[WestG] [AKT] Westfaelisches Ortsnamenbuch

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Mar 17 16:22:25 CET 2006


Von: "Pressestelle Uni Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 17.03.2006, 16:06


AKTUELL

Westfalen - Deine Ortsnamen
An der Universität Münster entsteht das "Westfälische
Ortsnamenbuch"

Seit dem Start der neuen ZDF-Sendereihe "Deutschland - Deine Namen"
mit Johannes B. Kerner vor einigen Tagen rätseln viele Menschen,
warum sie Müller oder Meier heißen und was die Familiennamen
Kuhbier oder Rehbein zu bedeuten haben. Aber auch die Namen von Orten
oder Ortsteilen, ob Amelsbüren oder Appelhülsen, geben manche
Rätsel auf.

An der Universität Münster erforscht Prof. Dr. Jürgen Udolph im
Auftrag der "Akademie der Wissenschaften zu Göttingen" die Ortsnamen
zwischen Rhein und Elbe. Erfasst und bearbeitet werden in dem auf 25
Jahre angelegten Langzeit-Projekt unter anderem die Ortsnamen
Westfalens, die, nach Kreisen geordnet, in einem "Westfälischen
Ortsnamenbuch" in 19 Bänden dokumentiert werden sollen. In den
ersten beiden Bänden werden die Ortsnamen der Kreise Lippe und Soest
untersucht. In weiteren Teilbereichen werden ein Niedersächsisches
Ortsnamenbuch (mit Bremen) mit 28 Bänden und ein Ortsnamenbuch
Sachsen-Anhalt mit neun Bänden erarbeitet.

Im Laufe dieser Jahre werden sämtliche Ortsnamen Westfalens erfasst
und bearbeitet. Auch so genannte "Wüstungen" werden dabei
berücksichtigt, also früher existierende, dann aber aufgegebene
Orte. Grundlage für die Erhebungen sind alte Urkunden und Akten.
Wichtig für die Forscher ist die teilweise recht mühsame
Auffindung der ersten schriftlichen Nennung eines Ortsnamens. Dr.
Claudia Maria Korsmeier von der Arbeitsstelle Ortsnamen: "Wir
betreiben damit auch eine Art Namenarchäologie". Außerdem wird
jeder Ortsname sprachwissenschaftlich untersucht, also seine Herkunft,
Lautung, Typologie und Deutung erschlossen, denn für Prof. Udolph
sind Namen "Fossilien der Sprache" und ihre Deutung  bedeutender als
mancher archäologische Fund.

Besonders Ortsnamen sind wissenschaftlich interessant, weil sie als
geschichtliche Quellen zum großen Teil sehr alt sind und wichtige
Aufschlüsse über die Entwicklung eines Landes oder einer Region
geben. Für Westfalen bestehe hier, ebenso wie für Niedersachsen
und Sachsen-Anhalt, eine große Forschungslücke, die nun gefüllt
werden soll. Die Wissenschaftler erhoffen sich auch neue Erkenntnisse
über die sprachliche Entwicklung der Region. Außerdem bietet die
Arbeitsstelle an, interessierten Bürgerinnen und Bürgern neue und
spannende Einzelheiten über die Geschichte und Herkunft ihres
Ortsnamens zu vermitteln.

Geleitet wird die neue Arbeitsstelle in Münster von Prof. Dr.
Jürgen Udolph, der spätestens seit dem Auftritt bei Johannes B.
Kerner im ZDF als prominentester deutscher Namensforscher gilt und
sich seit vielen Jahren wissenschaftlich damit beschäftigt, was
Namen von Menschen, Orten oder Flüssen über deren Herkunft
verraten. Habilitiert wurde Udolph 1990 in Göttingen mit einer
Arbeit über polnische Gewässernamen. In den vergangenen Jahren hat
er sich intensiv mit den Ortsnamen Niedersachsens beschäftigt und
einen Band über Ortsnamen der Stadt und des Landkreises Hannover
vorgelegt. Seit 2000 hat er als Professor den einzigen Deutschen
Lehrstuhl für Namenforschung (Onamastik) an der Universität
Leipzig inne. Im Auftrag der "Akademie der Wissenschaften zu
Göttingen" hat er nun zusätzlich die Leitung der Arbeitsstelle
Ortsnamen an der Universität Münster übernommen.


INFO

Link: Arbeitsstelle Ortsnamen
(http://www.ortsnamen.net)