[WestG] [AUS] Die fabelhafte Welt der Schuhe: "Schuhtick", Herne, 06.12.2008-05.07.2009
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Dez 8 10:28:23 CET 2008
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 04.12.2008, 13:00
AUSSTELLUNG
Die fabelhafte Welt der Schuhe: "Schuhtick"
Ausstellung in Herne zur Kulturgeschichte von Sohle und Absatz
Wenn überall in Deutschland Kinder zu Nikolaus ihre Stiefel
putzen, hat das LWL-Museum für Archäologie in Herne die Aufgabe
in diesem Jahr bereits erledigt: Denn vom 6. Dezember an
präsentiert das Museum des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
(LWL) seine neue Sonderausstellung "von kalten Füßen und heißen
Sohlen".
Die älteste Sandale Europas, Biedermeierstiefel, Schuhe von
Marlene Dietrich, Marilyn Monroe oder Jürgen Klinsmann - 400
Exponate erzählen auf 800 Quadratmetern die Geschichte und
Geschichten von Schuhen. Bereits am Eingang erwartet die
Besucher ein übergroßer Stiletto. Von der Fußbekleidung der
Neandertaler über römische Sandalen bis hin zu aktuellen
Designerschuhen spannt "Schuhtick" einen Bogen durch die Epochen
und über Kontinente hinweg. "Bisher zeigte noch keine
Ausstellung Schuhe in dieser Bandbreite", so
LWL-Kulturdezernentin Dr. Barbara Rüschoff-Thale. Einige der
Exponate, wie ein überdimensionaler Marmorfuß mit Sandale von
einer antiken Skulptur, würden der Öffentlichkeit zum ersten Mal
präsentiert. Bis zum 5. Juli 2009 ist "Schuhtick" in Herne zu
sehen.
Schuhgeschichte aus dem Karton
Ein Großteil der faszinierenden Treter ist während der Schau in
Kartons ausgestellt. In vier über drei Meter hohen begehbaren
Schuhkartons flanieren die Menschen durch die Geschichte von
Sohle und Schaft. Status und Macht, Sinnlichkeit und Erotik,
Glaube und Glück sowie Kunst und Design sind die vier
Themenkreise der Ausstellung.
Mit und ohne Fußschutz
Zum Auftakt der Ausstellung folgen die Besucher den "Fußspuren"
der Evolution. "Dabei reift schnell die Erkenntnis, dass der
Mensch als einziges Säugetier auf den Schutz seiner Füße
angewiesen ist", erläutert Museumsleiter Dr. Josef Mühlenbrock.
Den Einfallsreichtum der Natur verdeutlicht eine Auswahl von
Säugetieren aus unterschiedlichen Klimazonen, wie der
Wüstenfuchs oder der Biber, die einen natürlichen Fußschutz
entwickelt haben.
Eine Zeitleiste der Schuh-Höhepunkte aus den letzten 40.000
Jahren an den Wänden rund um den Ausstellungsraum eröffnet einen
Überblick zur europäischen Schuhmode. Entlang des Zeitstrahls
melden sich historische Personen - zum Beispiel Philipp
Melanchthon oder Kaiserin Sissi - zu Wort, die über ihre
besondere Beziehung zu Stiefeln und Sandalen berichten.
Stars und Sternchen
Prominente Schuhe aus Film und Fernsehen, Politik und Sport
haben ihren Auftritt auf einem Laufsteg. Zu ihnen gehören etwa
Uta Pippigs Marathon-Rekordschuhe, Audrey Hepburns Ballerinas
oder Madonnas Pumps aus dem Film "Evita". Neben diesen
Persönlichkeiten stehen Menschen im Mittelpunkt, die
erstaunliche, ergreifende oder aufregende Geschichten mit und in
ihren Schuhen erlebt haben. Beispielsweise Sibylle Hartung aus
Köln, die ihren "Schuhtick" zum persönlichen Markenzeichen
machte: sie trägt seit 30 Jahren täglich verschiedenfarbige
Schuhe. Die Besucher von "Schuhtick" können auf dem Laufsteg
auch selbst einmal testen, wie es sich in mittelalterlichen
Trippen oder High Heels laufen lässt.
