[WestG] [AKT] Vortragsprogramm des Vereins fuer Geschichte und Landeskunde von Osnabrueck e.V., 2006/2007
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mi Nov 8 14:24:32 CET 2006
Von: "Birgit Kehne" <Birgit.Kehne at nla.niedersachsen.de>
Datum: 08.11.2006, 14:14
AKTUELL
Vortragsprogramm des Vereins für Geschichte und Landeskunde von
Osnabrück e.V. für das Winterhalbjahr 2006/2007
Die Vorträge des Historischen Vereins finden im Zimeliensaal der
Universitätsbibliothek Osnabrück (Eingang Alte Münze) statt.
Alle Veranstaltungen beginnen um 19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.
1. Donnerstag, 19. Oktober 2006
Stefan Brüdermann, Bückeburg:
Streitlustige Einwohner - Studenten in der Universitätsstadt des
18. Jahrhunderts
Die Universität des 18. Jahrhunderts war nicht nur eine Lehranstalt,
sie war auch noch eine Einrichtung eigenen Rechts. Die Studenten
waren nicht den Gerichten der jeweiligen Städte unterworfen, sondern
der eigenen, universitären Gerichtsbarkeit. Sie sahen sich daher als
besonderen Stand mit eigenem Ehrbegriff und grenzten sich von
anderen städtischen Einwohnern ab. Der Vortrag beschreibt diese
Situation der Studenten an Beispielen verschiedener deutscher
Universitäten, geht vor allem auf typische Konfliktfelder des
Studentenlebens dieser Zeit ein: Pennalismus, Schuldenmachen,
Streitigkeiten mit Bürgern, Soldaten, Handwerkern und der
städtischen Wache und versucht, an der Entwicklung des Duells und
der Studentenverbindungen einen Wandel erkennbar zu machen.
2. Donnerstag, 09. November 2006
Gerd Dethlefs, Münster:
Zwischen Iburg und Burg Ravensberg. Das Bockhorster Kreuz und
die Südgrenze des Bistums Osnabrück im Hochmittalter
Das um 1200 geschaffene, monumentale Triumphkreuz aus der
Kirche zu Bockhorst (zwischen Dissen und Versmold), das seit 1894
im Landesmuseum Münster verwahrt wird, erfährt erstmals eine
historische Einordnung: an ihm lassen sich die Konflikte zwischen
Äbten und Vögten, Bischöfen und Grafen bei der Ausbildung
territorialer Landesherrschaft im 13. Jahrhundert veranschaulichen.
Zugleich wird die Kreuzverehrung in Westfalen in dem Jahrhundert
nach "Canossa" und dem Investiturstreit einer neuen Betrachtung
unterzogen.
3. Donnerstag, 07. Dezember 2006
Ulrike Hindersmann, Lotte:
Epochenzäsur 1806: Der Adel im Osnabrücker Land in der
napoleonischen Zeit
Der Vortrag konzentriert sich auf die Frage, welche konkreten
Auswirkungen die Ereignisse der "Franzosenzeit", der Jahre vor
und nach 1806, auf die materiellen Verhältnisse des Adels und der
von ihm besessenen Güter hatten. An Einzelbeispielen aus dem
Osnabrücker Land kann gezeigt werden, wie sich das Ausmaß
der Belastungen durch Einquartierungen, "Kriegsfuhren" und
Naturallieferungen für die Armeen gestaltete und welche Folgen
zudem die neue französische Gesetzgebung für die Güter des
Adels hatte.
Daneben sollen aber auch einige Beobachtungen zu den Reaktionen
des landsässigen Adels auf die neuen Landesherren dargelegt
werden, wobei das Spektrum der Verhaltensweisen von der
"Kollaboration" über Mitläufertum bis hin zum aktiven Widerstand
reichte.
Ein Ausblick auf die langfristigen Folgen der so genannten
Franzosenzeit für den Adel, insbesondere bei der nach 1814
einsetzenden Reformgesetzgebung im Königreich Hannover,
dem das frühere Fürstbistum eingegliedert worden war, wird
den Vortrag abschließen.
4. Donnerstag, 18. Januar 2007
Inken Schmidt-Voges, Osnabrück:
Schimpf und Schande. Hausfrauen und Mägde im Konflikt
Nicht alle, aber viele frühneuzeitliche Haushaltungen mussten mit
der Arbeitskraft von Knechten, Mägden und Saison-Gesinde
wirtschaften, um ihr Auskommen zu sichern. Im Gegensatz zur
Kernfamilie des Hausehepaars und ihrer Kinder war das Verhältnis
zum Gesinde nie einfach. Dies belegen nicht nur zahlreiche
Moraltraktate und Verordnungen über die häusliche Ordnung,
sondern auch zahlreiche Prozessakten.
