[WestG] [AKT] Freitag der 13. gilt seit 50 Jahren als Pechtag

Rita Börste rita.boerste at lwl.org
Mit Feb 11 18:29:05 CET 2004


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 11.02.2004, 17:06


AKTUELL

Freitag der 13. gilt seit 50 Jahren als Pechtag

Westfalen (lwl). "Nicht daran denken", "auf keinen Fall autofahren" oder "am besten erst gar
nicht aufstehen". Mit diesen Strategien versuchen am kommenden Freitag abergläubische
Zeitgenossen über den Tag zu kommen. Denn dieser Freitag fällt auf den 13. Christiane
Cantauw,Volkskundlerin beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), hat sich mit der
Frage beschäftigt, warum so viele Menschen sich vor dem Freitag, den 13 fürchten. Schon
einzelne Wochentage für sich gelten als Glücks- oder Pechtage: "Die Bedeutung, die ein
bestimmter Wochentag für die Menschen innerhalb einer Region hatte, war jedoch sehr
unterschiedlich: 

So galt der Freitag noch um 1930 im nördlichen Deutschland als Glückstag,
der sich besonders zum Heiraten eignete. In der Mitte und im Süden Deutschlands glaubte man
dahingegen eher an die Unglück verheißende Wirkung dieses Wochentags", weiß Cantauw.
Übrigens sollen auch Napoleon und Bismarck an die Unglück verheißende Wirkung des Freitags
geglaubt haben: Napoleon hat keine Schlacht an einem Freitag geschlagen und Bismarck an
diesem Tag keinen Vertrag geschlossen. Der Grund für den Glauben, dass einzelne Tage ein
größeres Glücks- oder Unglückspotential hätten als andere, liegt wahrscheinlich bei dem
Phänomen der "verworfenen Tage". "Dies waren Tage, die besonders viel Unglück bringen
sollten. Sie werden in zahlreichen mittelalterlichen Handschriften erwähnt und wurden bis
ins 20. Jahrhundert hinein überliefert, wobei sich die Bedeutung einzelner Tage im Laufe der
Jahrhunderte durchaus auch umkehren konnte", erklärt die Expertin der Volkskundlichen
Kommission für Westfalen. 

Der Glaube an eine Zahlen-Symbolik ist noch älter: Bereits die frühen Hochkulturen kannten 
ein ausgefeiltes Rechensystem. In jedem Zahlensystem sind einige Zahlen unweigerlich 
wichtiger als andere: Beim Dezimalsystem (wie wir es heute verwenden) ist es die zehn und 
beim Zwölfersystem eben die zwölf, die dementsprechend eine besondere Bedeutung hat: 
Es gibt 12 Monate, 12 Apostel, 12 Tierkreiszeichen und das 12-Götter-Regiment der Griechen 
und Römer. 

"Die Dreizehn überschreitet das geschlossene Zwölfersystem und ist als Primzahl nur durch eins 
und sich selbst teilbar, schon dadurch kommt ihr eine besondere Bedeutung zu. 
Deshalb wird ihr eine überschreitende Kraft nachgesagt, die durchaus nicht immer 
negativ sein muss", sagt Cantauw. So gelte die 13 in der jüdischen Tradition als 
eine ausgesprochene Glückszahl und als ein Symbol Gottes, weil sie über die zwölf regiere. 
Bei den Forschungen zum Atlas der deutschen Volkskunde in den 1930er
Jahren habe sich herausgestellt, dass die 13 als Unglückszahl zwar weithin bekannt war, dass
es aber auch zahlreiche Belege gäbe, in denen die 13 als Glückzahl bezeichnet wurde, so die
LWL-Volkskundlerin weiter. "Interessanterweise wurden die Wochentage- und die
Zahlensymbolik, lange Zeit unabhängig von ein-ander als glücksbringend oder Pech bedroht
betrachtet. Erst in den 1950er Jahren begann man diese beiden Vorstellungswelten zu
verknüpfen", hat Cantauw beobachtet. 

1970 steigerte sich die abergläubische Angst vor dem Freitag am 13. zu 
einer kleinen Hysterie: Die später verunglückte Raumfähre Apollo 13 war ausgerechnet 
an einem Freitag, den 13. gestartet. Au-ßerdem enthielten angeblich fast alle
Daten, Namens- und Zeitangaben bei dieser Weltraummission die Zahl 13 direkt oder als
Quersumme. Alles Zufall? Die nüchternen Zahlen sprechen da eine andere Sprache: Fällt ein
Freitag auf den 13. passieren statistisch gesehen 15,6 Prozent mehr Unfälle als an anderen
Freitagen. Die Psychologie macht dafür den festen Glauben vieler Zeitgenossen an Glück oder
Unglück verantwortlich. Vielleicht bleibt man am Freitag also doch am besten im Bett, denn
warum es kracht ist doch letztendlich egal....