[WestG] [AUS] 16 neue Ausstellungen 2007: Von Skulpturen, barocken Kloestern, roemischem Luxus der Kohlekrise u. Technikern der Endloesung

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Di Dez 12 11:47:07 CET 2006


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 06.12.2006, 12:40


AUSSTELLUNG

16 neue Ausstellungen 2007: Von Skulpturen, barocken Klöstern, 
römischem Luxus der Kohlekrise und "Technikern der Endlösung"

Die Museen des Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) planen 
für das kommende Jahr 16 größere Sonderausstellungen. 
LWL-Kulturdezernent Prof. Dr. Karl Teppe stellte das 
Ausstellungsprogramm dem Kulturausschuss am Mittwoch (06.11.06) 
in Münster vor:

Nach der Fertigstellung des ersten Bauabschnittes präsentiert 
sich ab Pfingsten 2007 das Westfälische Museum für Klosterkultur 
im ehemaligen Chorherrenstift in Dalheim-Lichtenau (Kreis 
Paderborn) in neu hergerichteten Museumsräumen. Die erste 
Sonderausstellung "Westfälische Klosterkultur im Barock" (Mai 
bis Dezember) nimmt die zeitliche Epoche zum Thema, in der 
zahlreiche Gebäude entstanden sind, die heute das Aussehen 
Dalheims prägen. Die Ausstellung führt zunächst am Beispiel von 
Kloster Dalheim die konkrete Ausgestaltung einer barocken 
Klosteranlage vor Augen. Die exemplarische Vorstellung einzelner 
Klöster Westfalens über eine Portrait-Galerie - der barocken 
Repräsentationsform schlechthin - schließt sich daran an. 
Wichtige Themen der Ausstellung sind darüber hinaus die 
Entwicklung neuer Frömmigkeitsformen und Liturgie, sowie Kunst 
und Wissenschaft im klösterlichen Umfeld.

Ausgrabungen live ins Westfälische Museum für Archäologie in 
Herne holt die Ausstellung "Achtung Ausgrabung". Webcams zeigen 
in der Zeit von November 2007 bis August 2008 den Besuchern, was 
aktuell bei verschiedenen Ausgrabungen in Westfalen-Lippe 
passiert, gerade ausgegrabene Fundstücke werden im Museum 
präsentiert. In der Ausstellung erhalten Kinder und Erwachsene 
durch eigenes Tun und Beobachten Einblick in die Arbeitsweise 
von Archäologen. Damit ergänzt die Ausstellung die 
Dauerausstellung mit ihrer Grabungslandschaft und dem 
Forscherlabor. Entwickelt wurde die Ausstellung vom ZOOM 
Kindermuseum Wien, der Maus Oleum Ausstellungsgesellschaft Köln 
und dem Rheinischen Landesmuseum Bonn, das LWL-Archäologiemuseum 
hat sie mit Funden aus Westfalen ergänzt. Noch bis 30. Mai 2007 
macht unter dem Titel "Leben in Extremen" die bisher größte 
Ausstellung in Deutschland über "Klima und Mensch" sowohl die 
Anpassungsfähigkeit der Menschen, Tiere und Pflanzen über die 
Jahrtausende als auch die Wetter-Extreme von vor sechs Millionen 
Jahren bis zu zukünftigen Hochwasserkatastrophen erlebbar. Das 
LWL-Museum für Archäologie präsentiert in Kooperation mit der 
nordrhein-westfälischen Stiftung für Umwelt und Entwicklung das 
"Leben in Extremen" auf 900 Quadratmetern mit über 800 
bedeutenden Exponaten von allen Kontinenten.

Mit der Sonderausstellung "Luxus und Dekadenz in den antiken 
Städten am Golf von Neapel" feiert der LWL in seinem 
Westfälischen Römermuseum Haltern die Gründung des 
Römisch-Germanischen Museums vor 100 Jahren in Haltern. Das 
LWL-Museum wurde 1993 als Nachfolgemuseum für das im Zweiten 
Weltkrieg zerstörte ursprüngliche Museum eingeweiht. Die 
Ausstellung soll an den Erfolg der "Herculaneum-Ausstellung" mit 
ihren fast 130.000 Besuchern anknüpfen. Von Juli bis November 
2007 zeigt das LWL-Museum erstmals in Deutschland zahlreiche 
frisch restaurierte Wandmalereien aus den Depots 
Nationalmuseums in Neapel. Zusammen mit Silbergeschirr, 
Prunkgefäßen aus Glas, Goldschmuck und Kunstwerken aus Bronze 
und Marmor sowie einem privaten Luxusbad führt die Ausstellung 
das luxuriöse und dekadente Leben der römischen Oberschicht vor 
Augen. Neben den archäologischen Luxusobjekten vor allem aus 
Pompeji können die Besucher mit Hilfe modernster 
Computeranimationen einen Raum der weltberühmten Mysterienvilla 
betreten.

