[WestG] [AUS] Gelsenkirchen: Ausstellung zur Geschichte von Burg Luettinghof
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Mo Aug 25 14:17:12 CEST 2008
Von: "Pressestelle BR Münster" <Pressestelle at bezreg-muenster.nrw.de>
Datum: 25.08.2008, 14:08
AUSSTELLUNG
Wasserburg Lüttinghof wird 700 Jahre
Regierungspräsident Dr. Paziorek eröffnet Ausstellung im ältesten
Gebäude von Gelsenkirchen
Münster. Im ältesten Gebäude von Gelsenkirchen, der Wasserburg
Lüttinghof, hat Regierungspräsident Dr. Peter Paziorek heute (25.
August) eine Ausstellung eröffnet, die alte und aktuelle Fotografien,
Literatur zur Geschichte sowie einige barocke Ausschmückungen der Burg
und des Burggartens zeigt. Die Ausstellung in den Räumen des
Studienseminars der Bezirksregierung Münster ist von Martin Müller
(Innenarchitekt mit Büro in der Vorburg), Ludger Linneborn (Leiter des
Seminars für das Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen) und Gerd
Schneider (Bund Gelsenkirchener Künstler) initiiert worden. Alle drei
sind mit der Burg und Vorburg beruflich eng verbunden und so wollten sie
das 700jährige Jubiläum angemessen würdigen. Mittlerweile haben der
Verein für Orts- und Heimatkunde Gelsenkirchen-Buer e.V. und der
Landschaftsverband Westfalen Lippe veritable Ausstellungstücke
beigesteuert. Dem Regierungspräsidenten lag als gebürtigem Bueraner die
Wasserburg Lüttinghof immer schon am Herzen. Als er während der
traditionellen Präsidentenfahrt im Juni 2008 gemeinsam mit seinen Gästen
aus Münster bereits einen Blick auf die Exponate werfen konnte, erklärte
er sich spontan bereit, die Ausstellung offiziell zu eröffnen.
Die Burg Lüttinghof, im Norden von Gelsenkirchen ganz in der Nähe von
Marl-Polsum gelegen, wird am 28. August 1308 erstmalig urkundlich
erwähnt. Der Kölner Erzbischof bekräftigt in der Urkunde die
Lehensbeauftragung des "castrum Luttekenhove" an die Familie von Flerke
bei Polsum. In der wechselvollen Geschichte bleibt der Kölner Erzbischof
bis 1805 Lehnobereigentümer, danach wird die Burg Eigentum der Familie
Twickel zu Havixbeck. 1976 kauft die Stadt Gelsenkirchen die inzwischen
ziemlich verwahrloste Burg, nimmt erste konstruktive Sicherungsmaßnahmen
vor, übereignet die Burg jedoch 1986 dem Landschaftsverband Westfalen
Lippe. Der LWL rekonstruiert ab 1988 die Hauptburg- und baut die Vorburg
neu auf und nutzt diese als Restaurationswerkstätten. Diese Nutzung wird
2003 aufgegeben, und seit 2005 residiert neben freiberuflichen Büros das
"Studienseminar für Lehrämter an Schulen in Gelsenkirchen" der
Bezirksregierung Münster in der Vorburg.
Die Ausstellung in der Vorburg 5a ist montags bis donnerstags von 9 bis
16 Uhr, und freitags von 9 bis 14 Uhr geöffnet. Zusätzlich wird sie am
Samstag, 30. August von 10 bis16 Uhr der Öffentlichkeit zugänglich sein.
Adresse: Wasserburg Lüttinghof, Lüttinghofallee 3-5, 45896
Gelsenkirchen
Rede des Regierungspräsidenten Dr. Paziorek
zur Eröffnung der Ausstellung 700 Jahre Lüttinghof
(es gilt das gesprochene Wort)
Sehr geehrter Herr Oberbürgermeister, sehr geehrte Damen und Herren!
