[WestG] [AKT] Umfassende Geschichte ueber Gruendung und Aufbau der RUB

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Don Jul 29 11:16:37 CEST 2004


Von "Josef König" <josef.koenig at presse.ruhr-uni-bochum.de>
Datum 29.07.04, 10:18 


AKTUELL

Vom "Städtekampf" bis zur "Gummistiefelgeneration"
Über die euphorischen Jahre zwischen Hochschulreform und Intrigen
Erste umfassende Geschichte über Gründung und Aufbau der RUB


Als am 30. Juni 1965 die Ruhr-Universität Bochum mit einem feierlichen
Festakt im Bochumer Schauspielhaus eröffnet wurde, war nicht nur eine
politische Intrige zwischen den Städten Bochum und Dortmund vorläufig zu
Ende gegangen; auch enorme Summen waren schon geflossen, um den Bau dieser
ersten Universität im Ruhrgebiet zu sichern. Nach nunmehr fast 40 Jahren
ist jetzt die erste umfassende Gründungsgeschichte unter dem Titel
"Euphorische Jahre - Gründung und Aufbau der Ruhr-Universität Bochum" im
Essener Klartext-Verlag erschienen. Darin schildert der Bochumer Historiker
Dr. Hans Stallmann in gut lesbarem Stil den Aufbau der ersten und größten
Hochschulansiedlung der Bundesrepublik vor dem Hintergrund nationaler und
regionaler Entwicklungen.

Im Archiv geforscht und Interviews geführt

Die ersten Jahre der RUB waren von Euphorie und Aufbruchstimmung geprägt.
Geld spielte keine Rolle. Die RUB sollte die überlaufenen Hochschulen in
NRW (Köln, Aachen und Münster) entlasten und Bildungsreserven im Ruhrgebiet
mobilisieren. Ihre Ansiedlung im damals noch grauen, von Kohle und Stahl
geprägten Industrierevier kam geradezu einer Kulturrevolution gleich. Wie
es zur Entscheidung für Bochum kam, welche Aufgaben der RUB zugedacht waren
und welche sie dann tatsächlich angenommen hat, darüber berichtet nun Dr.
Stallmann. Zwei Jahre lang hat er dafür das mittlerweile sehr umfangreiche
Archiv der RUB durchforstet und zudem zahlreiche Interviews mit ehemaligen
Professoren und Politikern wie Kurt Biedenkopf und Paul Mikat geführt.

Konkurrierende Revierstädte

Insbesondere die harten Auseinandersetzungen, die sich die konkurrierenden
Revierstädte Bochum und Dortmund um den Standort lieferten, zeichnet der
Autor äußerst spannend nach. Dabei entzaubert er so manchen bis heute
bestehenden Mythos um den "Städtekampf". So weist er u.a. nach, dass die
Entscheidung für Bochum keineswegs in erster Linie auf Ruhrbischof
Hengsbach oder die Tatsache zurückzuführen ist, dass Dortmund zu "rot" für
die damalige Alleinregierung der CDU in Nordrhein-Westfalen war.
Stattdessen glaubte der damalige Kultusminister Schütz sich die
Hochschulgründung nur mit einer Ansiedlung in Bochum an die eigene Fahne
heften zu können. Stallmann beleuchtet auch die entscheidende Rolle, die
der damalige NRW-Innenministers Hermann-Josef Dufhues gespielt hat,
immerhin ein Bochumer Bürger. Dadurch ist es ihm gelungen, eine sehr
anschauliche, durch manche Anekdote angereicherte Gründungsgeschichte zu
verfassen, die dem Leser viel Neues über die Entwicklung der Universität
und des Ruhrgebiets bietet. Man erfährt ebenso Wissenswertes über die
architektonische Gestaltung und den äußerst rasant vorangetriebenen Aufbau
wie über die inhaltliche Konzeption und die Auswirkungen der
Hochschulansiedlung für die Region.

Euphorie beim Aufbau

Vor allem gelingt es Hans Stallmann, dem Leser die heute kaum noch
nachvollziehbare Euphorie beim Aufbau vor Augen zu führen. Mit enormen
Summen trieb die Regierung von Ministerpräsident Meyers die rasante
Verwirklichung dieses Prestigeprojekts voran, wovon man sich auch nicht
durch erhebliche Bergschäden auf dem Gelände in Querenburg abbringen ließ.
Auch als man direkt zu Baubeginn förmlich in ein Loch fiel, weil der über
hundert Meter lange Flöz Sonnenschein direkt unter dem Baugelände lag,
ließen sich die Verantwortlichen nicht lange irritieren und verschoben das
gesamte Bauwerk kurzerhand um 60 Meter nach Süden. Viele Probleme löste man
damals so unbürokratisch, so dass bereits 18 Monate nach Baubeginn der
Lehrbetrieb beginnen konnte. Bereits 1970 waren an der Ruhr-Universität
mehr als 10.000 Studenten eingeschrieben, womit die Hochschule über genauso
viele Kommilitonen verfügte, wie alle anderen 13 Universitätsgründungen in
der Bundesrepublik zusammen. Da viele aus dem Ruhrgebiet und insbesondere
aus Arbeiterhaushalten kamen, trug die Ruhr-Universität schon früh ganz
erheblich zum Strukturwandel des Ruhrgebiets bei.

Titelaufnahme und Rezensionsexemplare

Hans Stallmann, "Euphorische Jahre. Gründung und Aufbau der
Ruhr-Universität Bochum", Klartext Verlag, Essen 2004, ISBN 3-89861-318-6.
Rezensionsexemplare sind beim Verlag direkt zu bestellen: Klartext Verlag
Essen, Heßlerstraße 17, 45329 Essen, 0201/86206-31, Fax: 0201/86206-22,
http://www.klartext-verlag.de 


INFO

Dr. Hans Stallmann, Tel. 0211/6214-420, E-Mail: hans_stallmann at yahoo.de 

Dr. Josef Koenig
RUB - Ruhr-Universitaet Bochum
Pressestelle
44780 Bochum
Tel: + 49 234 32-22830, -23930
Fax: + 49 234 32-14136