Im Mittelpunkt der Arbeit am Westfälischen Museum für Kunst und 
Kulturgeschichte in Münster stehen im kommenden Jahr die 
Skulptur-Projekte 2007: Rund 35 Künstler aus aller Welt 
präsentieren in der Zeit vom 17. Juni bis 30. September ihre 
zeitgenössischen Kunstwerke im öffentlichen Raum. Parallel zu 
diesem Projekt präsentiert das LWL-Museum in einer Ausstellung 
eine Auswahl von zum Teil noch nicht gezeigten Entwürfen, 
Modellen und Zeichnungen der bisherigen Skulpturprojekte.

Im Winter schließt sich daran eine große Ausstellung mit dem 
Titel "Jugendstil und Expressionismus. Von Hermann Obrist zu 
Marc, Klee und Kirchner" an (25.11.07 bis 17.02.08). Die 
Ausstellung rückt die bekannte Kunst des "Blauen Reiters" 
(Kandinsky, Marc, Klee) und der "Brücke" (Kirchner) in ein neues 
Licht und umfasst etwa 200 Leihgaben, darunter schwungvoll 
gestaltete Möbel und Skulpturen, Seidenstickereien und Bilder 
des Jugendstils wie auch Meisterwerke von Kandinsky, Marc, Klee, 
Kirchner und anderen Expressionisten.

Eine Ausstellung vom 10. Februar bis 29. April zeigt Fotografien 
von Adolf Clemens, der als einer der profiliertesten deutschen 
Porträtfotografen seiner Generation gilt. Die Porträts zeigen 
unter anderem Joseph Beuys, Heinrich Böll, Marion Gräfin Dönhoff,
 Josef Ratzinger, Marcel Reich-Ranicki und Emil Schumacher. Im 
Mittelpunkt der Ausstellung "Reiner Ruthenbeck - Werke in der 
Sammlung" steht die Installation "Lodenfahne", mit der sich 
Ruthenbeck an den "Skulptur Projekten Münster 1987" beteiligt 
hat. Die Ausstellung zeigt drei weitere Skulpturen und 40 
Zeichnungen.

Porträts der 1920er und 30er Jahre sind in der Zeit vom 1. Mai 
bis 31. Oktober im Westfälischen Freilichtmuseum Detmold (Kreis 
Lippe) zu sehen. Sie stammen allesamt aus dem ehemaligen Atelier 
Kuper in Rietberg (Kreis Gütersloh). Der LWL hat das Atelier im 
Jahr 2000 vor dem Abbruch gerettet und in sein Museum geholt, 
hier soll es in den nächsten Jahren wieder aufgebaut werden. Im 
Jahr 2001 erhielt das LWL-Museum 2.200 Glasnegative, die in dem 
Atelier aufgenommen worden sind. Im Mittelpunkt der Ausstellung 
stehen aber die Menschen, die in der Zeit zwischen den beiden 
Weltkriegen zu verschiedenen Anlässen ins Atelier kamen und sich 
auf Glasplatten bannen zu lassen.

Eine übergreifende Ausstellung an seinen acht Standorten 
präsentiert das Westfälische Industriemuseum in den Jahren 2007 
und 2008: Unter dem Titel "Skulptur und Industriearchitektur" 
ist die Ausstellung mit Werken von Karl-Manfred Rennertz eine 
Mischung aus klassischer Skulpturenausstellung, Aktionen und 
studentischen Projekten, die sich auf die einzelnen Orte des 
LWL-Museums beziehen. Rennertz, der zur Zeit Professor in 
Detmold ist, gilt als einer der bedeutendsten 
Gegenwartsbildhauer in Deutschland. Bekannt wurde er in den 
1980er Jahren durch seine grobgearbeiteten Holzskulpturen, die 
er als erster Bildhauer mit der Kettensäge schuf.

Unter dem Titel "Schichtwechsel" beschäftigt sich das 
LWL-Industriemuseum Zeche Zollern in Dortmund mit der 
Kohlenkrise von 1958 bis 1968, die den Strukturwandel im 
Ruhrgebiet einläutete. In der Zeit vom 16. Dezember bis 30. März 
2008 geht die Ausstellung Ursachen, gesellschaftlichen 
Reaktionen und Wirkungen nach und beleuchtet die 
strukturpolitischen Veränderungen im Revier. Unter dem Titel 
"Königshütte" zeigt der LWL in der Zeit vom 11. März bis 13. Mai 
in der Zeche Zollern die deutsch-polnische Geschichte im Spiegel 
der Ansichtskarte.

"Westfalczycy" hinter diesem für westfälische Zungen nahezu 
unaussprechlichem Kunstwort verbirgt sich eine Ausstellung über 
Zuwanderer aus Polen im Ruhrgebiet. Die Sonderausstellung, die 
vom 19. August bis zum 30. Oktober im LWL-Industriemuseum Zeche 
Hannover in Bochum zu sehen ist, thematisiert die Migration aus 
den ehemaligen preußischen Ostprovinzen und Polen in das 
Ruhrgebiet. Dabei spannt sie den Bogen von der Kaiserzeit bis 
zur Gegenwart.

