[WestG] [AKT] Schoko-Taler entpuppt sich als alte Silbermuenze: In Schmallenberg wurden 120 Geldstuecke entdeckt

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Sep 11 11:01:27 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.09.2008, 15:00


AKTUELL

Schoko-Taler entpuppt sich als alte Silbermünze
In Schmallenberg  wurden 120 Geldstücke entdeckt

Ein Neunjähriger hat in Schmallenberg-Bödefeld 
(Hochsauerlandkreis) ein Schatz mit 120 Münzen aus dem 16. und 
17. Jahrhundert entdeckt. Bei einer Wanderung im vergangenen 
Monat entdeckte der Sohn einer vierköpfigen Familie aus 
Norddeutschland, die in Schmallenberg Urlaub machte, etwas 
Blinkendes am Wegesrand: ein Schoko-Taler, war die erste 
Vermutung. Doch schnell stellte sich heraus, dass es sich nicht 
um eine Alu-Schokoladenverpackung handelt, sondern um eine echte 
Münze aus Silber.

Ordnungsgemäß meldeten sie den gesamten Fund von über 120 
Silbermünzen bei der Stadt Schmallenberg, die sofort den 
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) informierte. Der LWL 
entsandte eine Archäologin, die feststellte, dass die Münzen in 
einem Tongefäß versteckt in der Erde vergraben wurden.

Der Münzfund wurde komplett sofort in das Münzkabinett des 
LWL-Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte in Münster 
gebracht, der zentralen Stelle für die Münzfunde aus Westfalen. 
Hier wurden sie vom Grünspan befreit und näher bestimmt.

Die jüngste Münze ist von 1696, die älteste trägt die Jahreszahl 
1577 und ist schon stark verschlissen. Die meisten Silberlinge 
sind aus der Zeit zwischen 1690 und 1696. Die Münzen kommen aus 
unterschiedlichen Ländern, wobei viele aus der Markgrafschaft 
Brandenburg, dem Fürstbistum Münster, Stadt und Erzbistum Köln 
sowie dem Erzbistum Trier und der Stadt Frankfurt stammen. 
Einige Münzen sind sogar aus den Niederlanden und dem heutigen 
Belgien.

"Die gemischte Herkunft der Münzen ist typisch für die Zeit. 
Merkwürdig ist nur das Fehlen von kursächsischen Münzen, die 
sonst durchaus weit verbreitet waren", erklärt Dr. Peter Ilisch 
vom LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte. Was dazu 
geführt hat, dass die Münzen im Boden blieben, ist nach Ansicht 
des Historikers jedoch rätselhaft.

1696 und die Jahre danach waren im kurkölnischen Westfalen, zu 
dem Schmallenberg gehörte, keine besonders unruhige Zeit. 
"Vielleicht ist der damalige Eigentümer des Geldes auf Reisen 
gegangen und hat in der Fremde unerwartet den Tod gefunden", 
spekuliert Ilisch über eine mögliche Erklärung. Lohnenswert wäre 
es für den Besitzer bestimmt gewesen, die Münzen wieder 
auszugraben. Denn die Gesamtsumme dürfte etwas unter 50 Taler 
ausgemacht haben und damit konnte man damals schon die 
Grundausstattung eines Bauernhofes erwerben.

Der Numismatiker Dr. Peter Ilisch, Leiter des Münzkabinetts im 
LWL-Landesmuseum wird den Fund in der Sitzung des 
Bezirksausschusses Bödefeld am Donnerstag, 18. September, 17.30 
Uhr, im Gasthof Albers in Bödefeld aus fachlicher Sicht 
vorstellen und beschreiben.