[WestG] [AKT] Denkmal des Monats Juni: Aelteste Elektroloks Deutschlands fahren auf der Extertalbahn
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Fr Jun 29 11:30:35 CEST 2007
"LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 28.06.2007, 15:09
AKTUELL
Älteste Elektroloks Deutschlands fahren immer noch auf
der Extertalbahn
LWL zeichnet Strecke als Denkmal des Monats Juni aus
Bei denkmalgeschützten Eisenbahnen denkt man an fauchende
Dampfloks, die durch eine wildromantische Landschaft schnaufen.
Ganz anders erscheint da die elektrisch betriebene Extertalbahn,
die 1929 den Betrieb auf der Strecke zwischen Barntrup (Kreis
Lippe) und Rinteln (Niedersachsen) aufgenommen hat. Weil die
Extertalbahn nicht untergegangen ist wie die vergleichbare
Herforder Kleinbahn und nicht modernisiert worden ist wie die
Zugspitzbahn sondern auf Teilen immer noch die historischen Loks
fahren, hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) die
Strecke als Denkmal des Monats Juni ausgezeichnet.
"Die beiden 1927 gebauten Gütertriebwagen Lok 21 und Lok 22 sind
die ältesten erhaltenen Elektrolokomotiven in Deutschland, die
immer noch auf ihrer Stammstrecke fahren. Außerdem sind der
historische Schienenoberbau und die Fahrdrahtführung ebenso
original erhalten wie alle Brücken der Strecke", nennt
LWL-Denkmalpfleger Christian Hoebel Besonderheiten der
Extertalbahn, die der LWL in Zusammenarbeit mit der Gemeinde
Extertal jetzt als erste komplette Bahnstrecke Westfalens unter
Denkmalschutz gestellt hat.
Die Geschichte der Extertalbahn beginnt am 24. September 1924
mit der Gründung der "Extertalbahn Aktiengesellschaft" (EAG).
Ziel war es, die Stecken Löhne - Hameln, Rinteln - Stadthagen
und Lage - Hameln zu verbinden. Fünf Jahre später schlängelte
sich die 28 Kilometer lange Strecke durch die Talaue der Exter
entlang einer Landstraße. Das Ungewöhnliche für die Zeit: Auf
der Strecke bewegten sich kastenartige Loks, die nicht dampften,
sondern die nötige Energie in Form von Elektrizität aus einem
Fahrdraht bezogen.
"Da das damalige Elektrizitätswerk 'Wesertal GmbH' aus Hameln
Mitgesellschafter der EAG war, wurde die Strecke von Anfang an
mit einem Gleichstrom von 1.500 Volt elektrifiziert. Die
Vorteile liegen auf der Hand: Elektroloks sind einfacher zu
handhaben als Dampfloks, sie können schneller beschleunigen und
können auch größere Steigungen bewältigen. So konnte man beim
Bau im Extertal aufwändige Erdbewegungen vermeiden", erklärt
Hoebel. Der Gleichstrom hat allerdings im Vergleich zum
Drehstrom den Nachteil, dass er nicht ohne Leitungsverluste über
größere Entfernungen geführt werden kann. "Deshalb baute die EAG
ihren Betriebssitz auf halber Strecke in Extertal-Bösingfeld und
speiste hier den Gleichstrom ein", so Hoebel weiter.
Die EAG, die sich 1967 in "Verkehrsbetriebe Extertal" umbenannt
hat, war von Anfang an auf den Personen- und den Güterverkehr
ausgerichtet. Den regelmäßigen Personenverkehr hat sie 1969
eingestellt, der letzte Güterzug rollte 2001 über die lippische
Strecke. Große Sorge bereitete den Denkmalpflegern in den
vergangenen Jahren der Kupferklau, dem große Abschnitte des
Fahrdrahtes zum Opfer fielen und der fast zum Untergang des
Denkmals geführt hätte. Doch der Verein Landeseisenbahn Lippe
hat erhaltene Abschnitte aus dem nördlichen Teil abgebaut und
auf dem südlichen Teil wiederverwendet und die Strecke so
gerettet.
Während heute auf dem nördlichen Teil zwischen Bösingfeld und
der Landesgrenze Touristen auf handgetriebenen Draisinen fahren
können, will der Verein Landeseisenbahn Lippe demnächst zu
besonderen Anlässen die beiden historischen Loks auf die
Südstrecke zwischen Bösingfeld und Barntrup schicken. Den
nötigen Gleichstrom speisen nach wie vor zwei originale
Quecksilberdampf-Gleichrichter ein.