[WestG] [AKT] LWL laedt ein zur Buchpraesentation 'Von Klostermauern und frommen Frauen', Kloster Gravenhorst, 13.06.2008

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Do Jun 12 10:06:47 CEST 2008


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 10.06.2008, 15:04 


AKTUELL

Neue Erkenntnisse über das ehemalige Kloster Gravenhorst
LWL lädt ein zur Buchpräsentation 'Von Klostermauern und 
frommen Frauen'

Vier Jahre lang hat ein Grabungsteam des Landschaftsverbandes 
Westfalen-Lippe (LWL) das ehemalige Zisterzienserinnenkloster 
Gravenhorst in Hörstel-Gravenhorst (Kreis Steinfurt) 
archäologisch untersucht. Jetzt liegen die ersten 
Ausgrabungsergebnisse in dem Buch 'Von Klostermauern und frommen 
Frauen' vor und der LWL lädt alle Interessierten ein zur 
öffentlichen Buchpräsentation am Freitag (13.6.) um 19 Uhr im 
Kloster Gravenhorst.

'Das ehemalige Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst hat eine 
750-jährige wechselvolle Geschichte hinter sich. Diese hat die 
LWL-Archäologie für Westfalen während vier Jahre, von 1999 bis 
2002, auf einer Fläche von fast 2.000 Quadratmetern untersucht. 
Es handelte sich damit nicht nur um die größte Ausgrabung eines 
Zisterzienserinnenklosters in Westfalen, sondern sogar um eine 
der größten Klostergrabungen im deutschsprachigen Raum' erklärt 
LWL-Direktor Dr. Wolfgang Kirsch die Bedeutung der 
Aufsatzsammlung.

15 Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen wie Archäologen, 
Kunsthistoriker, Bauforscher, Historiker, Numismatiker und 
Archäobotaniker haben die Funde und Befunde ausgewertet, die bei 
den Ausgrabungen zutage traten. Die LWL-Chefarchäologin Dr. 
Gabriele Isenberg freut sich, die Publikation nun der 
Öffentlichkeit vorlegen zu können. 'Das Buch richtet sich sowohl 
an die Fachwelt als auch an historisch und archäologisch 
interessierte Leser. Es handelt sich aber in erster Linie um 
eine Veröffentlichung für die Bevölkerung, die ein Recht auf 
Erstinformation über die Ergebnisse der vielbeachteten 
Ausgrabung hat', so Isenberg über das 16,50 Euro teure Buch.

Die LWL-Archäologie für Westfalen lädt alle Interessierten 
herzlich ein zur öffentlichen Präsentation des Buches 'Von 
Klostermauern und frommen Frauen' am Freitag, 13. Juni 2008 um 
18 Uhr im Kleinen Saal des DA, Kunsthauses Kloster Gravenhorst.

Nach Grußworten von Landrat Thomas Kubendorff, LWL-Direktor Dr. 
Wolfgang Kirsch und Dr. Thomas Otten vom NRW-Bauministerium 
werden die LWL-Chefarchäologin Dr. Gabriele Isenberg sowie die 
Ausgrabungsleiterin und Mitautorin des Buches, Dr. Birgit 
Münz-Vierboom, die Geschichte der Zisterzienserinnenklöster in 
Westfalen und speziell die Geschichte des Klosters Gravenhorst 
beleuchten. Im Mittelpunkt stehen dabei die archäologischen 
Funde und Befunde der archäologischen Untersuchungen. Um 
Anmeldung für kostenlose Veranstaltung per Telefon (0251 5907-02)
 oder E-Mail (lwl-archaeologie at lwl.org) wird gebeten.

Geschichte des Klosters und archäologische Ergebnisse

Dank der umfassenden Grabungsdokumentation konnten die 
Wissenschaftler die baugeschichtliche Entwicklung des Klosters 
vom Gutshof zur Frauenzisterze vom 13. bis ins 18. Jahrhundert 
genau verfolgen. Nachdem das Kloster Gravenhorst 1256 auf einem 
bereits bestehenden Gutshof mit Mühle und Teich gegründet worden 
war, begann im frühen 14. Jahrhundert der Ausbau der 
Klosteranlage.

Der Gebäudekomplex wurde mehrfach umgebaut beziehungsweise mit 
zusätzlichen Häusern ergänzt, bis im 16. Jahrhundert seine 
Grundstruktur entstanden war. Hierzu gehörten unter anderem der 
Bau des West- und Nordwestflügels und eines Kreuzganges im 
Nordwesten der Klosteranlage im 14. Jahrhundert, die Entstehung 
des Südflügels von der Mitte des 15. bis ins 16. Jahrhundert. Im 
Laufe des 17. Jahrhunderts standen der Aus- und Umbau mehrerer 
Wirtschaftsgebäude auf dem Plan.

Mehr als 16.000 Kleinfunde haben die Ausgräber gefunden. Sie 
stammen vorrangig von Keramikgefäßen wie Krügen, Kannen, 
Schüsseln und Tellern und gewähren einen Einblick in die 
mittelalterliche und frühneuzeitliche Klosterküche. Messer 
belegen deren Verwendung bei Tisch und zur Essenszubereitung. 
Als Tafelgeschirr dienten überwiegend gedrechselte Holzschalen 
und Steinzeuggefäße, aber auch kostbare Gläser. Auch Schlüssel 
traten ans Licht, von denen zwei aus den Anfangsjahren des 
Klosters um 1300 stammen.

Im feuchten Gräftenboden haben sich viele Ledersohlen und 
halbhohe Lederschuhe mit Bändern und Schlaufen für die Schnürung 
erhalten. Die starken Durchscheuerungen im Bereich der 
Fußballens und Zehen zeigen, dass die Klosterfrauen ihre Schuhe 
sehr lange trugen.

Nicht zuletzt ermöglichen die in Gravenhorst gefundenen 
Speisereste einen Blick auf den Speiseplan der Nonnen. Sie 
verraten den Experten zum Beispiel, dass die Nonnen Rinder und 
Schweine gehalten haben. Diese Tiere waren schon im Mittelalter 
die wichtigsten Fleisch- und Milchlieferanten. Ihre Häute und 
Knochen verarbeitete man zum Beispiel zu Schuhen und Kämmen.


INFO

Termine und Kosten: 
13. Juni 2008, 18 Uhr im Kleinen Saal des DA, 
Kunsthauses Kloster Gravenhorst
Die Veranstaltung ist kostenlos.

 
Bibliographische Angaben:
Birgit Münz-Vierboom, Von Klostermauern und frommen Frauen. Die 
Ergebnisse der Ausgrabungen im ehemaligen 
Zisterzienserinnenkloster Gravenhorst. Mit Beiträgen von 
Elisabeth Bömken, Julia Hamelmann, Ulrich Holtfester, Peter 
Ilisch, Arie J. Kalies, Jutta Meurers-Balke, Silke Scha-muhn, 
Cornelia Kneppe, Hans-Werner Peine, Alexandra Pesch, Roland 
Pieper, Heike Tausend-freund, Jutta Tiemeyer und Matthias 
Untermann (Münster 2007). 197 S. mit 298 Abb. und 1 Beilage. 
ISBN 978-3-8053-3885-1. 16,50 €.