Dass ich hier und heute diese kleine Ausstellung eröffnen kann, die die
700jährige Geschichte der Burg Lüttinghof würdigen will, freut mich
sehr. Denn am 28. August 1308 (also am kommenden Donnerstag vor genau
700 Jahren) wird die Burg erstmalig urkundlich erwähnt. Der Kölner
Erzbischof bekräftigt in einer Urkunde die Lehensbeauftragung des
„castrum Luttekenhove“ an die Familie von Flerke bei Polsum.
Mein Gruß gilt dem Oberbürgermeister, Herrn Frank Baranowski, den
Bundestagsabgeordneten Herrn Joachim Poß und der Landtagsabgeordneten
Frau Heike Gebhardt. Besonders begrüße ich Herrn Bodo Strototte von der
Geschäftsleitung der Westfälisch-Lippischen
Vermögens-Verwaltungsgesellschaft WLV, die Vertreter des
Heimatvereins mit Herrn Dr. Gerd Escher an der Spitze, und die Presse.
Als gebürtigem Bueraner liegt mir die Wasserburg Lüttinghof sehr am
Herzen. Und als ich während der traditionellen Präsidentenfahrt im Juni
2008 gemeinsam mit meinen Gästen aus Münster bereits einen Blick auf die
ersten Exponate werfen durfte, erklärte ich mich spontan bereit, die
Ausstellung offiziell zu eröffnen. Vor mehr als 30 Jahren – 1976 –
hatte ich nämlich als Mitglied der Bezirksvertretung Gelsenkirchen-Nord
die kommunalpolitische Diskussion über die weitere Nutzung von
Lüttinghof „hautnah“ mitbekommen.
Hinzu kommt, dass die Bezirksregierung Münster Hauptmieter der Vorburg
ist: Im Studienseminar Gelsenkirchen, das hier seit 2005 beheimatet ist,
werden in vier Seminaren rund 500 angehende Lehrer auf ihren zukünftigen
Beruf vorbereitet. Damit unterhält die Bezirksregierung Münster einen
für die Zukunft der Stadt Gelsenkirchen und für die gesamte
Emscher-Lippe-Region nicht unbedeutenden Standort. Denn dieser „lockt“
Akademiker in die Gegend, die dann vielfach auch ansässig werden, weil
sie Land und Leute schätzen lernen und sich später um feste
Lehrerstellen bemühen.
Wie sicher viele von Ihnen wissen, stand vor rund 30 Jahren die
Existenz der gesamten Burganlage auf dem Spiel. 1976 verkaufte der
damalige Besitzer, die Familie von Twickel zu Havixbeck, die Anlage an
die Stadt Gelsenkirchen. Und die Stadt Gelsenkirchen hat sich große
Verdienste erworben damit, die damals ziemlich herunter gekommene Burg
konstruktiv zu sichern und vor dem Verfall zu retten. Eine weitere
Zukunft bekam die Burg nach der Übereignung an den LWL. Dieser
restaurierte ab 1988 die Hauptburg, baute die Vorburg neu auf –
übrigens zu einem architektonisch „ausgezeichneten Gebäude“ des
Landes NRW – und nutzte sie als zentrale Restaurationswerkstätten für
seine Museen. Als diese Nutzung 2003 aufgegeben wurde, stand lange Zeit
das Gespenst einer Investitionsruine im Raum. Mit der Anmietung eines
großen Teils der Vorburg durch die BR hat sich die Situation
entscheidend geändert, und davon profitieren die Nutzer, aber auch die
Burg:
Junge Lehrer, die oft von weit weg hierher nach Gelsenkirchen kommen,
und oft ein einseitiges und überwiegend negatives Bild von der Regien
haben, lernen das nördliche Ruhrgebiet von einer ganz anderen Seite
kennen und finden in diesem idyllischen Kleinod ausgezeichnete
Bedingungen, um in Ruhe über Schule und ihren Beruf nachdenken zu
können. Die öffentliche Nutzung ist andererseits das Beste, was der
gesamten Burganlage passieren kann. Denn jetzt stehen hier keine
funktionslosen „tote“ Gebäude herum, sondern Haus Lüttinghof ist zu
neuen Leben erwacht: Ein „Campus“ für junge angehende Lehrer! Und
damit bekommt der Sinnspruch der Familie von Nesselrode – am
Barockkamin im Ritterssal der Hauptburg: „Omnia pro Posteris“ –
„Alles für die Nachkommen“ – einen neuen realen Gehalt!
