[WestG] [AKT] Vortrag zur Selbstdarstellung reisender Kuenstler und Adeliger im LWL-Landesmuseum, Muenster, 27.11.2008
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Nov 26 11:26:38 CET 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 25.11.2008, 14:32
AKTUELL
Ich war da!
Vortrag zur Selbstdarstellung reisender Künstler und Adeliger im
LWL-Landesmuseum
Sein 100-jähriges Bestehen feiert das LWL-Landesmuseum für Kunst
und Kulturgeschichte in Münster mit der Jubiläumsausstellung
"Orte der Sehnsucht. Mit Künstlern auf Reisen". Mit über 550
internationalen Leihgaben widmet sich die Ausstellung im
Kunstmuseum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) noch
bis zum 11. Januar 2009 dem Phänomen der Künstlerreise vom
Mittelalter bis zur Gegenwart. Der Vortrag "Ich war da -
Selbstdarstellung reisender Künstler vom 16. bis 18. Jh." von
Eva Mariner zeigt am 27. November um 20 Uhr, wie das Erlebnis
der Reise in Porträts umgesetzt wurde.
Stolz und mit erhobenen Haupt, den Betrachter direkt anschauend
präsentiert sich Maerten van Heemskerck in seinem "Selbstbildnis
vor dem Kolosseum in Rom" den Besuchern der
Jubiläumsausstellung. Auf seinem 1553 entstandenen Porträt
stellt sich der erfolgreiche und etablierte Maler vor der
Kulisse des römischen Kolosseums dar und reflektiert damit sein
Studium der römischen Antike. Die eigene Ortserfahrung und das
prägende Erlebnis der Kunstmetropole Rom führt van Heemskerck
hier als Grundlage seines beruflichen Erfolges vor.
"Der Wunsch seine eigenen Reiseerlebnisse festzuhalten und sich
als Augenzeuge auf den Gemälden zu präsentieren ist auch sich
auch in den folgenden Jahrhunderten immer wieder bei den
Reisenden zu erkennen", erklärt die Kuratorin Eva Maringer.
Insbesondere die aus dem Adel oder gehobenen Bürgertum
stammenden Teilnehmer einer "Grand Tour" ließen sich häufig vor
ihren Zielen und signifikanten Monumenten malen. Dabei standen
die Bauwerke der ewigen Stadt Rom oder die Kulisse der Ruinen
von Pompeij als Nachweis für die eigene Reiseerfahrung.
Die "Grand Tour" galt als Bildungsreise und war unverzichtbarer
Bestandteil jeder guten Erziehung. Dabei sollten die,
vornehmlich jungen Menschen, Unternehmungsgeist,
Führungsqualitäten und auch Fremdsprachenkenntnisse erwerben.
Als Mitglieder der gesellschaftlichen Führungsschicht, in der
Verwaltung oder auch in künstlerischen Berufen war dies wichtig.
Adelige Sprösslinge sollten durch ihre Reiseerlebnisse einen
realistischen Blick auf das Leben gewinnen. Mit der "Grand Tour"
verbunden waren genaue Vorschriften, was man wo besichtigen
sollte. Junge Engländer oder Deutsche aus vornehmen Haus
verbrachten damals meist mehrere Monate oder Jahre zur
kulturellen Bildung in Italien.
Einer der berühmtesten Porträtisten seiner Zeit war der
italienische Maler Pompeo Batoni (1708-1787). Er schuf in Rom
Gesellschaftsporträts der adeligen Reisenden auf ihrer
Bildungsreise durch Italien. Unter diesen gehörte es schon bald
zum guten Ton sich von Batoni malen zu lassen und diese Bilder
als Zeugnisse der "Grand Tour" mit in die Heimat zu nehmen.
In ihrem Vortrag wird die Referentin einen Einblick in
verschiedene Reisebildnisse geben, und mit den Reiseporträts
namhafter Künstler vergleichen, um so die Grundlagen für diesen
Typus des Porträts aufzuzeichnen. Maringer geht dabei der Frage
nach, was die Bilder über die gezeigte Person aussagen und wie
das Erlebnis der Ferne verarbeitet wurde.
INFO
LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Domplatz 10
48143 Münster
Tel. +49 251 5907-01
Fax +49 251 5907-210
E-Mail: landesmuseum(at)lwl.org
Öffnungszeiten während der Jubiläumsausstellung:
Di, Mi, Fr, 9 - 19 Uhr, Do 9 - 21 Uhr
Sa, So 10-18 Uhr
Montags bleibt das Museum geschlossen.
Grundsätzlich hat das Museum an den Feiertagen geöffnet,
außer am 24., 25 und 31. Dezember (ab 14 Uhr).