[WestG] [AKT] Vortrag: Das Nachleben Friedrich Wilhelm von Redens, 05.03.2008, Witten-Bommern
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Mär 4 12:25:16 CET 2008
Von: "Forum Geschichtskultur" <forum at geschichtskultur-ruhr.de>
Datum: 04.03.2008, 07:10
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "geschichtskultur ruhr"
AKTUELL
Dreimaliger Denkmalbau, doppelter Denkmalsturz
Das Nachleben Friedrich Wilhelm von Redens im
deutsch-polnischen Spannungsfeld
Mittwoch, 5. März 2008, 19.00 Uhr
Mehr als 150 Jahre lang waren die Verdienste des Grafen
Friedrich Wilhelm von Reden im Ruhrgebiet fast vergessen. Anders
in Oberschlesien, der zentralen Wirkungsstätte des
Industriepioniers - die dortigen Schlotbarone setzten ihm 1853
ein Denkmal in der Stadt Königshütte im deutsch-polnischen
Grenzgebiet. Zu einem Vortrag über die sehr wechselvolle
Karriere dieses Reden-Standbilds lädt der Landschaftsverband
Westfalen-Lippe am Mittwoch in sein Industriemuseum Zeche
Nachtigall in Witten ein. Der Vortrag von Dr. Thomas Parent
beginnt um 19 Uhr. Der Eintritt ist frei.
Im 20. Jahrhundert wurde von Reden unter dem Einfluss
eskalierender Spannungen von nationalbewussten Polen mal als
Vorkämpfer des Deutschtums beargwöhnt, mal als brutaler
Ausbeuter der Bergarbeiter verurteilt, mal als imperialistischer
Kriegshetzer diffamiert. Die Nationalsozialisten hingegen
missbrauchten das Andenken Redens als Legitimation fragwürdiger
Besitzansprüche im "deutschen Osten". In einem vergifteten Klima
von Unverständnis und Nationalhass wurde das Reden-Denkmal 1939
gestürzt, 1940 wieder aufgestellt,1945 erneut demontiert und mit
Ausnahme des Bronzekopfs als Altmetall verkauft.
Die Wende von 1989 ermöglichte in Oberschlesien dann schließlich
wieder ein offenes Meinungsklima und ein starkes Interesse der
polnischen Bevölkerung an der ehemals deutschen Geschichte ihrer
Region. Ein neues Reden-Denkmal konnte 2002 auf dem Hüttenplatz
von Chorzow, dem ehemaligen Königshütte, feierlich enthüllt
werden, nun als Symbol für polnisch-deutsche Völkerverständigung
im Vereinten Europa.
In seinem Vortrag hinterfragt Thomas Parent zunächst die
Funktion historischer Denkmäler und geht anschließend auf die
wechselvolle Karriere des Reden-Denkmals von Königshütte ein.
Der Bildvortrag steht im Zusammenhang mit einem
Forschungsschwerpunkt zur deutsch-polnischen Geschichte im
Industriezeitalter, den das LWL-Industriemuseum seit mehreren
Jahren verfolgt. Im Vorfeld des Vortrags besteht ab 18 Uhr die
Möglichkeit zum Rundgang durch die Ausstellung "Im Auftrag
seiner Majestät - Die Reise des Oberbergrats Friedrich Wilhelm
von Reden von Oberschlesien ins Ruhrtal".
INFO
Ort:
LWL-Industriemuseum
Zeche Nachtigall
Nachtigallstraße 35
58452 Witten-Bommern
Tel.: 02302 93664-0
Fax: 02302 93664-22
E-Mail: Zeche-Nachtigall at lwl.org
Weitere Veranstaltungen der Vortragsreihe:
19.03.2008
Friedrich Wilhelm von Reden und der schlesische Eisenkunstguss.
Vortrag von Dr. Idis B. Hartmann, Oldenburg.