[WestG] [AKT] Salon "Frauenbilder": Bildhauerin Elisabet Ney, 11.09.2008, Witten-Bommern

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Sep 1 10:40:18 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 01.09.2008, 09:47


AKTUELL

Bildhauerin Elisabet Ney
Salon "Frauenbilder" im LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall

"Sie ist weder Frau noch Mädchen, sondern eine Künstlerin, und 
damit ist alles gesagt," schrieb der Chemiker Justus von Liebig 
1870 über Elisabet Ney. Die Bildhauerin steht im Mittelpunkt des 
nächsten Salons "Frauenbilder", zu dem der Landschaftsverband 
Westfalen-Lippe (LWL) am Donnerstag, 11. September, von 18 bis 
20 Uhr in sein Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten 
einlädt.

Elisabet Ney war eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der 
Kunstwelt des 19. Jahrhunderts und in vielerlei Hinsicht eine 
Ausnahmeerscheinung. Sie gehörte zu den ersten Frauen in 
Deutschland, die zu einem Studium an einer Kunstakademie 
zugelassen wurden, die international erfolgreich war und von 
ihrer Bildhauerkunst leben wollte und konnte.

Vorgestellt wird Elisabet Ney von Dr. Barbara Rommé, Direktorin 
des Stadtmuseums Münster. 2008 hat sie die erste Retrospektive 
zu der in Münster geborenen Bildhauerin ausgerichtet und mit 
einem interdisziplinären Autorenteam den umfangreichen Katalog 
"Herrin ihrer Kunst - Elisabet Ney - Bildhauerin in Europa und 
Amerika" zu Leben und Werk vorgelegt. Begleitet wird die 
Museumsleiterin von Katharina Tiemann vom LWL-Archivamt in 
Münster, die ebenfalls am Katalog mitwirkte und aus den Briefen 
von Elisabet Ney lesen wird.

Elisabet Ney (1833-1907)

Elisabet Ney entstammte einer alten Steinmetzfamilie und wurde 
als Tochter eines Bildhauers und einer Magd geboren. Sie war 
seit Kindertagen mit der Bildhauerei vertraut und liebte diese 
künstlerische Tätigkeit. Nach dem Volksschulbesuch und einer 
soliden bildhauerischen Ausbildung in der Werkstatt ihres Vaters 
verließ sie mit 19 Jahren ihre Heimatstadt und setzte als eine 
der ersten Frauen in Deutschland den Zugang zur Kunstakademie 
München durch. Nach ihrer Ausbildung zog Ney nach Berlin, um 
dort als Schülerin in die Werkstatt des damals bekanntesten 
deutschen Bildhauers, Christian Rauch, einzutreten.

In einer Zeit, in der berufliche Karrieren von Frauen äußerst 
selten waren, gelang es Ney als eine der weltweit wenigen 
Bildhauerinnen von ihrer Kunst zu leben, obwohl Kreativität als 
rein männliche Eigenschaft galt. Zahlreiche berühmte 
Persönlichkeiten ließen sich von ihr porträtieren: der Philosoph 
Arthur Schopenhauer, Wissenschaftler wie Alexander von Humboldt 
und Justus von Liebig, aber auch Staatsmänner wie Otto von 
Bismarck oder auch der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe 
Garibaldi. Sogar die regierenden Könige Georg V. von Hannover 
und Ludwig II. von Bayern saßen Elisabet Ney Modell. Mit großer 
Intensität setzte sie sich in stundenlangen Sitzungen mit den 
Charaktereigenschaften der Porträtierten auseinander und hielt 
diese auf einzigartige Weise in lebendigen Porträts fest.

Durch eine für Frauen des 19. Jahrhunderts außergewöhnliche 
Kurzhaarfrisur und selbst entworfene, später auch weit fallende 
Kleidung ohne Korsett inszenierte sie sich zu einer auffallenden 
Künstlerpersönlichkeit. Sie verzichtete bewusst auf das "h" in 
ihrem damals sehr häufig vorkommenden Vornamen Elisabeth, um 
sich auch auf diese Weise abzuheben. Ihre Heirat mit dem Arzt 
und Forscher Edmund Montgomery hielt sie bis an ihr Lebensende 
geheim, da sie ihre Unabhängigkeit nicht beeinträchtigen wollte 
und als "Fräulein" im damaligen Rechtssystem mehr Freiheiten 
besaß.

1871 ging sie mit ihrem Mann nach Georgia/USA. Hier wurden kurz 
nacheinander ihre beiden Söhne geboren, von denen der eine schon 
als Zweijähriger starb. Elisabet Ney eroberte sich auch in den 
USA einen festen Platz in der Kunstszene. Ihre populärsten 
Marmorarbeiten waren das Grabmal für General Albert Sidney 
Johnston sowie die Standfigur "Lady Macbeth". Sogar im 
amerikanischen Parlamentsgebäude, dem Kapitol in Washington D.C.,
 sind noch heute zwei Statuen zu sehen.

Salon "Frauenbilder"

Die Veranstaltungsreihe des LWL-Industriemuseums Zeche 
Nachtigall ist ein spezielles Angebot insbesondere - aber nicht 
ausschließlich - für Besucherinnen. Vorgestellt werden Frauen 
des Industriezeitalters. In der Atmosphäre eines Café-Salons 
werden Kurzvorträge, Lesungen, Bilder, Literatur - oder auch 
Kochrezepte - angeboten. Das Gehörte und Gesehene soll 
Anregungen für einen entspannten Gedanken- und 
Informationsaustausch bieten. Getränke und Gebäck sowie passende 
Musik runden das Erlebnis ab. Eine Anmeldung zu der 
Veranstaltung ist nicht erforderlich. Der Eintritt ist frei.


INFO

LWL-Industriemuseum
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten-Bommern
Tel.: 02302 93664-0
Fax: 02302 93664-22
E-Mail: Zeche-Nachtigall at lwl.org