[WestG] [AKT] Kunstwerk des Monats Juni 2008: Das Hochhaus und seine Bewohner
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jun 19 11:30:40 CEST 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 18.06.2008, 10:11
AKTUELL
Kunstwerk des Monats Juni 2008: Das Hochhaus und seine
Bewohner
LWL-Landesmuseum zeigt Tafelbild von Stephen Willats
Als Kunstwerk des Monats Juni präsentiert der Landschaftsverband
Westfalen Lippe (LWL) im LWL-Landesmuseum für Kunst und
Kulturgeschichte in Münster die Arbeit "Wie ich entdecke, dass
wir von anderen abhängig sind" (1979/1980) von Stephen Willats,
die seit 2007 im Besitz des Museums ist. Die Arbeit zeigt einen
Schwerpunkt in Willats Arbeiten: modernistische
Hochhaussiedlungen und die Beziehungen der Bewohner zur
Architektur.
Stephen Willats (*1943 in London) ist mit seinen Werken als
"Stadt-, Gesellschafts- und Kommunikationsforscher" bekannt. Er
startete seine künstlerische Biografie Ende der 50er Jahre als
Autodidakt. Bis 1963 entstanden 20 Gemälde, danach arbeitete er
vor allem im Medium der Zeichnung, der Fotografie, des Films und
mittels Modellen. Willats versteht sich als "conceptual
designer". Bis vor wenigen Tagen war im LWL-Landesmuseum eine
Ausstellung mit Werken von Stephen Willats zu sehen.
"Stephen Willats legt den Besuchern seine spezifische Position
einer künstlerisch-forschenden Auseinandersetzung mit den
Lebensräumen unserer Städte offen", so Kuratorin Dr. Brigitte
Franzen. Besondere Bedeutung haben für ihn dabei Zeichen,
Kommunikationscodes und seine Beobachtungen räumlicher und
zwischenmenschlicher Beziehungen. Ergebnis dieser künstlerischen
Forschung sind bei Willats oft Tafelbilder, die Diagrammen
gleichen: Symbole, Texte, Piktogramme und Fotografien stellen
Bezüge her, die der Künstler nach intensiver Recherche
herausgearbeitet hat. Ihre Oberflächen beziehen sich auf
grafisches und ornamentales Design. Mit ihrer Farbigkeit setzen
sie einen Kontrast zur Lebenswirklichkeit der Siedlungen.
Obwohl das Stadtbild Münsters kaum mit Hochhaussiedlungen nach
Willats Vorstellung assoziiert wird, liegt genau hier ein
Ausgangspunkt der Künstlerkarriere des Londoners. Im Jahr 1974
fand in Münster seine erste internationale Einzelausstellung
statt. Die von Gerald Just gegründete und heute nicht mehr
existierende Galerie December zeigte damals seine Ausstellung
"Life Codes and Behaviour Parameters" (Zeichen des Lebens und
Parameter des Verhaltens).
In diese Phase fällt auch sein 1979 im Rahmen eines
Künstlerstipendiums des Deutschen Akade-mischen
Austauschdienstes (DAAD) geförderter Aufenthalt in West-Berlin.
Die Stadt bot ihm ein optimales Untersuchungsfeld für die
Ergründung der Gegensätze zwischen Dichte und Anonymität,
vorgegebenem Lebensumfeld und Möglichkeiten menschlicher
Einflussnahme. Willats definierte "4 Inseln": Gropiusstadt,
Schrebergartenkolonie, Innenstadt und Märkisches Viertel. Ihnen
ordnete er vier Zustände zu: Isolation (Gropiusstadt), Flucht
(Schrebergarten), Untätigkeit (Innenstadt) und Abhängigkeit
(Märkisches Viertel), die wiederum durch vier Personen und ihr
konkretes Lebensumfeld repräsentiert wurden. Das im
LWL-Landesmuseum ausgestellte "Hoffmann-Piece" leitet seinen
Namen von Hausmeister Arno Hoffmann ab, den Willats im
Märkischen Viertel kennen lernte.
"Da ich niemanden hier kannte, dachte ich, es sei das Beste, den
Hausmeister dieser Gebäude ausfindig zu machen. Und durch Zufall,
und das war gewissermaßen Glück, habe ich Herrn Hoffmann
gefunden. Ich hätte auch jemanden ganz anderen finden können",
so Willats. Durch Gespräche und Beobachtungen verschaffte er
sich Einblicke in die Welt der Siedlungsbewohner und erlebte
ihren Alltag. Ein Gefühl von sozialer Abhängigkeit, das der
Künstler hierbei als besonders markant empfand, bringt er mit
dem "Hoffmann-Piece" zum Ausdruck.