[WestG] [AUS] Leben und Glauben der Bulsa in Nordghana, Muenster, bis 31.12.2005
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Jul 1 09:18:08 CEST 2005
Von: "Pressestelle Uni Münster" <pressestelle at uni-muenster.de>
Datum: 30.06.2005, 17:11
AUSSTELLUNG
15 Frauen und acht Ahnen
Ausstellung über Leben und Glauben der Bulsa in Nordghana
Die neue ethnologische Ausstellung im Westfälischen Museum für
Naturkunde in Münster nimmt die Besucher mit auf eine Reise zu den
Bulsa in die Savanne Nordghanas. Für die Bulsa spielen Familie und
Religion die wichtigste Rolle in ihrem Leben. Um diese Aspekte ihrer
Kultur zu veranschaulichen, wird eine ganz bestimmte Familie
vorgestellt: der Gehöftsherr Anamgosi mit seinen 15 Frauen und mehr
als 30 Kindern. Anamogsi hat acht Ahnen, mit denen er durch Opfergaben
ständig in Kontakt steht. Der Alltag im Gehöft, das Leben in der
Familie und die Bedeutung der Toten werden in der Ausstellung mit
vielen Objekten und Fotos eindrucksvoll vorgestellt.
Die Ausstellung basiert auf der privaten Sammlung des Münsteraner
Ethnologen Dr. Franz Kröger, die sich als Dauerleihgabe im Institut
für Ethnologie der Universität Münster befindet. Erarbeitet
wurde die Ausstellung von Studierenden und Dozenten des Instituts
für Ethnologie und des Fachbereichs Design in einem
Kooperationsprojekt von Universität und Fachhochschule Münster.
Die Ethnie der Bulsa zählt circa 100.000 Menschen. Ihre Gesellschaft
ist polygam - das heißt, ein Mann kann mit mehreren Frauen
verheiratet sein. Dies ist jedoch nur möglich, solange er sie und
die Kinder versorgen kann. Durch die Heirat mit mehren Frauen aus
verschiedenen Familien entsteht ein großes soziales Netzwerk. Jede
Frau hat ihren eigen Bereich im Gehöft und wahrt somit eine gewisse
Eigenständigkeit. Die Großfamilien leben in Gehöften: mehreren
Häusern aus Lehm, umgeben von einer Mauer. Die meisten von ihnen
sind Ackerbauern. Fast alles, was sie benötigen, stellen sie selbst
her. Überschüsse werden auf nahe gelegenen Märkten verkauft, um
mit dem Geld Konsumgüter zu erstehen: Stoffe und Geschirr,
Transistorradios oder Fahrräder. Einen besonders hohen Stellenwert
bei den Bulsa haben die Ahnen. Sie sind für das Wohlergehen von
Menschen und Tieren zuständig. Daher wird ihnen regelmäßig
geopfert. Mittler zwischen Ahnen und Lebenden ist ein Wahrsager, dem
ein eigener Teil der Ausstellung gewidmet ist: Die Objekte werden in
der Ausstellung nicht einfach in Vitrinen ausgestellt, sondern in den
jeweiligen kulturellen Kontext eingeordnet. So ist ein Ahnen-Schrein -
ganz wie im richtigen Leben - auf einer Lehmbank positioniert und
zeigt die Spuren eines Opfers. Im Frauenhaus stehen Original-Töpfe,
die wie ein Safe genutzt werden. Und ein maßstabgerechtes Modell
macht deutlich, wie es sich im Gehöft lebt.
"15 Frauen und 8 Ahnen" ist eine Ausstellung für Jung und Alt.
Wissenschaftliche Inhalte sind so umgesetzt, dass auch
Nicht-Ethnologen sie verstehen. Auch Kinder kommen auf ihre Kosten.
Ausgerüstet mit einem Kinderpass können sie der Figur eines kleine
Jungen folgen. Er leitet sie mit Erklärungen durch die Ausstellung
und ermuntert sie, im Frauenhaus ruhig einmal nach Schätzen zu
stöbern.
Eindrucksvoll sind auch die im Rahmen des Projekts eigens für die
Ausstellung vor Ort gedrehten Filme, die neben den zahlreichen
farbenprächtigen Fotos das Konzept multimedial vervollständigen.
So hat der Besucher die Möglichkeit, mit allen Sinnen in das Leben
der Bulsa einzutauchen.
INFO
Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Dezember 2005 im
Westfälischen Museum für Naturkunde Münster, Sentruper Str.
285. Öffnungszeiten: täglich außer montags von 9 bis 18 Uhr.
Eintrittspreise: Erwachsene 3,50 Euro, Kinder ab sechs Jahren zwei
Euro, Familien- und Gruppenkarten auf Anfrage.