[WestG] [AKT] Geschichtspreis des Mindener Geschichtsvereins an Rainer Hahn, Preussisch Oldendorf, 27.11.2007
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Do Nov 15 14:26:08 CET 2007
Von: "Schulte, Monika (Stadt Minden, Archiv)" <M.Schulte at MINDEN.DE>
Datum: 15.11.2007, 14:11
AKTUELL
Geschichtspreis des Mindener Geschichtsvereins wird an Rainer Hahn aus Hannover für seine Projektarbeit "Schlosspark Hüffe. Geschichte und Formulierung eines Leitbildes zur Erhaltung und Entwicklung der historischen Parkanlage als Kulturdenkmal“ verliehen
Bereits zum dritten Mal wird der mit 2.500 € dotierte Geschichtspreis des Mindener Geschichtsvereins verliehen. Der diesmalige Preisträger Rainer Hahn erhält den Preis für seine am Institut für Grünplanung und Gartenarchitektur der Universität Hannover bei Prof. Dr. Wolschke-Bulmahn entstandene Projektarbeit "Schlosspark Hüffe. Geschichte und Formulierung eines Leitbildes zur Erhaltung und Entwicklung der historischen Parkanlage als Kulturdenkmal“ vergeben.
Der Geschichtspreis zeichnet herausragende wissenschaftliche Forschungen zur Geschichte aller Epochen auf dem Gebiet des ehemaligen Fürstentums Minden bzw. des heutigen Kreises Minden-Lübbecke aus. Zur Teilnahme am Wettbewerb waren alle Interessierten aufgefordert, die sich beruflich oder in ihrer Freizeit mit der wissenschaftlichen Erforschung der Geschichte unserer Region in allen ihren Facetten beschäftigen.
Die Projektarbeit von Rainer Hahn zum Schlosspark Hüffe beschreibt die historischen Zustände des Wasserschlosses mit Hauptburg, Vorburg und Begräbnisinsel samt Parkanlage seit ihrem Entstehen im letzten Viertel des 18. Jahrhunderts aus vielfältigen Quellen wie Katastern, Gemeinde- und Flurkarten, Gemälden, Ansichten, Fotografien, Rechnungen u.ä. Die Architektur nicht nur des Schlosses, sondern auch anderer zum Schloss gehöriger Gebäude als Ensemble betrachtet, für das es eine denkmalpflegerisches Konzept zu finden gilt.
Die noch heute erkennbaren, aber durch Wildwuchs überformten Strukturen wurden in den Jahren 1773/74 und nochmals 1782/83 durch den einstigen Besitzer, den damals Hessen-Kasselschen Oberst, nachmaligen Geheimen Staatsministers und schließlich in preußischen Diensten stehenden Friedrich Christian Arnold von Jungkenn gen. Münzer von Mohrenstamm, gestaltet. Das neue Herrenhaus ließ er durch den Kasseler Hofarchitekten Simon Louis du Ry, einen Hugenotten, errichten, der auch das Schloss Wilhelmshöhe geplant hatte: Dieser war einer der ersten Vertreter des Klassizismus in Deutschland. Als Gärtner konnte der Schlossherr ebenfalls einen Kasseler gewinnen, Bourgignon, der die Gestaltung der vorhanden Gräfte, der neuen Alleen sowie der Nutz- und Ziergärten plante, und später durch den Gärtner Manteuffel abgelöst wurde. Anfangs war dieser Garten ein bewusst bürgerlich bescheidener Garten ohne Bezüge nach draußen – ganz entgegen der damals in England herrschenden Mode der Entgrenzung mit Blicken in die umgebende Landschaft. Auch die Mode des Rokoko wurde nur sehr begrenzt aufgegriffen.
Unter den nachfolgenden Besitzern wurde der Schlosspark immer wieder gemäß jeweils herrschenden Moden überformt: um 1790 zum Landschaftspark nach englischem Vorbild, in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts werden Gewächshäuser gebaut, in den 1850er Jahren wird der Schlosspark auch forstwirtschaftlich genutzt, in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts kommt es zu einer starken Verlandschaftung der Anlage. Im 19. Jahrhundert scheinen sich die einzelnen Besitzer als "Laien-Gartenkünstler“ betätigt zu haben, so dass zwar bisweilen eine neue Struktur der Anlage aufscheint, aber nicht professionell und konsequent ausgeführt wurde. Bis 1931 wurde der Park dann nur noch geringfügig verändert, eigentlich nur vereinfacht. 1936 wurde er dann als Naturschutzgebiet ausgewiesen. In den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu einer Verwahrlosung des Gutes entweder aus Desinteresse der damaligen Besitzerin oder aufgrund fehlender finanzieller Möglichkeiten. Erst ab 1977 begannen der neue Schlosseigentümer Dr. med. Hartmut Krukemeyer, der Gründer und Besitzer der Paracelsuskliniken, und seine Frau Katharina Gräfin von Schwerin-Krukemeyer den Park instand zu setzen.
Nach der eingehenden Beschreibung der historischen Zustände, die die Basis für das denkmalpflegerische Konzept sind, wendet der Preisträger sich der Problematik zu, wie der Denkmalwert des Schlossparks – das Schloss steht seit 1985 unter Denkmalschutz – begründet werden kann und welcher Leitzustand für die denkmalpflegerische Entwicklung anzunehmen ist. Ausgehend von seiner umfassenden Analyse der Parkgeschichte wird dann der aktuelle Bestand – Geologie und Boden, Hydrologie, räumliche Abgrenzung, Parkgestaltung – dazu in Beziehung gesetzt und verglichen, welche historisch wertvollen Elemente heute noch zu erkennen sind. Zu unterschiedlichen Aspekten formuliert Rainer Hahn dann Merksätze zu insgesamt 45 Problemen. Im Anschluss daran wird ein denkmalpflegerisches Leitbild entworfen, das in 17 Rahmenbedingungen und in 28 Maßnahmen überführt wird. Vorgeschlagen wird insgesamt ein behutsamer Umgang mit der vorhandenen historischen Substanz durch die Öffentlichkeit, eine zurückhaltende Rekonstruktion, die sich als modern zu erkennen gibt, und eine Inpachtnahme des Parks durch die Stadt Preußisch Oldendorf zwecks langfristiger Pflege der Parkanlage. Auch darüber, die Gesamtanlage Hüffe mit Schloss, Haupt- und Vorburg, Begräbnisinsel, Gräfte, Parkanlagen als Denkmalbereich in die Denkmalliste einzutragen, müsse diskutiert werden, so Rainer Hahn.
INFO
Die Preisverleihung findet am Dienstag, 27. November 2007, um 19.30 Uhr im Schloss Hüffe, Preußisch Oldendorf, statt. Die Laudatio auf den Preisträger und seine Projektarbeit wird Uwe Siekmann vom Westfälischen Amt für Denkmalpflege in Münster halten. Aufgrund der begrenzten Sitzplätze ist eine Anmeldung in der Geschäftsstelle des Geschichtsvereins unter 0571 / 972200 erforderlich.