[WestG] [AKT] "Stolpersteine" in Bocholt verlegt. Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Feb 21 10:02:54 CET 2007


Von: "Stadt Bocholt" <info at presse-service.de> 
Datum: 12.02.2007, 11:44


AKTUELL

"Stolpersteine" in Bocholt verlegt 
Erinnerung an Opfer des Nazi-Regimes / 
Schüler vom Georg-Gymnasium gaben Anstoß

Wer aufmerksam durch Bocholt läuft, könnte von nun an auf 
glänzende, messingfarbene Steine in der Pflasterung stoßen - und 
innehalten. Genau das beabsichtigen die sog. "Stolpersteine" des 
Kölner Künstlers Gunter Demnig: Sie sollen an die Opfer des 
Nazi-Regimes erinnern. In Bocholt sind am 12. Februar die ersten 
10 "Stolpersteine" an Orten verlegt worden, an denen ehemalige 
Bocholter Bürger lebten und wohnten. Auf den Steinen sind die 
Namen, die Jahrgänge und Hinweise auf das Schicksal eingraviert. 
Der erste Stein wurde an der Kreuzung Münsterstraße/
Theodor-Heuss-Ring gelegt.

Er erinnert an Josef Fehler, der an der Münsterstraße ein 
Eisenwarengeschäft betrieb und öffentlich Widerstand leistete, 
indem er die Unrechtstaten der Nazis anprangerte und jüdischen 
Mitbürgern beistand. Weitere Stolpersteine wurden verlegt an der 
Osterstraße 48/50 in Erinnerung an Bertold und Martha Löwenstein,
am ehemaligen Haus Weberstraße 23 in Gedenken an Paul und Max 
Hochheimer, auf der Adenauerallee 39 in Erinnerung an Martha 
Silberschmidt, auf der Ludgerusstraße 4 in Erinnerung an Herman 
Cohen, auf der Feldstraße 29 in Erinnerung an Oswald Ludwig und 
Werner Ludwig und auf der Bogenstraße 16 in Gedenken an Hendrika 
Diesfeld. "Mit den Stolpersteinen werden historische Spuren 
gelegt. Spuren, die zum einen das Gedenken an ehemalige 
Bocholter Mitbürgerinnen und Mitbürger wach halten, die als 
Minderheiten und Verfolgte der Schreckensherrschaft des 
Nazi-Regimes im zweiten Weltkrieg zum Opfer gefallen sind. 
Spuren aber auch, die uns zum Nachdenken anregen sollen.

Ich begreife die "Stolpersteine" als Aufforderung an jeden von 
uns, stets mit aller Kraft für die Menschenwürde und die Rechte 
von Minderheiten einzutreten. Nicht nur in unserem Land, sondern 
überall", so Bürgermeister Peter Nebelo. "Ein Mensch ist erst 
vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagte Künstler Gunter 
Demnig, der sein Projekt als "ständig wachsendes Denkmal" 
versteht. Bis Ende 2006 hat er rund 9.000 Steine in über 190 
Ortschaften verlegt. Für 95 Euro kann jeder eine Patenschaft für 
die Herstellung und Verlegung eines Stolpersteins übernehmen. 
Den Anstoß für die "Stolpersteine" in Bocholt gaben Schüler 
eines Geschichtskurses des St. Georg-Gymnasiums. Die 
Stadtverordnete Brigitte Eckers brachte die Idee in den Schul- 
und Kulturausschuss ein.

Schließlich bildete sich ein Koordinierungskreis 
"Stolpersteine". "Wir sind ermutigt, weiterzumachen", meinte 
Georgs-Lehrer Hermann Oechtering nach der Verlegung des ersten 
Steins. 


INFO

Weitere Informationen zum Projekt erteilt Reinhold Sprinz vom 
Koordinierungskreis "Stolpersteine" unter E-Mail 
rsprinz at mail.bocholt.de. Informationen über das Gesamtprojekt 
von Künstler Gunter Demnig sind im Netz unter 
www.stolpersteine.com zu finden.

Spenden nimmt der Förderverein des St. Georg-Gymnasiums 
entgegen unter dem Stichwort "Stolpersteine", Kontonr.: 139 675 
bei der Stadtsparkasse Bocholt (BLZ 428 500 35).