[WestG] [AUS] Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe, 08.02.-14.03.2008, Detmold

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Jan 28 11:30:12 CET 2008


Von: "Robert Gahde" <robert.gahde at lav.nrw.de>
Datum: 23.01.2008, 10:05 


AUSSTELLUNG

9.11.1938
Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe


Neue Impulse für die Erinnerungskultur und die Gedenkarbeit in 
Ostwestfalen-Lippe bietet ein gemeinsames Ausstellungsprojekt 
des Landesarchivs Nordrhein-Westfalen Staats- und 
Personenstandsarchiv Detmold im Verbund mit kommunalen und 
kirchlichen Archiven der Region: 9.11.1938 - Reichspogromnacht 
in Ostwestfalen-Lippe.

Der 9. November ist ein Schicksalsdatum der deutschen 
Geschichte. 2008 jährt sich zum 70. Mal die Reichspogromnacht. 
Das Jahr 1938 markiert einen Wendepunkt des Antisemitismus in 
Deutschland während der NS-Zeit: Den Übergang von der 
Diskriminierung und Ausgrenzung der deutschen Juden hin zur 
systematischen Verfolgung, die in den Holocaust mündete. Seit 
der Jahreswende 1937/38 erreichten die Verfolgungsmaßnahmen vor 
dem Hintergrund einer ungesicherten Finanzierung der Aufrüstung 
für den Krieg neue Dimensionen.

Den Israelitischen Kultusgemeinden erkannte man den Status von 
Körperschaften des öffentlichen Rechts ab, Juden wurden zur 
Offenlegung ihres Vermögens gegenüber dem Finanzamt gesetzlich 
verpflichtet, Kennkarten und gesondert gekennzeichnete 
Ausweispapiere für Juden verbindlich eingeführt, 
Konzentrationslager ausgebaut und erste Massenabschiebungen 
durchgeführt.

In dieser Situation nutzte das Regime propagandistisch das 
Attentat eines polnischen Juden auf den Legationsrat vom Rath in 
Paris zum notdürftig als "Ausbruch des spontanen Volkszorns" 
kaschierten, tatsächlich längst für Mitte November geplanten 
Schlag gegen die jüdische Bevölkerung und deren Eigentum. Die 
Welle der Plünderung und Zerstörung von Synagogen, der 
Konfiszierung und weitgehenden Vernichtung des Inventars, der 
Schändung jüdischer Friedhöfe, der Verwüstung jüdischer 
Gemeinde-, Geschäfts- und Privathäuser, der Inhaftierung und der 
Deportation in Konzentrationslager, der Misshandlungen bis hin 
zu Ermordungen erreichte am 9. und 10. November 1938 ihren 
Höhepunkt.

In unmittelbarer Folge zu den Ereignissen stieg die Zahl der 
Vertreibungen und Auswanderungen sprunghaft an, wurden 
Ghettohäuser ("Judenhäuser") eingerichtet, jüdische Schüler der 
öffentlichen Schulen verwiesen und die Juden schließlich noch 
systematisch zur finanziellen "Sühne" für die ihnen zugefügten 
Sach- und Versicherungsschäden herangezogen.

Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen Ereignisse, Täter und 
Opfer der Novemberpogrome in Ostwestfalen-Lippe, eingebettet in 
das Geschehen des "Wendejahrs 1938" und mit Ausblicken auf die 
Aufarbeitung der Reichspogromnacht nach 1945 durch die 
bundesdeutsche Justiz, durch Gedenkstättenarbeit und 
Erinnerungskultur sowie auf moderne Formen des Antisemitismus.


Ausstellungsort
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen
Staats- und Personenstandsarchiv Detmold
Willi-Hofmann-Str. 2
32756 Detmold

Dauer
8. Februar bis 14. März 2008
Mo-Do 8-16, Fr 8-13 Uhr

Anmeldung zu Führungen
05231 / 766-0
stadt at lav.nrw.de 

Zur Ausstellung erscheint eine Broschüre zum Preis von 4 Euro.


