[WestG] [AKT] Vortrag, Krieg und Frieden in der Bronzezeit, 28.04.2004, Hagen

Alexander Schmidt Alexander.Schmidt at lwl.org
Mit Apr 21 15:17:02 CEST 2004


Von: "Historisches Centrum [Info]" <info at historisches-centrum.de>
Datum: 21.04.04, 09:05


AKTUELL

28. April 2004, 19.00 Uhr
Krieg und Frieden in der Bronzezeit Alteuropas
Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel, Universität Münster

Beim Bau der Eisenbahnstrecke Hagen-Herdecke-Dortmund im Jahre 1876
entdeckten Arbeiter am Hang des Kaisberges in Hagen-Vorhalle drei bronzene
Langschwerter. Der wertvolle und archäologisch bedeutsame Fund blieb nicht
in Hagen. Er wurde damals verteilt auch die Museen in Altena, Essen und
Münster. Die drei Langschwerter aus Hagen zählen heute zu den kostbarsten
Funden aus der Bronzezeit in Nordrhein-Westfalen. Ab Herbst werden die
Schwerter auch in Hagen zu sehen sein. Nicht weit von ihrer Fundstelle, im
Wasserschloss Werdringen.

Die bereits zur Zeit ihrer Niederlegung kostbaren Stücke wurden
wahrscheinlich von wichtigen Persönlichkeiten, vermutlich Angehörigen des
bronzezeitlichen Adels, zum Beweis eines geschlossenen Friedens- oder
Bündnisvertrages am Kaisberg deponiert. Die drei Schwerter erzählen eine
interessante Geschichte, die am 28. April von Professor Dr. Albrechte
Jockenhövel von der Universität Münster in einen Gesamtzusammenhang gestellt
wird.

Seit Beginn der alteuropäischen Bronzezeit nehmen die archäologischen
Quellen zu kriegerischen Auseinandersetzungen zu. Die Etablierung einer
ausgefeilten Metalltechnik begünstigt die Entwicklung neuer, speziell für
den Kampf bestimmter Waffen (wie z. B. Schwerter, Lanzenspitzen oder aus
Blech getriebene Schutzwaffen). Sie gehören seit dieser Zeit (2. Jahrtausend
v. Chr.) zur Ausrüstung des europäischen Kriegertums.

Noch heute in der Landschaft sichtbare Zeichen eines Schutzbedürfnisses
vieler Siedlungsgemeinschaften sind die oft großen Befestigungsanlagen. Es
stellt sich die Frage, gegen wen man sich schützte bzw. wehrte. In diese
Frage sind auch die Bildquellen (z. B. Felsbilder) von Kämpfen sowie Gräber
von gewaltsam Getöteten und Verletzten einzubeziehen. Bei den Waffen spielt
über ihre reine Funktionalität in letzter Zeit auch die Frage nach ihrem
Repäsentationscharakter und ihrem Symbolgehalt eine große Rolle.

Detaillierte Beobachtungen zu ihrer Herstellungs- und Benutzerweise (auch
auf der Grundlage der bronzezeitlichen Prachtschwerter vom Kaisberg bei
Hagen) - auch auf der Grundlage moderner archäometrischer Analysen -
ermöglichen neue Einblicke in die gesellschaftliches und religiöses Denken
oder bronzezeitlichen Krieger.

Der Referent

Prof. Dr. phil. Albrecht Jockenhövel, Archäologe, Lehrstuhlinhaber für Ur-
und Frühgeschichte an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster.
1999-2000 Co-Curator der 25. Europaratsausstellung "Götter und Helden der
Bronzezeit. Europa im Zeitalter des Odysseus", die in Kopenhagen, Bonn,
Paris und Athen gezeigt wurde. Er ist Mitglied der Altertumskommission für
Westfalen, der British Bronze Age Studies Group, des Istituto Italiano di
Preistoria e Protostoria sowie Korrespondierendes Mitglied des Deutschen
Archäologischen Instituts. Als Herausgeber der "Prähistorischen Bronzefunde"
auch Mitglied des "Conseil Permanent" und des "Comité Exécutif" der "Union
Internationale des Sciences de Préhistoriques et Protohistoriques".


INFO

28. April 2004, 19.00 Uhr
Krieg und Frieden in der Bronzezeit Alteuropas
Prof. Dr. Albrecht Jockenhövel, Universität Münster
Historisches Centrum Hagen

Der Eintritt ist kostenfrei

Historisches Centrum Hagen
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58091 Hagen
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