[WestG] [AUS] "Gut vorbereitet?" "Die Kunst des rechten Sterbens", Lichtenau-Dalheim, 22.06.2008-14.02.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jun 20 10:43:39 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 19.06.2008, 13:40
AUSSTELLUNG
Den Himmel vor Augen
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur zeigt "Kunst des rechten Sterbens"
"Gut vorbereitet?"- unter diesem Titel eröffnet das
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur in Dalheim (Kreis Paderborn)
am Sonntag (22. Juni) eine Ausstellung über "Die Kunst des
rechten Sterbens". Über 100 Exponate aus über 600 Jahren
klösterlicher Kulturgeschichte erzählen bis zum 14. Februar 2009
vom historischen Umgang mit dem Tod und dem Sterben.
Erstmals rückt das Museum des Landschaftsverbands
Westfalen-Lippe (LWL) dieses Thema in einer Ausstellung damit in
den Kontext der Klöster. Es spannt den Bogen vom Mittelalter
über die Barockzeit bis hin zu den klösterlichen Hospizen der
Gegenwart.
Dabei verfolgt das Museum, das 2007 in einem ehemaligen
Augustiner Chorherrenstift eröffnet wurde, das Thema konsequent:
Sowohl in der Klosteranlage, als auch im museumspädagogischen
Programm und beim Kulturfestival Dalheimer Sommer geht es um das
Ende des Lebens.
600 Jahre klösterlicher Kulturgeschichte
"Dank der Kooperation mit renommierten Museen aus ganz
Deutschland und Österreich, mit Privatleuten, den Klöstern und
Kirchengemeinden der Region konnten wir hochrangige Exponate für
diese besondere Schau gewinnen", berichtet Museumsleiter Prof.
Dr. Klaus Gereon Beuckers.
Zum Beispiel mit Totentanz-Grafiken aus dem 15. Jahrhundert, so
genannten Tödlein, und barocken Trauergewändern aus der
Begräbnisliturgie setzt die Ausstellung das anspruchsvolle Thema
auf rund 300 Quadratmetern in Szene. Zusätzlich wird die
spätgotische Dalheimer Klosterkirche als Ausstellungsraum
miteinbezogen.
Acht Abteilungen führen die Besucher durch über 600 Jahre
klösterliche Kulturgeschichte. Ausgehend von den traditionellen
Jenseitsvorstellungen zwischen Himmel, Hölle und Fegefeuer
reichen sie über die Schreckenserfahrungen der Pestwellen im 14.
Jahrhundert hin zur Vergegenwärtigung des Todes durch so
genannte Totentanzdarstellungen und "memento mori"-Objekte. Es
folgen seltene Einblicke in klösterliche Begräbnisrituale und in
das Wirken heutiger, aus Klöstern entstandene Hospize.
"Ars moriendi"
Bei den historischen Betrachtungen immer im Fokus: Die "ars
moriendi", lateinisch für "Die Kunst des rechten Sterbens".
"Weil die Menschen des Mittelalters den Tod der Seele durch das
Höllen-feuer weitaus mehr fürchteten als den des Leibes,
entwickelten sie die Lehre vom rechten Sterben", erläutert
Beuckers. Die Lehre äußerte sich in christlichen Bildern und
Schriften, die Regeln und Gebote hervorbrachten, um sich für
"Wohl und Wehe der Ewigkeit" zu wappnen. So formulierten sie
eine regelrechte Anleitung dafür, der ewigen Verdammnis zu
entrinnen und das eigene Seelenheil zu retten. Beuckers: "Gerade
die Klöster und Ordensgemeinschaften waren an der Formierung
dieser Vorstellungen stark beteiligt. Und so prägten sie die Art
und Weise, wie heute mit dem Sterben umgegangen wird, maßgeblich
vor."
Stundenuhr und Sensemann
Der erste Eindruck der ausgestellten Objekte wird von einer
Bildsprache bestimmt, die für heutige Begriffe drastisch wirkt:
Der Tod erscheint als Skelett und Sensemann. Er wird
symbolisiert durch ablaufende Stundenuhren, verlöschende Kerzen,
durch Totenschädel und gekreuzte Knochen. Er umarmt die
Todgeweihten, zieht sie mit sich. Engel und Teufel kämpfen um
ihre Seelen. "Unsere Exponate zeigen auf eindrucksvolle und
faszinierende Weise, wie sich der Umgang mit dem Sterben im
Kontext der Klöster über die Jahrhunderte gewandelt hat",
erläutert Ausstellungskuratorin Elisabeth Bömken: "Im
Mittelalter und auch noch im Barock war der Tod im Leben viel
präsenter als heute. Viele der ausgestellten Stücke machten ihn
im wahrsten Sinne begreifbar. Sie erinnerten die Menschen zu
Lebzeiten an ihre Vergänglichkeit und mahnten zu einem guten,
ehrbaren Leben."
