[WestG] [AUS] Praerie- und Plainsindianer im Westfaelischen Museum
fuer Naturkunde in Muenster
Alexander Schmidt
Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Mar 9 12:09:41 CET 2005
Von: "LWL-Pressestelle", <presse at lwl.org>
Datum: 03.03.2005 11:51
AUSTELLUNG
Mit dem Bison starb ein Stück indianischen Lebens
Ausstellung im Westfälischen Museum für Naturkunde
stellt 'Prärie- und Plainsindianer' vor
Geschichte und Gegenwart der Indianer Nordamerikas stellt
das Westfälische Museum für Naturkunde in Münster ab März
in einer neuen Ausstellung auf 700 Quadratmetern vor. Dabei
sollen die über 300 Exponate vom perlenbesetzten Festtagskleid
bis zur lebensgroßen Bison-Stahlskulptur aus Schrottteilen
indianische Sichtweisen und Wertesysteme, insbesondere den
Umgang mit der Natur anschaulich machen. Die Dauerausstellung
über die "Prärie- und Plainsindianer" im Museum des
Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe (LWL) will an eine Schau
vor zehn Jahren anknüpfen, die damals über 250.000 Besucher
nach Münster lockte.
"Wenn Winnetou stirbt, bleibt kein Auge trocken. Heldenhaft wirft
er sich vor Old Shatterhand und fängt mit seiner Brust die Kugel ab,
die den weißen Bruder hätte treffen sollen", erläuterte Museumsleiter
Dr. Alfred Hendricks am Donnerstag (03.03.) ein Bild von Indianern.
"Mit den Büchern von Karl May und deren Verfilmungen sind
Generationen von Kindern groß geworden. Das Klischee des Indianers
als besserer Mensch der besonders sozial, umweltfreundlich und
natürlich ein Held ist, sitzt in unseren Köpfen so fest, dass wir glauben,
es gäbe heute keine richtigen Indianer mehr."
Die "Rothäute" mit der Federhaube auf dem Kopf, die auf gescheckten
Ponys Bisonherden hinterher jagen, suche man heute vergeblich, so
Hendricks weiter. Indianer fahren Autos, tragen Anzüge und Kleider,
leben in Häusern und gehen einer Arbeit nach. Trotz dieser westlichen
Lebensweise sind sie Mitglieder einer eigenen Kultur, genauer: vieler
Kulturen, denn allein in Nordamerika sind über 300 verschiedene
indianische Kulturen beheimatet, die sich unter anderem in der Sprache
unterscheiden.
Die Prärie- und Plainsindianer sind die Bewohner der ehemals großen
Grasebenen zwischen Mississippi und Rocky Mountains. Allein in dieser
Region gab es über 30 unterschiedliche Kulturen, viele davon existieren
auch heute noch.
Was ist heute erhalten geblieben von den Kulturen der Sioux, Arapaho,
Cheyenne und anderen? Die Ausstellung zeigt mit historischen und
modernen Objekten das Leben der Plainsindianer in zwölf Themenbereichen:
Das Klischee vom Indianer
Die Ureinwohner Nordamerikas
Prärie- und Plains
Nahrung - Gabe der Natur
Mobilität - Beweglichkeit bedeutet Überleben
Tipi - benutzt zum Wohnen
Kleidung und Schmuck - Ausdruck von Individualität und Identität
Bison - Lebenskraft und Stärke
Gewaltsame Veränderungen - Vertreibung, Krankheit, Hunger, Tod
Verträge - Betrug und die Konsequenzen
Der Verlust der traditionellen Normen und Werte
Das Leben heute - Balance zwischen Bewahren und Verändern
Erst nachdem die spanischen Eroberer im 17. Jahrhundert Pferde
nach Nordamerika gebracht hatten, entwickelten die Indianer der
Plains in den weitläufigen Graslandschaften neue Jagdmethoden
und sehr mobile Lebensformen. Es entstanden die nomadischen
Bisonjäger-Kulturen. Noch im 19. Jahrhundert bildete der Bison
die wichtigste Lebensgrundlage der Plainsindianer. Vermutlich
lebten einst 60 Millionen Bisons in Nordamerika. Bis 1860 bevölkerten
noch riesige, ständig wandernde Herden die Plains.
