[WestG] [AKT] Luedenscheider Gespraeche: Programm 2008/2009

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Okt 20 10:38:46 CEST 2008


Von: "Urte Meyer" <urte.meyer at FernUni-Hagen.de>
Datum: 17.10.2008, 08:38


AKTUELL

Lüdenscheider Gespräche
Programm 2008/2009


Otto Rühle (1914-1969) - 
Vom Offizier in Stalingrad zum hochrangigen Funktionär in der DDR 
Mittwoch, 22. Oktober 2008, 17 Uhr 		
Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch
Referenten: Dr. Hellmut Rühle / Dr. Reinhold Busch
Gezeichnet von den Kämpfen in den Ruinen von Stalingrad überlebt 
der Sanitäter und Oberzahlmeister zweier Sanitätseinheiten, Otto 
Rühle, NS-Parteimitglied, die Gefangennahme und die Schrecken 
der Todeslager. Auf dem tagelangen Transport durch die 
Sowjetunion führen quälende Zweifel an seiner bisherigen 
politischen Einstellung zu einer inneren Umkehr, die ihn 
schließlich im Offizierslager Jelabuga zu einem überzeugten 
Sozialisten werden lässt.

In der Überzeugung, auf der richtigen Seite zu stehen und im 
neuen Deutschland einen Platz an der Seite der Sowjetunion 
gefunden zu haben, steigt er in der DDR zu höchsten Funktionen 
auf. Die Referenten, Dr. Hellmut Rühle - Sohn von Otto Rühle - 
und Dr. Reinhold Busch, Herausgeber der Neuausgabe von Rühles 
Erinnerungen "Genesung in Jelabuga", schildern Rühles Lebensweg 
vor dem Hintergrund des untergehenden Dritten Reichs und der 
Frühgeschichte der DDR


Die "sieben Wunder" der deutschen Wiedervereinigung 
Mittwoch, 19. November 2008, 17 Uhr		 
Moderation: Prof. Dr. Peter Brandt
Referent: Dr. Peter Bender
Peter Bender, promovierter Althistoriker, arbeitet seit 1954 als 
Journalist. Von 1961 bis 1970 war er Redakteur und Kommentator 
beim WDR, von 1970 bis 1988 Berlin-Korrespondent des WDR, 
zwischen 1973 und 1975 auch ARD-Korrespondent in Moskau. Peter 
Bender hat sich in seinen Arbeiten immer wieder mit der 
"deutschen Frage", der "Berlin-Frage" und der bundesdeutschen 
Ostpolitik auseinandergesetzt.

Zu keiner Zeit hat er es sich nehmen lassen, auf die 
Zusammengehörigkeit der Deutschen in Ost und West hinzuweisen 
und sich für die Überwindung der deutschen Teilung einzusetzen. 
Peter Benders 2007 erschienenes Buch "Deutschlands Wiederkehr" 
liefert einen ungeteilten Blick auf die deutsche 
Nachkriegsgeschichte, an deren Ende das "Wunder" der 
Wiedervereinigung stand.


Karl Feldmeyer - Zeitzeuge und Berichterstatter 
Mittwoch, 14. Januar 2009, 17 Uhr 		
Moderation: Prof. Dr. Peter Brandt
Referent: Karl Feldmeyer
Karl Feldmeyer hat sich im Laufe seiner langjährigen 
journalistischen Tätigkeit für die Frankfurter Allgemeine 
Zeitung, für die er u.a. als Hauptstadtkorrespondent (Bonn, 
Berlin) tätig war, einen Namen als ausgewiesener Experte für 
Deutschland-, Sicherheits- und Parteipolitik gemacht. In den 
achtziger Jahren hat er sich intensiv mit der Politik der 
atomaren Nachrüstung (NATO-Doppelbeschluss) und dem Prozess der 
deutschen Wiedervereinigung auseinander gesetzt.

1978 wurde Feldmeyer für seinen Bericht über den Spionagefall 
Lutze/Wiegel mit dem renommierten Theodor-Wolff-Preis des 
Bundesverbands der deutschen Zeitungsverleger ausgezeichnet, 
2006 wurde ihm die gleiche Ehrung nochmals zuteil, diesmal für 
sein Lebenswerk.


"Winterkinder - Die schweigende Generation". Film und Diskussion 
Mittwoch, 18. Februar 2009, 17 Uhr		 
Moderation: Dr. Almut Leh
Referenten: Jens Schanze / Antonie Schanze
"War Großvater ein Nazi?" Regisseur und Autor Jens Schanze 
stellte diese Frage seiner Mutter Antonie. In seinem Film 
"Winterkinder" dokumentiert er die Suche nach der verdrängten 
Vergangenheit und dem wahren Bild des Großvaters. Eine Suche, 
die Tochter und Enkel mit aufwühlenden Fragen konfrontiert und 
eine hoch emotionale Auseinandersetzung zwischen den 
Generationen in Gang setzt.

