[WestG] [LIT] Stremmel: Kammern der gewerblichen Wirtschaft im Dritten Reich, 2005
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Don Jun 30 14:14:27 CEST 2005
Von: "Karl-Peter Ellerbrock" <k.ellerbrock at dortmund.ihk.de>
Datum: 30.06.2005, 11:51
LITERATUR
Studie zur Geschichte der Wirtschaftskammern im Dritten Reich
GWWG veröffentlicht Untersuchung
"Kammern der gewerblichen Wirtschaft im 'Dritten Reich'. Das Fallbeispiel Westfalen-Lippe" heißt die neue Studie von Dr. Ralf Stremmel, der zwischen 1994 und 2002 wissenschaftlicher Mitarbeiter im Westfälischen Wirtschaftsarchiv (WWA) war und nun das Historische Archiv Krupp in Essen leitet. Dies ist die erste systematische wissenschaftliche Untersuchung über die Rolle der Industrie- und Handelskammern und Handwerkskammern im Nationalsozialismus. Sie erscheint in der Schriftenreihe der Untersuchungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte der Gesellschaft für Westfälische Wirtschaftsgeschichte (GWWG).
"Gerade die Geschichte der Kammern erlaubt einen tiefen Einblick in Funktionsmechanismen des NS-Staates", sagte der Autor. Indem sich die Kammern der Politik unterordneten, hätten sie ihre Existenz sichern können und seien zu einem unverzichtbaren Element des Herrschaftssystems geworden. "Ihr regionaler Gestaltungsspielraum blieb vergleichsweise groß. Sie hatten beispielsweise freie Hand bei Stilllegungen oder bei der Verteilung öffentlicher Aufträge", so Stremmel weiter. Zudem sei es den Kammern gelungen, sich zukunftsträchtige Aufgabenfelder anzueignen, wie die Berufsausbildung.
"Nachdem sich die letzten Bände der Schriftenreihe der GWWG meist der Methodendiskussion zugewandt haben, wird mit der neuen Studie eine wichtige Forschungslücke geschlossen", erklärte Heinrich Frommknecht, erster Vorsitzender der GWWG. So sei die Geschichte der Wirtschaftskammern im Dritten Reich bislang stark vernachlässigt worden. Er dankte den westfälisch-lippischen Industrie- und Handels- sowie Handwerkskammern. Sie seien nicht nur durch engagierte Mitarbeit bei der Materialbeschaffung hilfreich gewesen, sondern hätten auch durch einen Druckkostenzuschuss das Buch gefördert.
"Es ist kein Zufall, dass die Untersuchung im Westfälischen Wirtschaftsarchiv entstand. Die Akten der Industrie- und Handelskammern sind eine wichtige Quelle zu nahezu allen Fragen, die Wirtschaft und Gesellschaft im Dritten Reich betreffen", gab Dr. Karl-Peter Ellerbrock, Geschäftsführer der GWWG und Direktor des WWA, Hintergrundwissen zu der Entstehung der Studie bekannt. "In unserem Bestand führen wir auch die Protokolle der Nürnberger Industrieprozesse, die tiefe Einblicke in die Wirtschaftsgeschichte des Nationalsozialismus geben", so Ellerbrock weiter.
INFO
Stremmel, Ralf
Kammern der gewerblichen Wirtschaft im Dritten Reich
Allgemeine Entwicklungen und das Fallbeispiel Westfalen-Lippe
(Ardey-Verlag) ISBN 3-87023-197-1
Englisch Broschiert
672 Seiten, 58 schwarz-weiß Tabellen - 24,00 × 13,80 cm
39,- Euro
Die Studie "Kammern der gewerblichen Wirtschaft im 'Dritten Reich'. Untersuchungen zur Wirtschafts-, Sozial- und Technikgeschichte" ist im Ardey-Verlag, Dortmund und Münster 2005, erschienen und im Buchhandel erhältlich.