[WestG] [AKT] Was kommt nach der Industriekultur? Zur Zukunft der Kultur im Ruhrgebiet

Marcus Weidner m.weidner at lwl.org
Die Jun 17 12:10:44 CEST 2003


Übernahme aus der E-Mailing-Liste "Geschichtskultur-Ruhr"
Hrsg: Forum Geschichtskultur an Ruhr und Emscher
Redaktion: Susanne Abeck, Franz-Josef Jelich
Email: geschichtskultur at hclist.de 
Internet: www.geschichtskultur-ruhr.de

Von: mailing at geschichtskultur-ruhr.de 
Datum: 17.06.2003, 9:52

"Was kommt nach der Industriekultur? Zur Zukunft der Kultur im Ruhrgebiet"

Kultur Kontroversen -
Eine Gesprächsreihe des Kulturwissenschaftlichen Instituts, Essen, und des
Kulturdezernats der Stadt Essen
Am 25. Juni 2003, 19:30 Uhr im Kulturwissenschaftlichen Institut, Essen,
Goethestr. 31, 45128 Essen.

Es diskutieren Dr. Ulrich Heinemann (Ministerium für Schule, Jugend und
Kinder des Landes Nordrhein-Westfalen), Prof. Dr. Klaus R. Kunzmann
(Universität Dortmund) und Prof. Dr. Klaus Tenfelde (Stiftung Bibliothek
des Ruhrgebiets, Bochum). Die Moderation übernimmt Prof. Dr. Ulrich
Borsdorf (Ruhrlandmuseum Essen).

Fördertürme, Zechenanlagen und Arbeitersiedlungen sind Teil unseres
kulturellen Erbes geworden; die Industriekultur nimmt heute einen
unübersehbaren Platz in den Bereichen Kultur, Bildung, Wirtschaft und
Tourismus ein. Mit dem Ende der IBA stellt sich für das Ruhrgebiet jedoch
die Frage nach den Perspektiven einer zukunftsfähigen Kultur. Der
Gründerboom von industrie- und technikgeschichtlichen Museen ging aus der
strategischen Überlegung hervor, den Erhalt durch museale Nutzung zu
sichern. Die Konzepte dieser Museen müssen sich zunehmend der Anforderung
stellen, die Ansprüche einer konsum- und eventorientierten Gesellschaft zu
bedienen, ohne eine historische Dokumentation der Industriekultur zu
vernachlässigen. Die Ent-Historisierung und Mystifizierung von
Arbeitswelten zugunsten inszenierter Traumwelten kann aber nicht die
alleinige Lösung sein. Eine Umnutzung der Industrienanlagen muss sowohl dem
historischen Wert als auch der Finanzierbarkeit Rechung tragen. In Zeiten
leerer Kassen der öffentlichen Hand müssen Modelle gefunden werden, die den
historischen Orten eine ökonomische Basis geben, ohne sie einer knallbunten
Erlebniskultur preis zu geben. Die Industriekultur ist ein Erbe, dass es zu
nutzen gilt. Damit aus dem Erbe keine Hypothek wird, muss man sorgfältig
auswählen, was erhalten werden kann. Dem sinn- und identitätsstiftenden
Ansatz stehen Nutzbarkeit und Kostenrechnung gegenüber.

Die Frage nach der Zukunft der Kultur im Ruhrgebiet ist aber nicht auf die
Debatten über die Zukunft der Industriekultur beschränkt. Die integrativen
Ansätze der IBA, das industriekulturelle Erbe in  zukunftsorientierte
regionale Strukturkonzepte einzubinden, sind auch für andere Bereiche der
Kulturlandschaft des Ruhrgebiets zu bedenken. Die interdisziplinäre
Zusammenarbeit von Stadtplanern, Raumplanern, Historikern, Geographen,
Künstlern, Wirtschaftsförderern und Ökologen brachte neue Impulse hervor.
Und diese wird das Ruhrgebiet dringend benötigen, wenn es die Vielfalt
seiner Kultur bewahren und fördern will.

Kulturwissenschaftliches Institut
Telefon: (02 01) 72 04  0
Telefax: (02 01) 72 04 111
presse at kwi-nrw.de 
www.kwi-nrw.de 


Zur Vorbereitung / Einstimmung sei der Vortrag "Industriekultur: Vom Nutzen
zum Nachteilfür das Ruhrgebiet?" von Ulrich Heinemanns empfohlen, den er am
22. Januar 2003 bei einer Veranstaltung des Wissenschaftszentrums NRW im
Kontext der Ausstellung "RheinRuhrCity - Die unentdeckte Metropole"
gehalten hatte:
http://www.geschichtskultur-ruhr.de/medien/index.html (Rubrik
"Online-Bibliothek)