Status und Macht
Schuhe zu tragen, war und ist für viele Menschen nicht
selbstverständlich. Ihr Besitz war in manchen Kulturen ein
Zeichen von Status und Macht. Sklaven in der römischen Antike
gingen barfuss, worin sie sich von freien Bürgern unterschieden.
Im Mittelalter regelten Kleiderverordnungen für jeden
gesellschaftlichen Stand Aussehen und Form der Schuhe. Als
Privileg des französischen Adels galten im Zeitalter des Barock
rote Absätze.
Sinnlichkeit und Erotik
Schon früh bestand zwischen Frauen und Schuhen eine sinnliche
Beziehung. Je nach Epoche und Kultur variierten das
Schönheitsideal und die Attraktivität bestimmter Körperpartien,
was auch Fuß und Schuh betraf. Beispielsweise galt im 18.
Jahrhundert der Anblick eines unbedeckten Knöchels als überaus
erotisch. High Heels, Overknee-Stiefel oder Pumps mit Fesselband
unterstreichen bis heute die Wirkung der Füße. Der Übergang von
Sinnlichkeit und Erotik der Schuhe zum Fetisch-Charakter ist
fließend. So sind beispielsweise der Höhe der Absätze, in denen
das Laufen noch möglich ist, Grenzen gesetzt. Auch in der
Männerwelt sollen verschiedene Schuhtypen die männliche
Attraktivität unterstreichen. Ein auffallend zweifarbiger
Herrenschuh der 1920er Jahre, der sogenannte Spectator, ging
etwa als Dandy-Schuh in die Geschichte ein.
Glaube und Glück
Im Volksglauben spielen Schuhe eine bedeutende Rolle. Sie sind
oftmals Glücksbringer, was zahlreiche Amulette und Schmuckstücke
in Schuhform belegen. Die ersten Schuhe des Kindes aufzuheben,
sollte zum Beispiel das Kind vor einem frühzeitigen Tod
bewahren. Auf chinesischen Kinderschuhen sind noch heute
Verzierungen mit dem Tierkreiszeichen des Geburtsjahres zu
finden, die böse Geister abwehren und die Schritte im Leben
sicher lenken sollen. In vielen Religionen gibt es ebenfalls
Rituale und Vorschriften, die den Fuß samt Verpackung betreffen.
Im Islam gilt nach wie vor das Verbot, Moscheen mit
Straßenschuhen zu betreten.
Kunst und Design
Schuhe sind Objekte von Mode und Kunst. Aus manchem Schuhmacher
wurde mit der Zeit ein Schuhkünstler. Berühmte Schuhdesigner wie
Salvatore Ferragamo und Manolo Blahnik gestalten eher
Kunstobjekte als gebrauchsfähiges Schuhwerk. Seit Vincent van
Gogh erstmalig in einem Stillleben den Schuh als zentrales
Bildmotiv verwendete, hielt dieser auch Einzug in die Kunst des
20. Jahrhunderts.
An dem Gemeinschaftsprojekt "Schuhtick" arbeiten Archäologen,
Kultur- und Naturwissenschaftler verschiedener Museen. Nach dem
Ende der Ausstellung im LWL-Museum in Herne wandern die Schuhe
weiter: zunächst ins Überseemuseum Bremen, danach in die
Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. Hauptförderer des
Ausstellungsprojekts "Schuhtick" ist die Ludwig Görtz GmbH.
INFO
Adresse
LWL-Museum für Archäologie
Europaplatz 1
44623 Herne
Tel.: 02323 94628-0
URL: http://www.schuhtick-ausstellung.de
URL: http://www.lwl-landesmuseum-herne.de
Öffnungszeiten
Dienstag, Mittwoch, Freitag 9 Uhr bis 17 Uhr
Donnerstag 9 Uhr bis 19 Uhr
Samstag, Sonntag, Feiertag 11 Uhr bis 18 Uhr
Begleitbuch
Das Begleitbuch zur Ausstellung ist im Verlag Philipp von Zabern,
Mainz erschienen:
Museumsausgabe: 19,90 Euro (ISBN: 978-3-8053-3941-4)
Buchhandelsausgabe: 29,90 Euro (ISBN: 978-3-8053-3938-4)
212 Seiten, 161 Farb- und 45 Schwarzweißabbildungen
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