[WestG] [AKT] Vortrag: Westfaelischer Adel am Hof Heinrichs des Loewen, 07.11.2006, Paderborn

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mon Okt 23 11:28:20 CEST 2006


Von: "R.-D. Müller" <r.mueller at paderborn.de>
Datum: 20.10.2006, 09:49


AKTUELL

Vortragsveranstaltung des Altertumsvereins Paderborn in Zusammenarbeit 
mit dem Historischen Institut der Universität Paderborn

Prof. Dr. phil. Joachim Ehlers, Berlin:
"Westfälischer Adel am Hof Heinrichs des Löwen"

Der Vortrag geht von einer im 12. Jahrhundert deutlich wachsenden Bedeutung 
der Höfe als politische und kulturelle Zentren in Deutschland aus und verfolgt 
am Beispiel des westfälischen Adels die Beziehungen zwischen den Großen einer
Region zur Landesherrschaft. Als Orte des Gerichts und der Beratung dienten 
Höfe dazu, jene Menschen an den Fürsten zu binden, auf deren Hilfe, Mitwirkung
oder Duldung er angewiesen war. Ohne Beratung und Mitsprache der Großen 
konnte nicht regiert werden; je öfter wichtige Adelsfamilien in der Nähe des Herrn 
vertreten waren, umso enger wurden sie in das vorwiegend persönlich bestimmte 
Geflecht seiner Entscheidungen eingesponnen. 

Für Heinrich den Löwen war der Hof das wichtigste Mittel zur Sicherung seiner 
herzoglichen Stellung; durch den Hof wollte er die verstreuten Bestandteile seiner 
Herrschaft in Sachsen allmählich und dauerhaft auf seine Person ausrichten und 
bildete deshalb ein Gefolge, das ihn bei Rechtshandlungen, Reichsversammlungen 
oder beim Empfang von Gesandtschaften umgab und dessen Größe zugleich 
seinen fürstlichen Rang dokumentieren sollte. Mit dem hartnäckigen Streben nach 
effektiver Vorherrschaft stand der Herzog allerdings deutlich im Gegensatz zu
dem, was in Sachsen bislang üblich gewesen war, so daß er sich zwangsläufig 
offene oder versteckte Feinde machte, mit denen er ständig zu kämpfen hatte 
und denen er am Ende unterlag.

In dieser Auseinandersetzung fand sich der westfälische Adel zwischen Heinrich 
den Löwen und die Kölner Kirche gestellt, die beiden in seine heimatliche Region 
hinein expandierenden Mächte. Ihnen gegenüber mußte er eine Position suchen,
die ihm Besitz und Rechte auf die Dauer erhalten würde. Konflikte mit dem 
Herzog ergaben sich dabei nicht nur aus der Konkurrenz um Landesherrschaft 
und Autonomie der führenden Familien, sondern auch aus Heinrichs Regierungsstil,
der durch ein grundsätzlich distanziertes Verhältnis zum Adel gekennzeichnet war.     


INFO

Vortragsveranstaltung des Altertumsvereins Paderborn in Zusammenarbeit 
mit dem Historischen Institut der Universität Paderborn
Dienstag, 7. November 2006
Theologische Fakultät Paderborn
Kamp 6
Hörsaal 2