Tabuthema Tod?
In einer Zeit, die ewige Jugend und Schönheit zu ihren Idealen
erhebt und in der der Tod zunehmend aus dem öffentlichen
Bewusstsein gerät, widmet sich das LWL-Landesmuseum für
Klosterkultur im ehemaligen Augustiner Chorherrenstift Dalheim
ganz bewusst dem "Tabuthema Tod". Als Ort, dessen Ruhe viele
Menschen anzieht und der Raum bietet, sich diesem Thema auf
angemessene aber auch unvoreingenommene Weise zu nähern, sei das
Kloster Dalheim dafür bestens geeignet, meint Museumschef
Beuckers.
Dabei beschränkt sich das Museum nicht allein auf die
Ausstellungsfläche im Westflügel der Klosteranlage, sondern
bezieht den Chorraum der spätgotischen Klosterkirche ebenso in
die Ausstellungsdramaturgie ein wie den rekonstruierten barocken
Konventgarten. Während in der Klosterkirche die Trauerfeier für
einen Abt nach barockem Vorbild und mit originalen Objekten
inszeniert wird, gedeihen im Konventgarten jene Pflanzen, mit
denen man einst die Gefahren der tödlichen Pest vertreiben
wollte.
Führungen durch die Sonderausstellung, durch den Konventgarten
und die Klosteranlage können unter Telefon 05292 9319-225 oder
auf Anfrage per E-Mail unter Tourist-dalheim at lwl.org gebucht
werden.
Kulturfestival Dalheimer: "Zwischen Himmel und Hölle"
Das Programm des Musik- und Theaterfestivals "Dalheimer Sommer"
knüpft mit seinem Leitmotiv an die Sonderausstellung im
LWL-Landesmuseum an. Im Bezug auf die (klösterliche)
Vorbereitung auf das Jenseits nimmt der Dalheimer Sommer 2008
(3. August bis 7. September) das Terrain "Zwischen Himmel und
Hölle" literarisch, musikalisch und in seiner
Schauspielproduktion "Faust I - Der Tragödie erster Teil" in den
Blick.
Karten und Informationen für den Dalheimer Sommer können unter
Telefon 05292 9319-224 angefordert werden.
Programm zur Ausstellungseröffnung am Sonntag 22. Juni 2008
11.30 Uhr: Offizielle Eröffnung durch die Vorsitzende der
LWL-Landschaftsversammlung Maria Seifert
12.30 Uhr: Beginn des Festprogramms
12.30-16.30 Uhr: Pesthauch und Blütenduft - Stündlich
öffentliche Führungen durch Sonderausstellung und Konventgarten
13-17 Uhr: Gut vorbereitet? Die Kunst des rechten Sterbens -
Stündlich öffentliche Führungen durch Sonderausstellung
12.30-17 Uhr: Gegen die böse faule Pestilentzische lufft -
Kinderprogramm: Anfertigen von Duftkugeln und Riechkissen
(Materialkosten 2 Euro pro Kind)
13 + 15 Uhr: Vom Gevatter Tod - Ute Mandel erzählt Märchen
(nicht nur) für Kinder
14 + 16 Uhr: Zwischen Himmel und Erde - Konzerte des Soester
Madrigalsyndikats
Der Eintritt zum Museum und allen Veranstaltungen ist am 22.
Juni 2008 frei.
INFO
LWL-Landesmuseum für Klosterkultur
Am Kloster 9
33165 Lichtenau - Dalheim
Tel.: 05292-9319 - 0
Öffnungszeiten
Das LWL-Landesmuseum für Klosterkultur öffnet dienstags bis
sonntags von 10-18 Uhr, montags außer an Feiertagen geschlossen.
Ganzjährig, außer 24., 25. und 31. Dezember geöffnet.
Eintrittspreise
Erwachsene 3,90 Euro,
ermäßigt 2,50 Euro,
Gruppen ab 16 Personen pro Person 3,10 Euro,
Kinder 1,00 Euro.