[WestG] [AUS] Oelde, Haus Nottbeck: Verlag J.C.C. Bruns in Minden, 21.04.-19.06.2005

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Die Apr 19 09:14:49 CEST 2005


Von: "Dirk Bogdanksi", <bogdanski at kulturgut-nottbeck.de>
Datum: 18.04.2005, 13:53


AUSSTELLUNG

Weltliteratur aus Minden

Ausstellung zum Mindener J.C.C. Bruns' Verlag im Museum für Westfälische
Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck. Ausstellungseröffnung mit den
"Kulturtechnikern" und ihrem elektronischen Lesekonzert "Der Fall des Hauses
Ascher" nach Edgar Allan Poe.

Die "reine Kunst" war für den Verleger Max Bruns so etwas wie die Maxime
seines Schaffens und Wirkens. Sogar um den Preis des Ruins wollte er bei der
Publikation von Weltliteratur im Verlag J.C.C. Bruns' nichts anderes gelten
lassen als seinen hohen künstlerischen Anspruch. Vor allem auch in Bezug auf
die äußere Gestaltung der Bücher. In aufwändiger künstlerischer
Buchausstattung gab der Verleger Max Bruns unter anderem die ersten
deutschsprachigen Übersetzungen von Edgar Allan Poe, Gustave Flaubert und
Charles Baudelaire heraus. Die Ausstellung "J.C.C. Bruns' Verlag
(1881-1929). Weltliteratur in deutscher Übersetzung aus Minden" ist vom 21.
April bis 19. Juni 2005 im Museum für Westfälische Literatur in
Oelde-Stromberg zu sehen. Eröffnet wird die Ausstellung am 21. April um
19.30 Uhr mit dem Duo "Die Kulturtechniker" und ihrer
musikalisch-literarischen Neuinszenierung der Novelle "Der Fall des Hauses
Ascher" nach Edgar Allan Poe.

Der J.C.C. Bruns' Verlag zählt zu den bedeutenden und einflussreichen
Verlagshäusern der Jahrhundertwende. 1834 von Johann Christian Conrad Bruns
in Minden gegründet, druckte das kleine Unternehmen zunächst Postformulare,
Amtsblätter und ab 1856 auch das Minden-Lübbecker Kreisblatt, den Vorläufer
des heutigen Mindener Tageblatts. Im Jahr 1881 wurde das Unternehmen durch
die Verlagsabteilung "J.C.C. Bruns' Verlag" erweitert. 1929 musste der
Verlag im Zuge der Weltwirtschaftskrise jedoch veräußert werden, um das
Gesamtunternehmen nicht zu gefährden. In der Zwischenzeit wurde der Verlag
unter der Führung von Max Bruns, einem Enkel des Firmengründers, zu einem
Vermittler fremdsprachiger Weltliteratur der Jahrhundertwende in
Deutschland. Max Bruns hatte die Leitung des Unternehmens im Jahr 1909
übernommen und damit begonnen, Werke der Weltliteratur in die deutsche
Sprache zu übertragen. Von nun an gehörte es zum Standardprogramm des
Verlages aus Ostwestfalen, große und international bekannte Dichter zu
übersetzen und zu publizieren, darunter Oskar Wilde, Fjodor M. Dostojewski,
H.G. Wells oder Rachilde. Zu den veröffentlichten deutschsprachigen Autoren
zählten unter anderem Maximilian Dauthendey, Paul Scheerbart und Johannes
Schlaf.

Doch der Unternehmer Max Bruns (1876-1945) hatte auch noch eine andere
Seite: Zeit seines Lebens fühlte er sich eher als Literat und Übersetzer
denn als Druckereibesitzer und Verlagskaufmann. Während seiner Ausbildung
zum Buchdrucker war bereits ein eigenes literarisches Werk im J.C.C. Bruns'
Verlag gedruckt worden. In die deutsche Literaturgeschichte hat er sich
jedoch nicht als bedeutender Lyriker eingeschrieben, sondern als
renommierter Verleger. Nicht zuletzt die künstlerisch ambitionierte und
hochwertige Ausstattung der Bände, für die Bruns die bedeutendsten
Buchkünstler der Zeit beschäftigte, machten den Literaturverlag weit über
die Grenzen Westfalens hinaus bekannt.

In der Ausstellung werden diese kunstvoll gestalteten Bücher zu sehen sein,
die den J.C.C. Bruns' Verlag zu einem bedeutenden Vermittler nicht nur der
literarischen Moderne, sondern auch der Buchkunst gemacht haben. Darüber
hinaus gewähren Manuskripte, Briefe und historische Fotografien, die aus dem
umfangreichen Bruns-Nachlass ausgewählt wurden, Einblicke in das Werken und
Wirken des Verlages.

Die Ausstellungseröffnung am 21. April 2005 wird bereichert durch eine
Abendveranstaltung des Duos "Die Kulturtechniker". Ihr elektronischen
Lesekonzert orientiert sich an Edgar Allan Poes Novelle "Der Fall des Hauses
Ascher" aus dem Jahre 1839, die zu den ersten "Psycho-Thrillern" der
Weltliteratur zählt. Text und Musik werden in der Neuinterpretation der
beiden Künstler Martin M. Hahnemann (Schauspieler und Rezitator) und Ralf
Werner (Cellist und Live-Elektroniker) zu einer fesselnden Inszenierung des
phantastischen, schaurig-schönen Stückes. Karten für die Abendveranstaltung:
Die Glocke Ticket-Service: Tel.: 02522-73300. Vorverkauf: 6,- EUR (zzgl.
VVK-Gebühr), Abendkasse: 8,- EUR.

Zur Ausstellung erscheint in der von Dr. Walter Gödden herausgegebenen
Lesebuch-Reihe des Museums für Westfälische Literatur ein "Max Bruns
Lesebuch", das zum Preis von 6,50 EUR im Museum erhältlich ist.
Die Ausstellung ist ein Kooperationsprojekt des Museums für Westfälische
Literatur, der J.C.C. Bruns' Betriebs-GmbH und dem Kommunalarchiv Minden.


INFO

Museum für Westfälische Literatur - Kulturgut Haus Nottbeck
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg

Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 14.00 - 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 - 18.00 Uhr

Kultur-Café
Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 - 18.00 Uhr
Und nach Vereinbarung

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und
www.kulturgut-nottbeck.de <http://www.kulturgut-nottbeck.de>.