Begleitprogramm

7. Februar 2008, 18:30 Uhr - Ausstellungseröffnung
Grußwort: Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff, 
Staatssekretär für Kultur des Landes Nordrhein-Westfalen


14. Februar 2008, 14-18 Uhr - Lehrerfortbildung
Programm: 
1. Forschungsstand und Konzeption der Wanderausstellung 
"9.11.1938 - Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe"

2. Die Reichspogromnacht 9.11.1938: Curriculare Verankerung und 
Darstellung des Themenkomplexes in Schulbüchern und 
Unterrichtmaterialien

3. Vorstellung der Arbeitsmaterialien zur Ausstellung (Broschüre,
 Arbeitsblätter/archivpädagogisches Material)

Pause: Rundgang durch die Ausstellung, Diskussion

4. Vergangenheit, die nicht vergeht? Rechtsextremismus, 
Neofaschismus, Antisemitismus in OWL: Ursachen, Lagebild 
(Erscheinungsformen und Medien), Analyse und Prävention in der 
Region

5. Diskussion mit Experten über Gefahren der Gegenwart

Referenten:
Dr. Johannes. Kistenich/
LAV NRW Staats- und Personenstandsarchiv Detmold
Dieter Klose, Archivpädagoge/
LAV NRW Staats- und Personenstandsarchiv Detmold
Thorsten Meier, Lehrer
Horst Köhler und Hermann Schulze, Polizeipräsidium Bielefeld
Sven Lausten, Staatsanwaltschaft Bielefeld

Anmeldungen zur Lehrerfortbildung bitte bis zum 8.2.2008 
unter dieter.klose at lav.nrw.de 


25. Februar 2008, 19:30 Uhr
Marc Grellert, TU Darmstadt: Vorstellung des Projekts 
"Synagogen in Deutschland/Synagogen Internet-Archiv

10. März 2008, 19 Uhr
Historische Quelle und NS-Spielfilm: Der "Fall Jud Süß"
Vortrag: Prof. Dr. Robert Kretzschmar, Stuttgart: 
Beschlagnahmte Briefschaften. Die Überlieferung zum 
Kriminalprozess Joseph Süß Oppenheimer.
Anschließend: Einführung, Vorführung und Kommentierung des 
Veit-Harlan-Films "Jud Süß" durch Eyke Isensee, Braunschweig

Alle Veranstaltungen finden im Staatsarchiv statt.



Weitere Ausstellungsorte

25. April - 16. Mai 2008
Minden, Kommunalarchiv

2.-27. Juni 2008
Paderborn, Kreishaus

16. August - 4. Oktober 2008
Herford, Gedenkstätte Zellentrakt

15. Oktober - 12. Dezember 2008
Bielefeld, Institut Stadtarchiv und Landesgeschichtliche Bibliothek

15. Januar - 15. März 2009
Bad Salzuflen, Stadt- und Bädermuseum

20. April - 8. Mai 2009
Salzkotten, Rathaus

19. August - 9. Oktober 2009
Stemwede, Rathaus und Begegnungsstätte

29. Oktober - 18. Dezember 2009
Gütersloh, Kreishaus

16. Januar - 14. Februar 2010
Lemgo, Stadtarchiv und Städtisches Museum Hexenbürgermeisterhaus


INFO

Veranstaltungsdaten:
Ausstellung "9.11.1938 - Reichspogromnacht in Ostwestfalen-Lippe"
Datum: 8.2.2008 - 14.3.2008
Landesarchiv Nordrhein-Westfalen Staats- und Personenstandsarchiv Detmold
Willi-Hofmann-Straße 2
32756 Detmold
Tel.: 05231/7660
Fax: 05231/766114
E-Mail: stadt at lav.nrw.de 
URL: www.lav.nrw.de