Mit den "Technikern der Endlösung" in Nazi-Deutschland 
beschäftigt sich die Ausstellung "Topf & Söhne", die das 
LWL-Ziegeleimuseum in Lage (Kreis Lippe) vom 14. Januar bis zum 
1. April 2007 zeigt. Als in Auschwitz und den anderen deutschen 
Konzentrations- und Vernichtungslagern Millionen Menschen 
ermordet wurden, standen die Mörder vor technischen Problemen. 
Tötung und Leichenbeseitigung sollten ohne Unterbrechung, 
kostengünstig und Brennstoff sparend vonstatten gehen und 
möglichst wenig Spuren hinterlassen. Um dies zu bewerkstelligen, 
war die SS auf zivile Experten angewiesen, die keine Skrupel 
hatten, sich in die praktischen Probleme der Vernichtung 
hineinzudenken und entsprechende Lösungen zu entwickeln. Die 
Erfurter Firma Topf & Söhne hat dabei eine entscheidende Rolle 
gespielt. Die Geschichte dieser ganz normalen deutschen Firma 
wird in der Ausstellung erzählt. Sie beginnt im Erfurt des 19. 
Jahrhunderts und führt bis in die Krematorien von Auschwitz.

Ins 18. Jahrhundert führt die Ausstellung "Zeitenwende: Reden 
und Stein an der Ruhr". Sie veranschaulicht anhand eines 
Reiseberichtes aus dem Jahr 1783 des schlesischen Berghauptmanns 
Friedrich Wilhelm v. Reden das Bild des Ruhrbergbaus an der 
Schwelle zur Industrialisierung. Als Folge des Berichtes wurde 
der Freiherr vom Stein zum Leiter des Bergamtes bestellt. Die 
Ausstellung, die von Dezember 2007 bis zum April 2008 im 
LWL-Industriemuseum Zeche Nachtigall in Witten 
(Ennepe-Ruhr-Kreis) zu sehen ist, führt über die parallele 
Darstellung beider Biografien in die Zeit ein und vergleicht die 
Entwicklung des Bergbaus an der Ruhr und in Schlesien.

"Schwimmende Visionen" zeigt das LWL-Industriemuseum 
Schiffshebewerk Henrichenburg in Waltrop (Kreis Recklinghausen) 
im März und April 2007. Im dann neu eröffneten "Hafengebäude" 
ist unter dem Titel "F.L.A.G.ships" ein Künstlerprojekt zu sehen,
das sich damit beschäftigt, wie ein zur Verschrottung 
bestimmtes Schiff umfunktioniert werden kann. Projektergebnisse 
sind Plastiken und Gemälde von Günther Uecker, Carlos Cruz-Diez, 
Christian Megert, Christiane Voigt und anderen. Vom 6. Mai bis 
30. September zeigt das LWL-Museum die Sonderausstellung 
"Schiff-ART". Künstler des Künstlerbundes Castrop-Rauxel und des 
Berufsverbandes Bildender Künstler Niederbayern setzten sich 
dabei mit den Themen Wasser, Schiffshebewerk, Schiffe, Kanäle 
und Flüsse auseinander.

Im Mittelpunkt der Ausstellung "Glas auf Papier - Entwürfe und 
ihre Realisierungen" steht die Glashütte Theresienthal in 
Zwiesel. Sie ist eine der ältesten Glashütten Deutschlands und 
für ihre Jugendstilgläser mehrfach ausgezeichnet worden. Die 
Ausstellung, die von Juni bis September 2007 im 
LWL-Industriemuseum Glashütte Gernheim in Petershagen (Kreis 
Minden-Lübbecke) zu sehen ist, zeigt Entwürfe von Gebrauchsglas 
und deren Realisierungen.

Manfred Vollmer verfolgt die Entwicklung der Industriekultur an 
der Ruhr seit über 20 Jahren mit seiner Kamera. In Hattingen hat 
er die Arbeit, den Widerstand gegen die Stilllegung der 
Henrichshütte, den Abbruch und die Musealisierung begleitet. 
Vollmer gilt als einer der qualifiziertesten 
Ruhrgebietsfotografen, ein Grenzgänger zwischen Reportage und 
Ästhetik. Die "Klumpi-Gruppe" ist ein Kunstprojekt an der 
Hattinger Realschule mit langjähriger Tradition. Sie hat einige 
der Vollmer'schen Arbeiten mit unterschiedlichen Techniken 
überarbeitet. Unter dem Titel "Motiv Industriekultur" zeigt das 
LWL-Industriemuseum Henrichshütte Hattingen (Ennepe-Ruhr-Kreis) 
von Mai bis Juni 2007 den Vergleich von Foto und Bearbeitung. Im 
Zentrum der Ausstellung "Liebe.komm", die im Hattinger 
LWL-Museum von September 2007 bis April 2008 zu sehen ist steht 
die Kommunikation, die anhand des populären Themas 
"Liebesbotschaften" veranschaulicht wird. Neben der Veränderung 
von Kommunikationsmedien und Kommunikationsstilen geht es auch 
um den Wandel von der Industrie- zur Informationsgesellschaft.