[WestG] [AUS] Goldschmiedepokale im Stadtmuseum Muenster
Marcus Weidner
Marcus.Weidner at lwl.org
Fre Aug 27 09:10:34 CEST 2004
Von: "Ingrid Fisch", <museum at stadt-muenster.de>
Datum: 26.08.2004, 13:37
AUSSTELLUNG
Münstersche Goldschmiedepokale mit spezieller Funktion im Stadtmuseum / Praxistest erhellt wahre Aufgabe
Im Jahr 2001 wurde bei Christie's in London ein außergewöhnlicher Silberpokal mit einer Wassermühle versteigert, der vor rund 350 Jahren in Münster angefertigt wurde. Dieses ungewöhnliche Stück aus Privatbesitz ist nun als Leihgabe mit einem weiteren Trinkpokal unter dem Titel "Wunderliches Trinkgerät - Münstersche Goldschmiedepokale zum Betrinken" vom 28. August bis zum 3. Oktober in der Jubiläumsreihe "Focus Stadtgeschichte" im Stadtmuseum Münster zu sehen.
Als Entstehungsort des Wassermühlenpokals wurde zunächst Ulm vermutet. Es stellte sich indessen heraus, dass es sich um einen Pokal des Goldschmieds Hans Stilkindt handelt, der von 1620 bis 1658 als Meister in Münster tätig war.
Dieser Pokal nimmt hinsichtlich Funktion und Form eine Sonderstellung in der Geschichte der deutschen Goldschmiedekunst ein. Bis heute sind nur fünf solcher Wassermühlenbecher bekannt geworden, von denen der Pokal aus Münster die höchste Qualität in der künstlerischen Gestaltung aufweist. Die hohe Wertschätzung, die dieser Pokal erfuhr, zeigt sich nicht zuletzt daran, dass das Victoria and Albert Museum in London eine Kopie aus dem späten 19. Jahrhundert besitzt.
Die ursprüngliche Funktion des Pokals blieb lange unbekannt. Man vermutete, dass er als Duftspender oder zur Reinigung der Hände gedient haben könnte. Praktische Versuche zeigten, dass es sich bei dem Pokal um ein so genanntes Trinkspiel handelt. Allerdings wurde nicht aus dem Pokal selbst getrunken. Vielmehr wurde er erhöht aufgestellt, so dass durch die Rinne des Pokals der Wein in andere Gefäße fließen konnte.
Eine komplizierte mechanische Konstruktion bewirkt, dass der gefüllte Pokal sich scheinbar von selbst in die Rinne entleert. Die Teilnehmer eines Trinkgelages mussten schnell ihre Gefäße leeren, um sie bei erneutem Herausströmen des Getränks wieder unter die Rinne halten zu können.
Eine ähnliche Idee verbirgt sich hinter dem Windmühlenbecher des Gert Beveren aus Münster. Der Becher dieses um 1630 gearbeiteten Trinkpokals muss auf dem Kopf stehen, da der Fuß aus einer Windmühle besteht. Es galt, den Inhalt des Bechers zu leeren, solange sich die Mühlenflügel drehten.
INFO
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48143 Münster
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