Mithin geht es nicht nur um die Verstrickungen des Großvaters in 
den Nationalsozialismus, sondern auch um die Frage, was die 
Erfahrungen des Großvaters und das familiäre Schweigen darüber 
mit dem Lebensgefühl der Kinder- und Enkelgeneration zu tun 
haben. Nach der Vorführung des Films stehen der Regisseur Jens 
Schanze und seine Mutter Antonie zur Diskussion zur Verfügung.


Ausstellungseröffnung
"'Es war eine andere Welt!' Migrationsbiographien Lüdenscheider 
Bürgerinnen und Bürger nach 1945"
Mittwoch, 11. März 2009, 17 Uhr
Bürgerforum Lüdenscheid (im Rathausfoyer)
Seit Anfang 2008 befassen sich Schüler und Lehrer des 
Geschwister-Scholl-Gymnasiums und des Zeppelin-Gymnasiums in 
Kooperation mit dem Institut für Geschichte und Biographie mit 
dem Schicksal von Menschen, die in der Nachkriegszeit nach 
Lüdenscheid und Umgebung gekommen sind.

Als erstes Ergebnis dieser Zusammenarbeit werden in der 
Ausstellung die Erlebnisse und Erfahrungen einzelner Zuwanderer 
vom Zeitpunkt ihres Migrationsentschlusses bis heute 
vorgestellt. Im Mittelpunkt steht die Lebensphase der ersten 
Kontaktaufnahme und der Eingewöhnung in der neuen Heimat. Die 
Ausstellungsmacher stellen das Konzept der Ausstellung vor und 
greifen beispielhaft einige Lebensschicksale heraus.


Lesung und biograhisches Gespräch mit Angelika Schrobsdorff 
Mittwoch, 22. April 2009, 17 Uhr 		
Moderation: Dr. Eva Ochs
Referentin: Angelika Schrobsdorff
Ihre Mutter war eine assimilierte Jüdin, der Vater entstammte 
dem Berliner Großbürgertum. Sie wuchs in Berlin auf und 
flüchtete mit ihrer Mutter und ihrer Schwester 1939 nach 
Bulgarien, wo sie bis zum Ende des Krieges blieb. Ihre 
Großmutter wurde in Theresienstadt ermordet. 1947 kehrte 
Schrobsdorff nach Deutschland zurück.

1971 heiratete sie den französischen Filmemacher Claude Lanzmann,
 mit dem sie anschließend in Paris lebte. Es folgten einige 
Jahre in München, bis Schrobsdorff 1983 beschloss, nach Israel 
überzusiedeln. Die Autorin lebte bis Anfang 2006 in Jerusalem, 
in einem Haus an der grünen Grenze nahe der Altstadt, das direkt 
an palästinensisches Gebiet angrenzte. Heute lebt Angelika 
Schrobsdorff wieder in Berlin.


Vertreibungen als ethnische Säuberungen in Polen und 
Deutschland (1939–1945) Film und Diskussion 
Mittwoch, 13. Mai 2009, 17 Uhr 		
Moderation: Prof. Dr. Peter Brandt
Referent: Prof. Dr. Georg Hansen
Der Film wurde von Dr. Georg Hansen, Professor für 
Interkulturelle Erziehungswissenschaft an der FernUniversität in 
Hagen, in Kooperation mit dem Hagener Zentralinstitut Medien und 
IT hergestellt. Anhand zweier ausgewählter Städte wird die 
komplizierte Geschichte der Vertreibungen in Mitteleuropa zur 
Zeit des Zweiten Weltkriegs transparent gemacht.

Der Film zeigt die Schauplätze und stellt die damaligen Akteure 
als Zeitzeugen vor. Nach der Vorführung des Films steht Prof. 
Hansen zur Diskussion mit dem Publikum zur Verfügung.


Preußen als Ort der Erinnerung und Identitätsstiftung 
Mittwoch, 17. Juni 2009, 17.00 Uhr 		
Moderation: Prof. Dr. Arthur Schlegelmilch
Museen der Stadt Lüdenscheid, Sauerfelder Straße 14, 
58511 Lüdenscheid
Referenten: Reg. Bürgermeister a.D. Eberhard Diepgen /
Dr. Eckhart Trox / Prof. Dr. Peter Brandt
Als gemeinsame Veranstaltung der Museen der Stadt Lüdenscheid 
und des Instituts für Geschichte und Biographie diskutieren der 
ehemalige Regierende Bürgermeister von Berlin, Eberhard Diepgen, 
Eckhart Trox, Historiker und Leiter der Lüdenscheider 
Städtischen Museen, und Peter Brandt, Inhaber des Lehrstuhls für 
Neuere deutsche und europäische Geschichte an der 
FernUniversität in Hagen, über den erinnerungs- und 
geschichtspolitischen Standort Preußens.

Die Diskutanten nähern sich ihrem Thema aus unterschiedlichen 
Perspektiven. Während Peter Brandt das Weiterleben Preußens im 
Kontext der deutschen Nachkriegsgeschichte und Eberhard Diepgen 
die Bedeutung Preußens für Berlin und Brandenburg behandeln, 
fragt Eckhart Trox, inwieweit der "Märkische Kreis" heute noch 
als ehemals preußische Mark wahrgenommen wird.