Anhand von Beispielen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert aus der
Stadt und dem Hochstift Osnabrück sollen Konfliktfelder, Konflikt-
handeln und Konfliktlösungen aufgezeigt werden. Insbesondere
die Konflikte zwischen Hausfrauen und ihren Mägden werden hier
schwerpunktmäßig in den Blick genommen, da sie sich zum einen
einem stärkeren sittlichen Erwartungsdruck ausgesetzt sahen
und zum anderen wesentlich stärker auf verbale Verletzungen
der Ehre als auf körperliche Auseinandersetzungen abzielten.
Hier lassen sich deutliche Unterschiede zum Hausvater im Hinblick
auf das Recht, die Anwendung und Ausgestaltung der Züchtigung
erkennen.
5. Donnerstag, 15. Februar 2007
Martin Siemsen, Hagen a. T.W.:
"... dahier mit vielem Beyfall agiret" - Abel Seylers "Königl.
Großbrittannische Hof-Schauspieler" 1771 in Osnabrück
Nach dem Ende des Hamburger Nationaltheaters erhielt Abel Seyler,
einer der Finanziers des gescheiterten Unternehmens, am 21. März
1769 ein Privilegium als Schauspieldirektor für das Kurfürstentum
Hannover und warb postwendend zehn der besten Schauspieler der
Ackermannschen Gesellschaft an, unter denen sich auch der als "Vater
der deutschen Schauspielkunst" bezeichnete Konrad Ekhof befand.
Abel Seylers "Königl. Großbrittannische Hof-Schauspieler" spielten bis
1771 in Nordwestdeutschland. Im Januar und Februar 1771 gastierten
sie in Osnabrück und gaben 31 Vorstellungen. Von Corneilles Cinna über
Lessings Minna von Barnhelm bis zu Racines Mithridates wurden
zahlreiche
Stücke aufgeführt, die mehrheitlich bereits im Repertoire des Hamburger
Nationaltheaters zu finden gewesen waren.
Der Schauspieler Johann Christian Brandes hat in seiner Autobiographie
den Osnabrücker Aufenthalt kurz geschildert: "Mit so vieler Wärme auch
der hiesige Adel das Schauspiel unterstützte ...; die Bürger fanden
wenig
oder gar kein Behagen an unseren Vorstellungen ... und der Pöbel
feindete
uns vollends an. Die Mutwilligsten unter diesen warfen zum öfteren
während der Komödie mit großen Steinen durch die Fenster aufs Theater
...".
Der Vortrag bietet eine umfassende Darstellung des Osnabrücker
Gastspiels
der Seylerschen Entreprise. Thematisiert werden u.a. Ensemble,
Repertoire
und Rollenverteilung, die bisher in der Forschung - weil nicht bekannt
- nur
lückenhaft dokumentiert worden sind. Darüber hinaus werden insbesondere
sozialgeschichtliche Aspekte des Aufenthalts vor dem Hintergrund neu
entdeckter archivalischer Quellen diskutiert.
6. Donnerstag, 15. März 2007
Ellinor Fischer, Osnabrück:
Die frühmittelalterliche Domburg von Osnabrück - neue Funde und
Forschungen
Mit der Einrichtung einer karolingischen Missionsstation zur
Christianisierung
des sächsischen Umlandes begann gegen Ende des 8. Jahrhunderts die
Entwicklung von Bistum und Stadt Osnabrück. Ausdehnung und
Erscheinungs-
bild des frühen Bischofssitzes sind jedoch in weiten Teilen ungeklärt.
Eine
umfassende wissenschaftliche Auswertung aller bisher im Bereich der
Domburg durchgeführten archäologischen Untersuchungen (von 1975 bis
2006) soll offene Fragen beantworten und genauere Erkenntnisse zur
Gestalt der frühen Domburg liefern. Dabei stehen Siedlungsstrukturen,
Gräberfelder und Befestigungsanlagen im Vordergrund, doch auch
Hinweise auf Handel und Verkehr fallen in den Bereich der
Untersuchungen.
Ähnliche Forschungsprojekte wurden in jüngster Zeit in anderen frühen
sächsischen Bistümern wie Münster und Paderborn bereits durchgeführt,
so dass Erkenntnisse vergleichend betrachtet und in den größeren
Zusammenhang der Städtebildung im nordwestdeutschen Raum gestellt
werden können.
Der Vortrag vermittelt aktuelle Erkenntnisse der laufenden
Auswertungsarbeit
unter besonderer Beachtung der im Herbst 2006 stattfindenden Ausgrabung
südlich des Domes.
INFO
Kontakt:
Dr. Birgit Kehne
Verein für Geschichte und Landeskunde von Osnabrück e.V.
Schloßstr. 29,
49074 Osnabrück
Tel.: 0541/33162-10
E-Mail: Birgit.Kehne at nla.niedersachsen.de
URL: verein-fuer-geschichte-und-landeskunde-von-osnabrueck.de