[WestG] [AUS] 100jaehriges Jubilaeum der Maschinenhalle auf Zollern, Dortmund, 21.09.-09.11.2003

Marcus Weidner m.weidner at lwl.org
Mit Sep 17 18:18:31 CEST 2003


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org>
Datum: 09.09.2003, 8:58


AUSSTELLUNG

Düsseldorf - Dortmund - Mexiko
Ausstellung zum 100-jährigen Jubiläum der Maschinenhalle auf Zollern

Die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV mit dem Jugendstilportal ist
eine der prominentesten IndustrieIkonen des Ruhrgebiets. 1969 hat der Landeskonservator
beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) das Konstrukt aus Stahl, Glas und Backstein
Bauwerk in letzter Minute vor dem Abriss gerettet. Damit gilt die Maschinenhalle bundesweit
als Pionierbau der Industriedenkmalpflege. 1903, also genau vor 100 Jahren, wurde die Halle
auf dem Bergwerksgelände in Dortmund-Bövinghausen fertiggestellt. Das Jubiläum ist
Anlass für die Ausstellung "Düsseldorf - Dort-mund - Mexiko", in der das Westfälische
Industriemuseum des LWL die Entstehungsgeschichte der Maschinenhalle Revue passieren
lässt.

Die Schau mit Fotos, Postkarten, Plakaten und Dokumenten entstand in Kooperation mit
dem Rheinischen Industriemuseum und wird am Sonntag, 21. September , auf der Zeche Zollern
eröffnet. Sie läuft dort bis zum 9. November. 


Hintergründe: 

DÜSSELDORF
In der rheinischen Metropole, dem "Schreibtisch des Ruhrgebiets" 
fand vom 1. Mai bis 20. Oktober 1902 eine große Industrie-, Gewerbe- und Kunstausstellung statt.
Initiator dieser Leistungsschau war die rheinisch-westfälische Schwerindustrie, die
sich auf der Pariser Weltausstellung von 1900 nicht ausreichend berücksichtigt gefühlt
hatte. Mehr als 160 Ausstellungsbauten wurden auf einem Freigelände nördlich der
Düsseldorfer Altstadt errichtet. Dabei wählte man für die großen Ausstellungshallen
zumeist funktionalschlichte Stahlfachwerkarchitektur, die allerdings - aus
ästhetischer Rücksichtnahme - außen mit Drahtputz oder Stuck kaschiert wurde. Die
Fassadengestaltung und -verzierung war zwar durchgängig opulent und facettenreich, aber
alles andere als avantgardistisch. 

Von diesem konventionellen Sammelsurium hob sich ein
einziges Bauwerk deutlich ab: Der schlichte "Pavillon", den die Gutehoffnungshütte (GHH)
zur Präsentation ihrer eigenen Produktpalette sowie für die Deutzer Gasmotorenfabrik
errichtet hatte, zeigte seine tragende Stahlfachwerkkonstruktion außen wie innen
unverhüllt. Diese Ausstellungshalle erregte damals großes Aufsehen und wurde kontrovers
diskutiert. Das Westfälische Industriemuseum zeigt in der Jubiläumsausstellung mehr als
100 zeitgenössische Farbpostkarten und 20 historische Fotos die Prunkpaläste und die
Produktpalette, die die Industrie an Rhein und Ruhr in Düsseldorf präsentierte. 


DORTMUND 
Offenbar beeindruckte GHH-Pavillon auch die Leitungsetage der Gelsenkirchener Bergwerks
AG, denn dort fällte man am Tag nach der Düsseldorfer Ausstellungseröffnung (2.5.1902) eine
Entscheidung von großer Tragweite. Bei der Gutehoffnungshütte gab man einen
Alternativentwurf für die Maschinenhalle der Zeche Zollern II/IV, die gerae in Dortmund
gebaut wurde, in Auftrag: "Die Halle soll ähnlich wie die von Ihnen erbaute Maschinenhalle
der Düsseldorfer Ausstellung ganz aus Eisenkonstruktion hergestellt werden". Der anfangs
favorisierte Entwurf des Architekten Paul Knobbe, der die Maschinenhalle ähnlich wie die
anderen Gebäude der Zeche Zollern im Stil der "Backsteingotik" errichten wollte, landete in
der Schublade.

Der Bau der neuen Stahlfachwerkhalle nach Plänen des Ingenieurs Reinhold
Krohn und des Architekten Bruno Möhring zog sich dann allerdings erheblich länger hin als
vereinbart. Die Kohlenförderung konnte 2003 auf Zollern II/IV nicht fristgerecht
aufgenommen werden, was zu erheblichen finanziellen Einbußen führte. Es kam zu einer
gerichtlichen Auseinandersetzung, die 1904 schließlich mit einem Vergleich endet. 


MEXIKO
Die meisten Düsseldorfer Messehallen wurden so konzipiert, dass sie später als
Fabrikhallen auf dem eigenen Werksgelände genutzt werden konnten. Noch heute erhalten sind
die die Bauten von Krupp auf dem Rheinhausener Hüttenwerksgelände und als berühmtestes
Bespiel die "Jahrhunderthalle" des Bochumer Vereins. Die Gutehoffnungshütte und die
Deutzer Gasmotorenfabrik dividierten ihren kombinierten Ausstellungspavillon
auseinander und überführten "ihren" jeweiligen Anteil an unterschiedliche Orte: 

Die Halle der Motorenfabrik wurde kürzlich auf dem Werksgelände der Deutz AG in Köln wiederentdeckt.
Die GHH verkaufte ihren Anteil nach Mexiko City, wo er heute dem "Museuo Universitario del
Chopo" als Galerie für moderne Kunst dient. Über den gegenwärtigen Bauzustand der
ehemaligen Düsseldorfer Ausstellungshallen in Duisburg-Rheinhausen,
Bochum-Stahlhausen, Köln-Deutz und Mexiko-City informieren Großfotos. 

Die kulturelle Nutzung der Bochumer Jahrhunderthalle sowie der Stahlfachwerk-Halle 
des Museums in Mexiko wird durch aktuelles Informationsmaterial - Plakate, Programme, 
Prospekte - illustriert. "Düsseldorf - Dortmund - Mexiko" 21. September - 9. November 2003 


INFO

Westfälisches Industriemuseum Zeche Zollern II/IV 
Grubenweg 5
Dortmund-Bövinghausen
Öffnungszeiten: Di-So 10-18 Uhr