Der Bison spielte im Leben der Indianer eine zentrale Rolle. Wenn
die Bisonherden nicht zu gewohnten Zeiten an bestimmten Orten
auftauchten, konnten die Indianer in große Not geraten. Es gab
Zeremonien oder rituelle Handlungen, die die Bisonjagd vorbereiteten,
begleiteten und beendeten. Diese Zeremonien hatten sich über
Generationen herausgebildet und waren von Kultur zu Kultur unterschiedlich.
Als der Biber aufgrund des Fellhandels nahezu ausgerottet war, begannen
die weißen Einwanderer mit Bisonfellen zu handeln. Sie verarbeiteten
die Bisonfelle zu Mänteln und Überschuhen. Jährlich erschossen sie
hunderttausende Tiere. Zusätzlich setzte ein Schlachten an den
Planwagenstraßen nach Westen ein: Die Trecks versorgten sich mit
Fleisch. Mit dem Bau der Eisenbahnstrecken und der Landnahme durch
die Einwanderer wurden die großen Bisonherden zum Problem. Im Süden
Nordamerikas waren 1872 mehr als 5.000 Berufsjäger und etwa gleichviele
Amateurschützen auf Bisonjagd - mit traurigem Erfolg. 1895 waren weniger
als 1.000 Bisons übrig geblieben.
Es gab viele offizielle Stellen in Nordamerika, die das Ausrotten der Bisons
unterstützten. Da damit eine Lebensgrundlage der Indianer zerstört wurde,
glaubte man, auf diese Weise die Probleme mit den Indianern "lösen" zu können.
Die europäischen brachten auch bis dahin in Nordamerika unbekannte
Krankheiten und den Alkohol mit.
Die Sonderausstellung von 1995 hatte einen so großen Erfolg, dass danach
ein kleinerer Ausstellungsbereich bis 2003 das Thema fortsetzte. Nach
Überarbeitung des Konzeptes ist die neue Dauerausstellung mit bisher
noch nicht gezeigten Exponaten wie einem Ledertipi, Pfeifen oder Tomahawks
ab März geöffnet.
Altersspezifische museumspädagogische Programme und Führungen durch die
Ausstellung bietet das LWL-Museum ebenfalls ab März an. Zur Ausstellung
erscheint ein neues Begleitbuch zum Preis von 15,90 Euro.
INFO
Westfälische Museum für Naturkunde
Landesmuseum und Planetarium
Sentruper Straße 285
48161 Münster
www.naturkundemuseum-muenster.de
Telefon: 0251 591-05
Öffnungszeiten
Museum
dienstags bis sonntags: 9.00 bis 18.00 Uhr (durchgehend)
Planetarium
dienstags bis freitags: 9.30, 10.30 und 15 Uhr
samstags: 14.00, 15.00 und 16.00 Uhr
sonntags: 11.00 Uhr Kinderprogramm, 14.00, 15.00, 16.00 und 17.00 Uhr
Eintrittspreise
In Klammern die Preise für das Kombiticket (Museum und Planetarium)
Erwachsene: 3,50 Euro, ( 6,20 Euro)
Gruppen ab 16 Personen:
Erwachsene: 3,00 Euro, ( 5,70 Euro)
Kinder/Jugendliche von
6 bis einschl. 17 Jahren, Schüler: 2,00 Euro, ( 3,10 Euro)
Familientageskarte: 8,00 Euro, (14,00 Euro)
Schüler im museumspädagogischen -Programm: 1,60 Euro, ( 3,10 Euro)
Ermäßigte: 2,10 Euro, ( 3,70 Euro)