[WestG] [AUS] Oelde: Halberstaedter Bibel / Westfaelischer Buchdruck

Marcus Weidner Marcus.Weidner at lwl.org
Die Apr 5 09:07:50 CEST 2005


Von: "Dirk Bogdanski", <bogdanski at kulturgut-nottbeck.de>
Datum: 04.04.2005, 11:05


AUSSTELLUNG

Halberstädter Bibel im Literaturmuseum

Museum für Westfälische Literatur zeigt wertvolle Zeugnisse des frühen
westfälischen Buchdrucks aus der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in
Paderborn.

Mit der *Halberstädter Bibel", Sebastian Brants *Varia Carmina" und einem
niederdeutschen Plenarium präsentiert das Museum für Westfälische Literatur
neue Leihgaben aus der Erzbischöflichen Akademischen Bibliothek in
Paderborn. Die Bücher sind wichtige Zeugen des frühen westfälischen
Buchdrucks, die mit ihren Holzschnitten den Übergang von der Gotik zur
Renaissance eindrucksvoll illustrieren. Die kostbaren Bücher sind bis zum
September im Haus Nottbeck zu sehen.

Die *Halberstädter Bibel" von 1522 ist der letzte vorreformatorische,
niederdeutsche Bibeldruck. Damit steht sie in der Reihe mundsprachlicher
Bibelübersetzungen, die auf das Bedürfnis zurückzuführen sind, im
niederdeutschen Sprachraum allgemein verständliche religiöse Werke
vorzuhalten. Mit ihren 119 Holzschnitten erfüllt die Halberstädter Bibel das
Ideal einer Bilderbibel, in der Text und Bild gleichberechtigt nebeneinander
stehen. Der größte Teil dieser Bilder wurde mit den Holzstöcken der *Kölner
Bibel" (um 1478) gedruckt, die zum Vorbild der gesamten Frühgeschichte der
deutschen Bibelillustrationen bis zur Reformation wurde. Neben diesen
gotisch geprägten Holzschnitten gibt es aber auch sechs, von dem bekannten
Illustrator Conrad Drake entworfene Darstellungen, die bereits den
Renaissance-Stil zeigen.

Dieser Übergang von der Gotik zur Renaissance in der Buchillustration wird
dem Museumsbesucher besonders deutlich im Vergleich der Bibel mit den
Renaissance-Holzschnitten in der *Varia Carmina" (1498), der ersten
lateinischen Gedichtsammlung von Sebastian Brant. Das Werk stammt aus der
Baseler Druckwerkstatt von Johann Bergmann zu Olpe, der zu den bedeutendsten
westfälischen Buchdruckern seiner Zeit zählte. Der Sauerländer Humanist und
Drucker Johann Bergmann hatte sich bereits durch die Herausgabe von Brants
Moralsatire *Das Narrenschiff", dem ersten deutschen *Bestseller" der
Literaturgeschichte, einen Namen gemacht. So zeugt es nicht nur von großem
Selbstbewusstsein, sondern auch von gegenseitiger Wertschätzung, dass sich
der Drucker mit seinem Wappen *Nihil sine causa" (*Nichts ohne Grund") in
den *Varia Carmina" unmittelbar neben dem Porträt Sebastian Brants
verewigte.

*Dat Boek des hyllghen Ewangelii, Profecien unde Epistelen", ein 1513 in
Basel gedrucktes, in Niederdeutsch verfasstes Plenarium, belegt die
Bedeutung Basels als ein Zentrum der Buchdruckkunst um 1500. Dort wurden
viele niederdeutsche Schriften für den westfälischen Raum gedruckt. Die
spätmittelalterlichen Plenarien enthalten deutsche Übersetzungen aus den
Evangelien, Episteln und dem Missale. Sie erfuhren aufgrund des Buchdrucks
eine sehr weite Verbreitung. Allein die niederdeutschen Fassungen erlebten
15 Druckauflagen bis 1523. Sie sind damit wichtige Zeugen der
vorlutherischen Bibelverdeutschung und zeigen exemplarisch die Kenntnisse
und Verwendungen der Heiligen Schrift in jener Zeit. Zu den
Evangelientexten, den so genannten Perikopen, treten bald predigtartige
Glossen, Exempel, katechistische Lehrstücke und Betrachtungen. Daher geben
die Plenarien einen vorzüglichen Querschnitt fast aller Tendenzen der
Erbauungsliteratur und mithin des kirchlich-religiösen Lebens des
Spätmittelalters.


INFO

Kulturgut Haus Nottbeck
Museum für Westfälische Literatur
Landrat-Predeick-Allee 1
59302 Oelde-Stromberg

Öffnungszeiten:
Dienstag - Freitag: 14.00 - 18.00 Uhr
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 11.00 - 18.00 Uhr

Kultur-Café
Öffnungszeiten:
Samstag, Sonntag und an Feiertagen: 14.00 - 18.00 Uhr
Und nach Vereinbarung

Weitere Informationen unter Tel.: 0 25 29 / 94 55 90 und
www.kulturgut-nottbeck.de.