[WestG] [AUS] Postkarten beleuchten deutsch-polnische Geschichte, 11.03.-13.05.2007, Dortmund
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mo Mär 12 09:51:24 CET 2007
Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 09.03.2007, 12:03
AUSSTELLUNG
Postkarten beleuchten deutsch-polnische Geschichte -
Ausstellungsschwerpunkt im LWL-Industriemuseum
Die spannungsreiche Geschichte der deutsch-polnischen
Beziehungen im 20. Jahrhundert ist Thema einer neuen Ausstellung,
die der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) ab Sonntag
(11.3.) in seinem Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund
zeigt. Präsentiert werden rund 200 historische Ansichtskarten,
die verschiedene Aspekte der Beziehungen beider Staaten
dokumentieren, darunter Themen wie die nationale Vielfalt in der
Textilmetropole Lodz, die Abstimmungskämpfe in Oberschlesien
nach 1918 und den neu gegründeten Staat mit "polnischem
Korridor" und Kohlenbahn. Nicht ausgespart werden aber auch der
Germanisierungswahn im Dritten Reich, die Judenvernichtung in
Auschwitz, die Zerstörung Warschaus sowie die Themen Flucht und
Vertreibung und der Wiederaufbau in kommunistischer Zeit.
Die Postkartenschau auf Zollern ist Teil des aktuellen
Themenschwerpunkts "Polen * Deutsche * Ruhrpolen": 2007 zeigt
das LWL-Industriemuseum dazu insgesamt fünf Ausstellungen an
vier Standorten (s.u.). Sie sind Ergebnis der intensiven
Kontakte, die das Westfälisches Landesmuseum für Industriekultur
seit Jahren zu polnischen Museen pflegt.
"Die Beschäftigung mit deutsch-polnischer Geschichte im
Industriezeitalter ist für beide Seiten belastend: durch
Erinnerungen an Streit und Unterdrückung, Krieg und Verbrechen,
Flucht und Vertreibung", erläutert Dr. Thomas Parent,
stellvertretender Direktor des LWL-Industriemuseums. Fast
vergessen sei hingegen, dass es zeitweilig auch Phasen von
Verständigung gab, von Hilfe, Solidarität und kultureller
Kooperation. Parent: "Erst ein fanatisch übersteigerter
Nationalismus zerstörte ein faszinierendes Vielvölkergemisch,
wie es sich z.B. in Lodz im Umfeld der prosperierenden
Textilindustrie um 1900 innerhalb weniger Jahrzehnte entwickelt
hatte."
Die Ausstellung beginnt mit der Vorstellung der drei polnischen
Teilgebiete in den Jahren um 1900: Russisch-Polen,
Österreichisch-Polen, Preußisch-Polen. Vor allem in den
Provinzen Posen und Westpreußen strebte die preußische Regierung
damals an, das polnische Element zugunsten des deutschen
zurückzudrängen. 1914 kämpften polnische Soldaten auf deutscher
und russischer Seite gegeneinander. 1915 versuchten die
Kaiserreiche Deutschland und Österreich-Ungarn in Zentralpolen
einen Vasallenstaat zu etablieren. Ihre Weltkriegsniederlage
ermöglichte 1918 die Gründung eines eigenständigen polnischen
Nationalstaats. Konflikte um die Zugehörigkeit von Grenzregionen
eskalierten um 1920 vor allem in Oberschlesien. Nationalstolz
manifestierte sich dann in Kattowitz im größten polnischen
Kirchbauprojekt des 20. Jahrhunderts.
Die Weltkriegsjahre 1939-45 bedeuteten für Polen eine
Leidenszeit von apokalyptischer Dimension: NS-Terror bereits zu
Kriegsbeginn, dann Ausbeutung und Versklavung, "verbrannte Erde"
und Genozid. Der Wiederaufbau wurde durch die kommunistische
Zwangsherrschaft belastet. Vertrieben wurden seit 1945 nicht nur
Millionen von Deutschen aus Pommern und Schlesien, sondern auch
Millionen von Polen aus einem breiten Landstreifen im Osten, der
von Litauen bis nach Galizien reichte.
Thomas Parent: "Die historischen Ansichtskarten, die einzelne
Aspekte der polnisch-deutschen Geschichte bebildern, sind keine
objektiven Dokumente. Vielmehr werben sie häufig für
ideologische oder politische Inhalte, machen Stimmung, agitieren,
prangern an. Man sieht idyllische Ansiedlungsdörfer und
polnische Wirtschaft, das Posener Kaiserschloss als Trutzburg
des Ostens, die Hinrichtung von Zivilisten in Galizien, das
Ghetto von Litzmannstadt, das brennende Warschau."
Die wechselvolle Geschichte zeigt sich auch darin, dass auf
manchen Postkarten Orts- und Straßennamen gleich mehrfach
geändert wurden. Ein Beispiel liefert eine Postkarte der
oberschlesischen Stadt Königshütte: Nachdem diese Stadt im Jahr
1922 dem neu gegründeten polnischen Staat zugeteilt worden war,
druckte man zusätzlich polnische Bezeichnungen auf die Karte.
Nach dem deutschen Einmarsch von 1939 schickte ein Deutscher
diese Karte an seinen Sohn nach München. Zuvor strich er den
polnischen Ortsaufdruck durch und überschrieb die Worte mit
"Adolf-Hitlerplatz".
Am Schluss der Ausstellung dokumentieren Farbkarten das aktuelle
polnische Engagement im Bereich "Industriekultur", das auch in
Polen zu beobachten ist. Textilmuseen in historischen
Fabrikanlagen gibt es z.B. in Lodz und eine funktionsfähige
Dampffördermaschine in der Museumszeche "Königin Luise" in
Zabrze in Oberschlesien.
Deutsch-polnische Geschichte im Spiegel der Ansichtskarte
Zeche Zollern, Dortmund
11.3.-13.5.2007, Ausstellungseröffnung: 11.3.2007, 11 Uhr
Slask * Oberschlesien
Acryl auf Leinwand & Kohlezeichnungen von Robert Schneider
Henrichshütte, Hattingen
16.2.-15.4.2007
SILESIA VIVA Bergmännische Laienkunst aus Oberschlesien
Gastausstellung des Stadtgeschichtlichen Museums Zabrze
(Hindenburg)
Zeche Zollern, Dortmund
20.5.-26.8.2007, Ausstellungseröffnung: 20.5.2007, 11 Uhr
Westfalczycy * Ruhrpolen
Zuwanderer aus Polen im Ruhrgebiet
Zeche Hannover, Bochum
19.8.-28.10.2007, Ausstellungseröffnung: 19.8.2007, 11 Uhr
Des Königs Kontrolleur
Die Reise des Bergrats Friedrich von Reden von Oberschlesien
ins Ruhrtal
Zeche Nachtigall, Witten
2.12.2007-30.3.2008, Ausstellungseröffnung: 2.12. 2007, 11 Uhr