auf die Profanierung eines Kirchengebäudes:
Während aktive Gemeindemitglieder häufig um ihre Kirche trauern
und der Abschied oft schwer fällt, so freut sich manch Anderer,
dass die Kirche nun auch für ihn offen ist und vielfältig
genutzt werden kann. Genau für solche Reaktionen interessieren
sich die LWL-Volkskundler.
"Die Profanierung eines Kirchengebäudes berührt nicht nur die
betroffenen Gemeindemitglieder", so Katrin Bauer von der
Volkskundlichen Kommission für Westfalen bei der Vorstellung
des Projek-tes am Mittwoch (13.05.) in Bielefeld, "vielmehr
sind zahlreiche gesellschaftliche Gruppen und Akteure in den
Prozess der Umnutzung involviert oder werden von ihm berührt.
Und eine gelungene Umnutzung kann dabei auch ein sehr positives
Echo auslösen." Um die verschiedenen Einstellungen, Meinungen
und Standpunkte erfassen und analysieren zu können, wollen die
LWL-Volkskundler unterschiedliche Umnutzungsprojekte in
Westfalen dokumentarisch begleiten. Die Ergebnisse
veröffentlichen sie in Buchform. Daneben drehen sie einen
begleitenden, dokumentari-schen Film, der die
Umnutzungsprozesse veranschaulicht.
Außerdem gibt es eine Projekt-Homepage unter der Adresse
http://www.volkskunde-westfalen.de. Alle Interessierten können
sich hier über Stand und Fortgang des Projektes informieren und
sind ausdrücklich aufgerufen sich im Gästebuch auch selbst zu
Wort melden: "Sind in ihrer Gemeindekirche heute ein Restaurant
oder Büroräume untergebracht oder wurde sie ganz abgerissen?
Wissen Sie von Kirchen, die bald umgenutzt werden?
Kennen Sie den Termin für die feierliche Profanierung oder
wissen Sie wo sich eine Bürgerinitiative gegen die Umwidmung
gegründet hat? Was bedeutet der Verlust der Kirche für Sie ganz
persönlich?" fragen die Alltagskulturforscher des LWL. "Neben
Ihren Eindrücken freuen wir uns auch auf Fotos von umgenutzten
Kirchen", so Bauer. Auch sucht sie noch außergewöhnliche,
aktuelle Kirchen-Umnutzungsprojekte in Westfalen, die
längerfristig dokumentarisch begleitet werden können.
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