[WestG] [AKT] Grossausstellungen des Landschaftsverbandes 2005-2009

Rita Börste r.boerste at lwl.org
Die Aug 5 14:58:42 CEST 2003


Von: "LWL-Pressestelle" <presse at lwl.org> 
Datum: 05.08.2003, 10:05

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe informiert:
Neandertaler, Varusschlacht, Canossa-Gang, Nachkriegsaufbau und Gegenwartskunst: LWL plant fünf Großausstellungen

Der Landschaftsverband Westfalen-Lippe plant bis 2009 fünf große Sonderausstellungen. Sie werden sich mit der Zeit der Neandertaler, der Römer und Germanen, dem Mittelalter, der Nachkriegsgeschichte sowie der Gegenwartskunst beschäftigen. 

Für die Großprojekte "Der Osten baut den Westen auf" (2005 an mehreren Standorten des Westfälischen Industriemuseums), "leben in eXtremen" (2006 im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne zu 150 Jahre Neandertaler), "Canossa" (2006 im Paderborner Museum in der Kaiserpfalz zu den Wandlungen des 11. Jahrhunderts), "Skulptur.Projekte in Münster 2007" (vierte Auflage der Skulpturenausstellung im öffentlichen Raum des Westfälischen Landesmuseums für Kunst und Kulturgeschichte) und "2000 Jahre Varusschlacht" (2009 im Westfälischen Museum für Archäologie in Herne und im Westfälischen Römermuseum Haltern) hat jetzt der LWL-Kulturausschuss grünes Licht gegeben. 

Unter dem bewusst provokanten Titel "Der Osten baut den Westen auf" will das LWL-Industriemuseum ein Stück Nachkriegsgeschichte aufarbeiten, das in Museen noch nicht dargestellt wird. 60 Jahre nach Kriegsende stehen dabei die Themenkomplexe "Wiederaufbau" und "Flüchtlinge/Vertriebene" im Mittelpunkt. 

Diese Themen sind mit der Industriegeschichte eng verbunden. Die Aufbauleistungen der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge im westfälischen Raum sind branchenübergreifend im LWL-Industriemuseums gut nachzuvollziehen. Denn sieben der acht Museumsstandorte dokumentierten die fünf Industrien, die in diesem Zusammenhang wichtig sind: Bergbau (Zeche Zollern in Dortmund, Zeche Nachtigall in Witten, Zeche Hannover in Bochum), Stahl (Henrichshütte in Hattingen), Textil (Textilmuseum in Bocholt), Glas (Glashütte Gernheim in Petershagen) und Ziegel (Ziegelei Lage). 

Die geplante Ausstellung bezieht auch die aktuelle Diskussionen zu den Themen Migration und Integration sowie Versöhnung und EU-Osterweiterung mit ein. Die Ausstellung "leben in eXtremen" will zeigen, wie die Entwicklung des Menschen von der Umwelt abhing. 150 Jahre nach seiner Entdeckung soll dabei der Neandertaler im Mittelpunkt stehen. 

Das Westfälische Museum für Archäologie in Herne übernimmt bei diesem dreigeteilten NRW-Ausstellungsprojekt das Thema "Klima und Umwelt". Dabei soll sich die Klimaentwicklung der letzten 5,3 Millionen Jahre wie ein roter Faden durch die Ausstellung ziehen. Denn die Klimageschichte der Erde lässt sich anhand von Eis- und Tiefseebohrkernen rekonstruieren. Die Wissenschaftler wagen sogar einen Blick in die Klima-Zukunft: Aus den Klimaschwankungen der Vergangenheit leiten sie Vermutungen für die nächsten 75.000 Jahre ab. 

Die beiden anderen Teile des Neandertaler-Projektes tragen das Rheinische Landesmuseum Bonn und das Neandertalermuseum in Mettmann. An die erfolgreiche Karolingerausstellung wollen das LWL-Museum in der Paderborner Kaiserpfalz, die Stadt Paderborn und das Diözesanmuseum anknüpfen. Unter dem Arbeitstitel "Canossa" bereiten sie eine Gemeinschaftsausstellung vor, die sich mit den Wandlungen des 11. Jahrhunderts beschäftigt, für die der Gang Heinrichs IV nach Canossa das Stichwort gibt. 

Die Ausgrabungen und Forschungen zum Kloster Abdinghof, das Bischof Meinwerk (1009-1036) gegründet hat, werden zur Zeit neu aufgearbeitet. Die LWL-Forscher erwarten in Kürze sehr viele neue, bisher nicht in Ausstellungen präsentierte Erkenntnisse über diese Zeit, in der die festgefügten Strukturen von Reich und Kirche erschüttert wurden und der Bischof zu einer zentralen Gestalt des Mittelalter wurde.

Unter dem Titel "Skulptur.Projekte in Münster 2007" wagt sich das Westfälische Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte in Münster bereits zum vierten Mal mit modernen Skulpturen in den öffentlichen Raum. Die seit 1977 alle zehn Jahre stattfindende Ausstellung hat nach anfänglichen kontroversen Diskussionen ein stetig wachsendes Interesse an der modernen Kunst geweckt. Das Presseecho der letzten Ausstellung berechtigte sogar zu der Aussage, dass die "Skulptur" in Münster die damalige Dokumenta in Kassel überflügelt hatte. 

Mit ihrem Mix aus etablierten Künstlern und jüngeren Neuentdeckungen ist die Ausstellung, die sowohl Innen- wie Außenräume nutzt, zu einer der wichtigsten Adresse für Kunst im öffentlichen Raum geworden. Der Sieg germanischer Stammesverbände unter Arminus über die Legionen des römischen Feldherrn Varus gehört wie das Treffen Karls des Großen mit Papst Leo III. in Paderborn und der Abschluss des Westfälischen Friedens in Münster zu den drei Ereignissen von welthistorischer Bedeutung, die mit Westfalen verbunden werden. 

Unter dem Titel *2000 Jahre Varusschlacht" wollen das LWL-Museum für Archäologie in Herne und das LWL-Römermuseum Haltern an die militärische Auseinandersetzung erinnern, die wie kaum ein anderes Thema seit über 500 Jahren Historiker, Archäologen, Stabsoffiziere und Heimatforscher beschäftigt: Zum Ort der Schlacht gibt es über 700 Theorien. Fest steht, dass Westfalen bei der Vor- und Nachgeschichte eine wichtige Rolle gespielt hat: Die Lippe war die Hauptaufmarsch- und Versorgungsroute der Römer ins freie Germanien. 

Haltern war damals Zentrum der militärischen Unternehmungen und auf dem Weg zum Verwaltungsmittelpunkt einer neu zu gründenden Provinz. Erst die verlorene Varusschlacht brachte die Römer, die zu dieser Zeit auf der Höhepunkt ihrer Macht waren dazu, das rechtsrheinische Germanien nicht in ihr römisches Weltreich zu integrieren. Die Ausstellung, die vom Thema und Anspruch wie die Ausstellung zum Westfälischen Frieden eine "Europarats-Ausstellung" werden könnte, blickt auch darauf, welche Folgen die Varusschlacht für das moderne Europa hat. 

Der LWL möchte für dieses Projekt nicht nur eine Kooperation mit dem niedersächsischen Kalkriese und Instituten in Lippe, sondern auch mit Partnern in den Niederlanden, Belgien, Italien, Südosteuropa und dem Nahen Osten eingehen.