Somit haben wir eine wunderbare „win-win-Situation“ – wie man es
neudeutsch sagt – von der alle profitieren. Es wäre natürlich sehr
nützlich – und dies mal so nebenbei dem Oberbürgermeister gesagt
– wenn das Studienseminar überhaupt gefunden werden könnte. Wenn
man nämlich das Seminar per GPS anfährt, landet man unweigerlich in
einer Sackgasse in Marl Polsum! Deshalb meine Bitte an die Stadt:
Vielleicht könnte die Stadt Gelsenkirchen doch einmal für eine
Ausschilderung und für eine häufigere Durchlichtung des Zufahrtsweges
sorgen!
Nun aber zu denjenigen, denen wir die Ausstellung zu verdanken haben:
Die Idee hatten die drei Herren Ludger Linneborn, Martin Müller und
Gerd Schneider, die alle drei beruflich eng mit der Wasserburg verbunden
sind und sich hier sehr wohl fühlen.
Herr Ludger Linneborn ist hier Leiter des Seminars für das Lehramt an
Gymnasien und Gesamtschulen und er war schon 2004, als die Vorburg für
die Belange der Lehrerseminare umgebaut wurde, einer der
Ansprechpartner für die Architekten, er hat die Belange der späteren
Nutzer gegenüber der WLV, der Westfälisch-Lippischen
Vermögensverwaltungsgesellschaft, und der Bezirksregierung Münster
vertreten.
Herr Martin Müller hat hier in der Vorburg sein Architekturbüro und er
hat seine Diplomarbeit über die Hauptburg geschrieben, in der er eine
Nutzung vom Keller bis zum Dachgeschoss vorgeschlagen hat. Einige seiner
Zeichnungen im Rahmen seiner Diplomarbeit können Sie in dieser
Ausstellung bewundern.
Herr Gerd Schneider hat hier in der damaligen zentralen
Restaurationswerkstatt gearbeitet und ist auch heute noch mit einer
Teilzeitstelle als Hausmeister „der gute Geist“ des Hauses. Und als
gelernter Museums- und Ausstellungstechniker und mit guten Verbindungen
zum Bund Gelsenkirchener Künstler ist er für solche Vorhaben geradezu
prädestiniert
Allen Dreien war es ein Anliegen, die historische Dimension ihres
Arbeitsplatzes heraus zu stellen und das 700jährige Jubiläum nicht
einfach unter den Tisch fallen zu lassen. Mittlerweile haben aber auch
die Westfälisch-Lippische Vermögensverwaltungsgesellschaft (WLV) und der
Verein für Orts- und Heimatkunde Gelsenkirchen Buer veritable
Ausstellungsstücke beigesteuert. Hier sei insbesondere den Herren Herrn
Bodo Strototte und Holger Bosch (vom WLV) und Helmut Lindner (vom
Heimatverein) gedankt.
Über die Geschichte der Burg wird gleich Herr Carl-Heinrich Lueg noch
ausführlicher reden. Aber jetzt eröffne ich diese Ausstellung, der ich
zahlreiche Besucher aus Gelsenkirchen und Umgebung wünsche.
Und damit auch die Berufstätigen genug Zeit haben, sich die
interessanten Exponate anzuschauen, sind die Türen zu dieser Ausstellung
noch zusätzlich zu den normalen Öffnungszeiten am Samstag, den 30.
August von 10:00 bis 16:00 Uhr geöffnet!