[WestG] [AKT] 180 Jahre Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Mit Jul 21 14:18:17 CEST 2004
Von: "H.-J. Schmalor", <EABPADER at aol.com>
Datum: 21.07.04, 13:33
AKTUELL
Verein für Geschichte und Altertumskunde Westfalens,
Abt. Paderborn, vor 180 Jahren gegründet
Am 19. Juli 1824, also vor nunmehr genau 180 Jahren, fand jenes denkwürdige Treffen im Gartenhaus des Domherrn Ignaz Theodor Liborius Meyer in Paderborn (heute auf dem Gelände des Mutterhauses der Schwestern der Christlichen Liebe) statt, das zur Gründung des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens führen sollte, zunächst für Paderborn, ein Jahr später kam die Abteilung Münster hinzu. Bereits seit 1819 pflegten Theologen, Juristen, Verwaltungsbeamte, Kaufleute und Gymnasiallehrer mit ähnlich gelagerten geistigen und historischen Interessen Kontakte untereinander.
Domkapitular Meyer hatte nun diese historisch interessierten Persönlichkeiten aus ganz Westfalen eingeladen. So hatten sich aus Paderborn sechs Herren eingefunden, aus den adeligen Häusern der Umgebung sowie aus Höxter, Büren und Kirchhundem im Sauerland kamen sieben weitere, dazu noch zwei Herren aus Arolsen. Domkapitular Meyer eröffnete die Sitzung und erklärte, daß die Königliche Regierung zu Minden durch Reskript diese Versammlung zur Förderung geschichtlicher Studien approbiert und sich anerkennend darüber geäußert habe. Daraufhin hat sich, wie es im ersten Protokoll, das der Verein produzierte, heißt, "die Versammlung zu einem dauernden Geschichtsverein constituiert und ihre Sitzung eröffnet".
Damit begann ein nunmehr über 180 Jahre andauendes reges Vereinsleben, das zunächst darauf gerichtet war, wie es in den Statuten von 1826 heißt, ein *vaterländisches Museum einzurichten "welches auch aus Special-Abtheilungen bestehen kann. Was an Büchern, Handschriften, Kunstsachen, Antiquitäten dem Verein gewidmet ist, wird an die Directionen geschickt, welche ein Register und Protocoll hierüber führen. Im Allgemeinen ist die Absicht des Vereins: Ausfindung und Rettung der vaterländischen Geschichtsquellen und Alterthümer jeder Art und Gattung nach Kräften zu bewirken, geschichtliche Bildung, und dadurch Gemeingeist in der Umgebung der einzelnen Mitglieder zu wecken und den, theils hie und da erkalteten, theils auf Abwegen sich befindenden Sinn für vaterländische Geschichte wieder zu erregen oder auf die rechte Bahn zu leiten." Vor allem die Rettung der Geschichtsquellen war damals besonders nach der Aufhebung der Klöster und anderer kirchlicher Einrichtungen besonders geboten.
Im Vorwort der Übersetzung der "Monumenta Paderbornenesia" schreibt Franz Josef Micus über die verschwundenen Bücher und Manuskripte aus der Bibliothek Ferdinands von Fürstenberg: "Von all diesen Papieren habe ich, trotz sorgfältiger Nachforschungen, wenig oder nichts ausfindig machen können. Sie werden, wie so mancher andere literarische Schatz, irgendwo im Verborgenen modern!!!" In der Tat ist manches verloren gegangen, aber eben auch durch die sorgsame Aufmerksamkeit der Vereinsmitglieder dieser frühen Zeit für die historische Forschung gerettet worden. Diese Aktivitäten sind nachhaltig und bis heute sehr verdienstvoll. Ohne die Sammlungen des *Altertumsvereins" wäre die Kenntnis der westfälischen Geschichte wesentlich ärmer. Insgesamt handelt es sich um sechs Sammlungsschwerpunkte: Das Archiv und die Bibliothek; die Münzsammlung; die archäologische Sammlung; die historischen und kunstgeschichtlichen Sammlungen und die Waffensammlung.
Große Teile dieses historisch so wertvollen Materials ist heute der Öffentlichkeit zugänglich wie etwa über die Erzbischöfliche Akademische Bibliothek (Vereinsbibliothek und Archiv) oder das Museum für Stadtgeschichte im Adam-und-Eva-Haus (historische und kunstgeschichtliche Sammlungen, die Münzen und die Waffen). Zum 175jährigen Bestehen des Vereins vor fünf Jahren war eine repräsentative Auswahl aus den Sammlungsbeständen in einer Ausstellung in der Volksbank Paderborn-Höxter zu sehen. Umfassend sind diese Sammlungen in einem reichhaltigen Inventar beschrieben worden (Norbert Börste, Hrsg., Die Sammlungen des Vereins für Geschichte und Altertumskunde Westfalens, Abt. Paderborn e.V. = Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte, Bd. 39. Paderborn: Bonifatius-Verlag 2000).
Im Laufe der Zeit kamen zu den Sammlungsaktivitäten auch noch ein umfangreiches Angebot an öffentlichen Vorträgen, Studienfahrten, Ausstellungsbesichtigungen und Museumsbesuche hinzu. Daneben gibt der Verein bis heute zahlreiche wissenschaftlich-historische Schriften heraus wie etwa die "Westfälische Zeitschrift" (bislang 153 Jahrgänge) oder die Reihe "Studien und Quellen zur westfälischen Geschichte", in der bisher fast 50 Bände erschienen sind. Der renommierte, nach dem Vereingründer benannte Ignaz-Theodor-Liborius-Meyer-Preis, der seit 1992 vergeben wird, soll junge Historiker fördern, die sich mit ost- und südwestfälischer Regionalgeschichte beschäftigen. Er trägt somit dazu bei, für qualifizierte Nachwuchswissenschaftler den Weg zu einem guten Berufseinstieg zu ebnen.
INFO
Aktuelle und ausführliche Informationen bietet auch die Website
(www.altertumsverein-paderborn.de), mit der sich der Verein
nicht nur seinen über 1.000 Mitgliedern, sondern einem breiten
interessierten Publikum präsentiert.