[WestG] [AKT] LWL zeichnet ehemalige Kaserne als Denkmal des Monats aus
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jul 30 10:47:39 CEST 2009
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 29.07.2009, 12:54
AKTUELL
Stadt Höxter hat historische Gebäude vorbildlich umgebaut
LWL zeichnet ehemalige Kaserne als Denkmal des Monats aus
Die Sorge der Denkmalpfleger war groß, als sie 2007 erfuhren,
dass die Stadt Höxter die ehemalige Kaserne an der
Stummrigestraße 56 zur zentralen Verwaltung der ARGE
(Arbeitsgemeinschaft für die Grundsicherung Arbeitssuchender)
umbauen wollte: Die Beratungsräume mussten barrierefrei
zugänglich sein, zusätzliche Sanitäranlagen, ein großer
Besprechungsraum, eine bessere Isolierung und Beleuchtung waren
nötig. Daher fürchteten sie, dass viel Substanz des 1881
errichteten Gebäudes verloren ging. Spätestens als Anfang des
Jahres die ARGE einzog, waren diese Ängste verflogen, denn
viele historische Details sind erhalten geblieben. Deshalb
zeichnet der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die
Kaserne als Denkmal des Monats Juli aus.
"Die erhaltenen Details wie beispielsweise die Tür der
ehemaligen Arrestzelle mit ihren Gebrauchsspuren verleihen dem
umgebauten Gebäude seinen Charakter und lassen seine
ursprüngliche Nutzung als Kaserne noch erkennen. Dabei hilft
auch eine Infotafel zur Geschichte und zum Umbau des Gebäudes.
Es ist selten, dass eine Stadt ihr Handeln auf diese Weise
transparent macht. Höxter hat allen Grund dazu, darauf stolz zu
sein", sagt LWL-Denkmalpfleger Dr. Christoph Heuter.
Hintergrund
Als die LWL-Denkmalexperten im November 2007 vor dem geplanten
Umbau in die Kaserne kamen, waren sie überrascht, wie viel
historische Bodenbeläge, Türen und Fenster erhalten waren,
obwohl die Kaserne in ihrer bewegten Geschichte immer besonders
belastet war: Als Höxter 1881 den Zuschlag erhielt, wieder
Garnisonsstadt zu werden, baute sie für das Füsilier-Bataillon
des Infanterie-Regiments Nr. 131 neben zwei weiteren Gebäuden
auch die zunächst zweigeschossige Kaserne an der
Stummrigestraße. Erst bei einer Erweiterung 1914 erhielt das
Gebäude seine heutige Form. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde
die Stadt Eigentümerin der ehemaligen Kaserne. Sie richtete
hier zunächst Mietwohnungen ein, ab 1970 wurde das Gebäude als
Unterkunft für Obdachlose genutzt.
Beim aktuellen Umbau wurde der zwischenzeitlich zugemauerte
Haupteingang wieder geöffnet. Da es keine historischen Pläne
gab, erhielt er eine moderne Treppe. Als Zugang für Behinderte
wurde auf der anderen Seite des Gebäudes ein Aufzugsturm mit
Fluchttreppe angebaut. Denn wegen eines Wasserschadens musste
die Balkendecke in diesem Bereich ohnehin erneuert werden. Die
Bodenfliesen im Keller und Erdgeschoss mit ihrer
charakteristischen Riffelung, blieben ebenso erhalten wie die
historischen Fenster, die Türen und die Raumstruktur. Neue
Räume wurden nur mit Leichtbauwänden eingerichtet. Die
Dachkonstruktion wurde kaum geändert, die nötigen
Dachflächenfenster wurden farblich an die Eindeckung des Daches
angepasst und stören die bisherige Dachlandschaft kaum.
"Dieser vorbildliche Umbau ist besonders der umsichtigen
Planung und Bauleitung des Architekten Werner Schmidt und der
guten Koordination durch das städtische Bauamt mit Dezernent
Dardo Franke und dem städtischen Denkmalpfleger Henning Fischer
zu danken. Alle Beteiligten haben das LWL-Amt für Denkmalpflege
frühzeitig eingebunden und die denkmalpflegerischen Interessen
optimal vertreten", lobt Heuter.
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