[WestG] [LIT] Manfred Rasch, Dietmar Bleidick (Hg.): Technikgeschichte im Ruhrgebiet

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Don Mai 12 09:55:04 CEST 2005


Von: "Josef König, Pressestelle Uni Bochum", <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum: 10.05.2005, 11:15


LITERATUR

"Technikgeschichte im Ruhrgebiet"
RUB-Forscher über Erfindungen und Entwicklungen
Neues Buch über 200 Jahre Technik, Industrie und Wirtschaft

Bergbau, Stahlindustrie und Maschinenbau: Die Technikentwicklung der
letzten 200 Jahre im Ruhrgebiet hat noch vieles mehr zu bieten. Von den
Anfängen des Computerzeitalters über Textilindustrie und Schifffahrt bis
zur Medizintechnik informieren 52 Beiträge verschiedener Autoren in dem
neuen Buch "Technikgeschichte im Ruhrgebiet - Technikgeschichte für das
Ruhrgebiet" (Klartext Verlag). In insgesamt neun Abschnitten erörtern
Historiker die Entstehungen und Entwicklungen von Technik, Industrie und
Wirtschaft. Prof. Dr. Manfred Rasch vom Lehrstuhl für Technikgeschichte
(Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB) und Dr. Dietmar Bleidick
bringen die Geschichte vielfältig und umfassend an die Leser und erzählen
nicht nur über Berühmtheiten und ihre Erfindungen.

Neue Quellen untersucht

"In den letzten Jahrzehnten hat sich innerhalb der Geschichtswissenschaft
ein Wandel in den Themen, Fragestellungen, Methoden und in den
herangezogenen Quellen vollzogen", so Rasch und Bleidick. Die
Technikgeschichte im Ruhrgebiet beschränkt sich in diesem Buch nicht mehr
nur auf die prägenden Branchen Bergbau und Stahlindustrie, sondern
behandelt auf insgesamt 1000 Seiten auch neue Themen, die zum Teil erstmals
wissenschaftlich beleuchtet werden. "Wir gehen beispielsweise auf die
Glasindustrie im Ruhrgebiet, die Mechanisierung und Motorisierung der
Landwirtschaft durch Ruhrgebietsunternehmen und die Entwicklung der
regionalen Medizintechnik ein." Gewidmet ist das Buch Prof. Dr. Wolfhard
Weber, der an der RUB den Lehrstuhl für Technikgeschichte inne hat und am
26. April 2005 seinen 65. Geburtstag feierte.

Entstehung der Eisenbahn im Ruhrgebiet

Zwölf Jahre nach den Anfängen des Eisenbahnwesens in Deutschland war es
auch im Ruhrgebiet soweit: Am 15. Mai 1847 eröffnete die Köln-Mindener
Eisenbahn zwischen Duisburg und Dortmund. Diese Strecke durch den Norden
des Ruhrgebiets wurde "aus wirtschaftlichen Gründen" bevorzugt. Erst 1862
ergaben sich günstige Verbindungen und Anschlussmöglichkeiten für das
gesamte Ruhrgebiet, als eine "Linie von Dortmund über Bochum, Steele und
Essen nach Mülheim und von dort aus nach Duisburg und Oberhausen" führte.
Mit der Zeit wuchs auch das Interesse der Industrie an den Eisenbahnen: So
entstanden die sogenannten Zechenbahnen und Hütteneisenbahnen zum Transport
von Kohle, Erz und anderen Rohstoffen.

Entwicklung privater Telekommunikationsnetze

Dr. Lars Bluma (RUB) geht zum Beispiel auf Bereiche ein, die neben Bergbau,
Eisen- und Stahlindustrie bisher kaum beachtet wurden. "Dies gilt
insbesondere für eine spezifische Netzwerkstruktur des Ruhrgebiets, die
privaten Telekommunikationsnetze", so Bluma. Die ersten Telegrafenlinien
errichtete die Firma Krupp im Jahre 1860 in Essen. Die Wohnung der Familie
Krupp auf dem Werksgelände wurde mit dem Büro, dem Portier und den
Werkstätten vernetzt. Die weitere Entwicklung und Verbreitung dauert
allerdings einige Zeit. "Das Telefon als ein staatlich betriebenes System
hielt im Ruhrgebiet erst 1886 Einzug mit der Gründung des
niederrheinisch-westfälischen Bezirksfernsprechnetzes mit den
Vermittlungsstellen Duisburg, Ruhrort, Oberhausen, Mülheim, Essen, Bochum
und Dortmund."


INFO

Titelaufnahme

Manfred Rasch, Dietmar Bleidick (Hg.): Technikgeschichte im Ruhrgebiet -
Technikgeschichte für das Ruhrgebiet, Klartext Verlag 2004, 39,90 Euro,
ISBN: 3-89861-376-3

Prof. Dr. Manfred Rasch, Fachbereich Wirtschafts- und Technikgeschichte
(Fakultät für Geschichtswissenschaft der RUB), Tel. 0203/5266822, E-Mail:
konzernarchiv at thyssenkrupp.com