[WestG] [AKT] Vortrag ueber das "RH-Verfahren" in der Stahlindustrie, 23.02.2007, Hattingen
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Feb 20 10:42:10 CET 2007
Von: "Forum Geschichtskultur" <forum at geschichtskultur-ruhr.de>
Datum: 19.02.2007, 08:43
Übernahme aus der E-Mailing-Liste "geschichtskultur ruhr"
AKTUELL
Vortrag über das "RH-Verfahren" in der Stahlindustrie
Referent: Dr. Franz-Josef Hahn
Freitag, 23. Februar 2007, 20.00 Uhr
Fast alle Stahlwerke der Welt verwenden heute das sogenannte
"RH-Verfahren", um ihren flüssigen Stahl im Vakuum von
schädlichen Gasen zu befreien. Entwickelt wurde dieses Verfahren
in den 1950er Jahren auf der Henrichshütte in Hattingen. Der
Eisenhüttenmann und Ingenieur Dr. Franz-Josef Hahn hat
maßgeblich an der Forschung und weltweiten Vermarktung
mitgearbeitet. In seinem Bildervortrag, zu dem der
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) am Freitag in sein
Industriemuseum Henrichshütte in Hattingen einlädt, schlägt Hahn
den Bogen von den Anfängen des Verfahrens bis zur Gegenwart.
Die Kurzbezeichnung "RH" steht für die Erfinder des Verfahrens:
die damalige Ruhrstahl AG und die Firma Heraeus. Ursprüngliches
Ziel war, den schädlichen Wasserstoff in Schmiedeblöcken zu
vermindern. Das Ruhrstahlwerk Henrichshütte war das einzige Werk
in der BRD, das 200 Tonnen schwere Rohstahlblöcke schmieden
konnte. Damit spezialisierte sich die Henrichshütte auf
beispielsweise schwerste Kurbelwellen für größte
Schiffsdieselmotoren.
Bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts hatten Forscher daran
gearbeitet, mittels Vakuum Gase aus dem Stahl zu entfernen. Die
Theorie in die Praxis umzusetzen, gelang aber erst 100 Jahre
später im Forschungslabor der Henrichshütte. Am 24. Juni 1958
führte die Henrichshütte dann die erste industrielle
RH-Vakuumbehandlung im Hattinger Stahlwerk durch. In den
darauffolgenden Jahren wurde das RH-Verfahren ständig
verbessert.
Stärkere Vakuumpumpen und größere Vakuumgefäße kamen
zum Einsatz. Durch zielgenaues Legieren und Verbesserung des
Reinheitsgrades erreichte der Vakuumstahl ein hohes
Qualitätsniveau. Kurz gesagt: aus Stahl wurde Edelstahl. Die
Hochschulen in Clausthal, Aachen und Berlin forschten intensiv
und erarbeiteten mit den Hattinger Ingenieuren neue
Anwendungsmöglichkeiten für das Vakuumverfahren. Anfang der
1970er Jahre wurde das auf der Henrichshütte entwickelte
RHO-Verfahren patentiert.
Diese neue Technik des
Sauerstoffaufblasen in RH-Anlagen führte in den 1990er Jahren
als RH-TOP-Verfahren zu einem gewaltigen Schub bei der
Entwicklung neuer Stahlqualitäten. Bis heute wurden mehr als 200
Anlagen nach dem Hattinger RH-Prinzip gebaut. Das RH-Verfahren
hat im Laufe seiner Entwicklung die Technologie der
Stahlherstellung wesentlich vorangetrieben und damit die
Anwendung von Stahl vielfältig erweitert.
INFO
Zeit:
Der Vortrag (Beginn 20 Uhr) ist kostenlos. Vorher bietet das
LWL-Industriemuseum eine Fackelführung über das
Hochofengelände an. Besucher, die daran teilnehmen,
zahlen 3,50 Euro (ermäßigt 2 Euro).
Treffpunkt ist um 19 Uhr das Museumsfoyer.
Ort:
Westfälisches Industriemuseum
Henrichshütte Hattingen
Werksstrasse 31-33
45527 Hattingen
Telefon: 02324 9247-0
Telefax: 02324 9247-112
E-Mail: birgit.schulz at lwl.org