[WestG] [AKT] "Geschichte ist mehr..." im Stadtmuseum Borken, Vortragsreihe, Beginn: 14.09.2005

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Sep 7 10:32:33 CEST 2005


Von: "Stadtmuseum", <Stadtmuseum at borken.de>
Datum: 06.09.2005, 14:48


AKTUELL

"Geschichte ist mehr ..." im Stadtmuseum Borken (2/2005)
veranstaltet in Kooperation mit der Volkshochschule und dem 
Heimatverein Borken e.V.
Vortragsreihe


Mittwoch, 14. September 2005

Prof. Dr. Arnold Angenendt (Westf. Wilhelms-Universität Münster):
Wie das Christentum ins Münsterland kam. Liudger und seine Mission 

Er überzeugte durch sein Wort. Seine Klugheit und sein umsichtiges
Handeln legten im ausgehenden 8. Jahrhundert den Grundstein für
eine erfolgreiche Missionierung. Liudger, der erste Bischof von 
Münster, hat die Christianisierung als Auftrag empfunden. In der 
Umbruchszeit der Völkerwanderung war seine Mission nicht die eines 
Religionsfanatikers. Um Liudgers Wirken und Wollen näher zu 
verstehen, muss man sich sozial- wie religionsgeschichtlich in eine 
ferne Welt begeben. Nördlich und östlich des Rheins stand kaum ein 
Steinhaus und fand sich erst recht kein Buch. Es lebte eine
Gesellschaft, die den sagenhaften Traditionen und den kriegerischen
Göttern verpflichtet war. Das Christentum verkündigen hieß damals, 
eine aus Tradition geheiligte Lebenswelt zu zerstören und eine 
neuartige aufzubauen, sowohl kulturell wie religiös.

Der münstersche Kirchenhistoriker Arnold Angenendt hat mit seiner 
neuen Publikation "Liudger: Missionar, Abt, Bischof im frühen 
Mittelalter" (Münster 2005) ein grundlegendes Werk zur Frühgeschichte
des Bistums Münster vorgelegt.


Mittwoch, 26. Oktober 2005

Dipl.-Theol. Judith Schepers (Westf. Wilhelms-Universität Münster):
Von westfälischem Dickkopf und römischer Weitsicht
Der so genannte Borkener Kapitelstreit 1866-1869

Das Ende der Borkener Unabhängigkeit? 1866 stieß der Bischof von 
Münster einen mehrjährigen Streit mit dem Kapitel St. Remigius Borken 
an, über welches er, vor allem in der Personal- und Verwaltungspolitik, 
seine Machtbefugnisse ausdehnen wollte, und löste damit einen 
Boykott der Borkener Kanoniker aus. Die verhärteten Fronten führten 
sogar zu einem römischen Eingreifen. Anhand der Quellen aus dem 
Vatikanischen Geheimarchiv und dem Münsteraner Bistumsarchiv 
entsteht ein facettenreiches Bild dieser bistumsinternen Kontroverse 
und ihrer Klärung. 

Die aus Borken stammende Dipl.-Theologin Judith Schepers arbeitet als 
wissenschaftliche Mitarbeiterin im Forschungsprojekt "Römische Inquisition 
und Indexkongregation" an der Katholisch-Theologischen Fakultät der 
Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.


Mittwoch, 23. November 2005

Dr. Norbert Fasse (Stadtarchiv & Stadtmuseum Borken):
Diesseits der Katastrophe. Die Jüdischen Gemeinden in Borken und 
Gemen 1815-1933

Jüdische Geschichte umfasst auch in Borken weit mehr als die kurze 
Weimarer Zeit und die Verfolgungs- und Vernichtungspolitik der 
Nationalsozialisten. Vom frühen 14. bis ins 20. Jahrhundert spannt sich 
die Entwicklung einer lokalen Minderheit, die in die machtpolitischen 
Konflikte der münsterschen Fürstbischöfe mit der Herrschaft Gemen 
geriet, vielen Einschränkungen unterworfen war und erst im Zuge der 
napoleonischen Umbruchszeit neue Freiräume gewann. 

Die Einweihung der Borkener Synagoge im Jahr 1818 dokumentierte das 
Wachstum der örtlichen Judengemeinden und ihr Streben nach dauerhafter 
Konsolidierung. In den folgenden Jahrzehnten trugen sie manches zur 
wirtschaftlichen Modernisierung bei. Während der mühsame Weg bis zur 
staatsbürgerlichen Gleichberechtigung 1869/71 viele Bezüge zu unseren 
aktuellen Integrationsdebatten eröffnet, zeigen die Jahre ab 1930, dass 
die jüdischen Gemeinschaften in Borken und Gemen dem aufkommenden 
Nationalsozialismus keineswegs passiv gegenüberstanden, sondern der 
Rechtsradikalisierung engagiert entgegenzuwirken suchten.


Mittwoch, 18. Januar 2006

Eduard Füller (Warendorf):
Kinderlandverschickung. Münsters Schulen in Oberbayern 1943-45

Unter dem Vertrauen erweckenden Namen "Erweiterte 
Kinderlandverschickung" (KLV) wurden während des Zweiten Weltkriegs 
insgesamt über zwei Millionen Kinder von der damaligen 
"Reichsdienststelle KLV" aus bombengefährdeten Städten in sicher 
geglaubte Reichsteile im Süden und Osten Deutschlands sowie ins 
"befreundete Ausland" verschickt. 

Im Sommer 1943 ordnete der "Reichsverteidigungskommissar" und 
NSDAP-Gauleiter Meyer auch für Münster die komplette Verlegung 
von Schulen nach Oberbayern und ins Salzburger Land an. Eduard 
Füller berichtet über die Organisation und die ideologischen 
Hintergründe der KLV in Münster, über die Verhältnisse in 
unterschiedlichsten Gastquartieren und Lagern in Tegernsee, 
Bad Reichenhall, Bad Wiessee, Reit im Winkl usw., über das 
Verhältnis zu den Einheimischen, die erschwerten Kontakte zum 
Elternhaus, über Urlaubsregelungen und "Kriegseinsätze" der 
älteren Kinder.

Eduard Füller hat in der kleinen Schriftenreihe des Stadtarchivs 
Münster 2004 unter dem o.g. Titel eine solide Untersuchung vorgelegt.


Alle Vorträge beginnen um 19.30 Uhr, der Eintritt beträgt 3,00 €


INFO

Stadtmuseum Borken
Dr. Norbert Fasse

Rathausbüro:
Im Piepershagen 17
46325 Borken
Fon 02861-939 217
Fax 02861-980 55 41
norbert.fasse at borken.de 
www.stadtmuseum.borken.de 

Museumsstandort:
Marktpassage 6
46325 Borken
Fon 02861 / 939-242