[WestG] [AKT] Sportliche Massenrituale. Schon vor der WM 2006 wurden Sportfeste inszeniert
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Jul 12 10:53:49 CEST 2006
Von: "Pressestelle der Uni Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 11.07.2006, 14:19
AKTUELL
Sportliche Massenrituale
Schon vor der WM 2006 wurden Sportfeste inszeniert
Passend zum Ende der Fußball-WM 2006 in Deutschland fand in der
katholischen Akademie Franz Hitze-Haus in Münster eine
wissenschaftliche Tagung zum Thema "Massenrituale. Sport,
Öffentlichkeit und politische Kultur im 20. Jahrhundert" statt.
Es handelte sich um die zweite Arbeitstagung im Rahmen des vom
Deutschen Olympischen Sportbund und der Deutschen Sporthochschule in
Köln getragenen und von der Krupp-Stiftung unterstützten Projekts
zu "Leben und Werk Carl Diems". Nachdem auf der ersten Tagung vor
einem Jahr, ebenfalls in Münster, über das "Genre der Biographie"
diskutiert wurde, ging es nun angesichts der Fußball-WM um die
Geschichte sportlicher Massenrituale und deren Inszenierung. Carl Diem
hat als Organisator der ersten Olympischen Spiele 1936 in Deutschland
dafür Maßstäbe gesetzt.
Die Tagung hatte das Ziel, die Olympischen Spiele 1936 und die Rolle
Carl Diems im Kontext historischer, politischer, kultureller und
sportlicher Entwicklungen zu beleuchten. Der Vorsitzende des
Projektbeirats, Prof. Dr. Ommo Grupe (Tübingen), und die
Projektleiter Prof. Dr. Michael Krüger und Prof. Dr. Frank Becker
(beide Münster) konnten neben geladenen Experten aus den
verschiedensten Zweigen der Sport- und Geschichtswissenschaften
zahlreiche Gäste begrüßen, darunter den international
renommierten Historiker und Soziologen Prof. Dr. Allen Guttmann aus
Amherst/USA.
Frank Becker umriss in seinem Einführungsvortrag die Zielstellung
der Tagung und des Diem-Projekts insgesamt, das über die Bearbeitung
einer Biographie Carl Diems hinaus geht, sondern Leben und Werk dieses
bedeutenden Organisators und Ideengebers des Sports in verschiedenen
Epochen der deutschen Geschichte und in unterschiedler kontextueller
Perspektive zu verdeutlichen. Im Mittelpunkt der Tagung stand die
Aufgabe, Einflüsse und Traditionen herauszuarbeiten, die nicht auf
den ersten Blick zu erkennen sind, aber gleichwohl in die Inszenierung
sportlicher Massenfeste eingehen. Dies gilt beispielsweise für
"militärische Massenrituale", aber auch für die zahlreichen
Beispiele politischer Instrumentalisierungen turnerischer und
sportlicher Feste, einschließlich der Arbeiter-Turn- und Sportfeste
und Arbeiterolympiaden. Einen Schwerpunkt der Tagung bildete die
Beschäftigung mit den Olympischen Spielen von 1936 selbst.
Die dritte Arbeitstagung im Zusammenhang des "Diem-Projekts" wird im
nächsten Jahr Fragen im Zusammenhang der Körper-, Bewegungs- und
Biographiegeschichte des Sports gewidmet sein. Die Publikation der
Diem-Biographie von Frank Becker ist dann für Anfang 2008
vorgesehen.
INFO
Link: Sportpädagogik und Sportgeschichte
(http://www.uni-muenster.de/Sportwissenschaft/Paedagogik/)